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Kultur Von Rostocker Meisterhand gefertigt: Museum erwirbt historische Silberleuchter
Nachrichten Kultur Von Rostocker Meisterhand gefertigt: Museum erwirbt historische Silberleuchter
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21:40 06.11.2019
Kuratorin Annelen Karge zeigt die zwei neuen Silberleuchter des Kulturhistorischen Museums. Gefertigt hat sie der Rostocker Gold- und Silberschmied Hinrich Georg Vitus um 1770. Quelle: Ove Arscholl
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Rostock

Vorsichtig streicht Annelen Karge mit ihrem weiß behandschuhten Finger über den Fuß des silbernen Leuchters. Dort sind in winzigen Lettern die Initialen R H G V zu erkennen. „Das ist das Meisterzeichen – und steht für den Rostocker Gold- und Silberschmied Hinrich Georg Vitus“, erklärt die Kuratorin für die Kulturgeschichtlichen Sammlungen des Kulturhistorischen Museums Rostock.

Obwohl Vitus im ausgehenden 18. Jahrhundert zu Rostocks bedeutendsten Goldschmieden gehörte, besitzt das Museum nur vier Stücke aus dessen Werkstatt. Dass mit diesem und einem weiteren Leuchter nun zwei weitere Arbeiten des Rostocker Goldschmiedes den Weg zurück in die Hansestadt gefunden haben, ist eher dem Zufall geschuldet.

Barocke Silberleuchter in niedersächsischem Auktionshaus

Vor einigen Monaten war das Paar barocker Silberleuchter, das um 1770 in der Hansestadt gefertigt wurde, in einem niedersächsischen Auktionshaus aufgetaucht. „Ein Silberliebhaber hat uns darauf aufmerksam gemacht“, sagt Karge. Mit finanzieller Unterstützung der Fielmann AG Hamburg, die bundesweit Museen bei Kulturankäufen unterstützt, habe das Kulturhistorische Museum die Exponate für die Rostocker Sammlung erwerben können.

„Wir arbeiten seit drei Jahren mit der Fielmann AG zusammen und haben schon mehrfach großzügige Stiftungen bekommen“, so Museumsleiter Steffen Stuth. Auf diesem Wege seien bereits die Bodenstanduhr eines Rostocker Uhrmachers sowie der Nachlass eines Rostocker Arztes in den Besitz des Kulturhistorischen Museums gelangt.

Über das Paar barocker Silberleuchter freuen sich Stuth und seine Kollegin gleich aus mehreren Gründen. „Es sind absolute Prototypen für das ausgehende 18. Jahrhundert. Die Leuchter sind das, was der wohlhabende Rostocker Bürger auf seiner festlichen Tafel stehen hatte“, so Karge. „Obwohl unsere Sammlungen sehr umfangreich sind, hatten wir diese typische Form des Silberleuchters bisher noch nicht. Und das aus der Hand eines Rostocker Silberschmiedes, das fanden wir sehr spannend.“ Hinzu komme, dass es schwer sei, aus der Zeit vor 1800 Exponate zu bekommen. „Umso mehr freuen wir uns über jedes Stück, das wir kriegen können“, so Karge.

Schenkung im Wert von mehreren Tausend Euro

Auch der Zustand sei exzellent. „Die Leuchter sind sehr gut erhalten, es sind kaum Schäden zu erkennen“, sagt Karge. Damit dies so bleibt und sie nicht anlaufen, werden sie künftig in eigens dafür angefertigten Hüllen aus einem speziellen Stoff gelagert. Der materielle Wert liege bei mehreren tausend Euro.

Kuratorin Annelen Karge (r.) und Museumsleiter Steffen Stuth (l.) zeigend dem Rostocker Fielmann-Filialleiter Torsten Jahnke die barocken Silberleuchter. Quelle: Ove Arscholl

Auch wenn die Leuchter zunächst im Depot verstaut werden, sieht Karge künftig viele Einsatzmöglichkeiten zu unterschiedlichen Ausstellungsthemen. „Dazu gehören die Bereiche Alltagsleben, Bürgertum in Rostock, historisches Handwerk oder Beleuchtung.“

Letzteres wird auch Thema einer Ausstellung im Sommer nächsten Jahres mit dem Titel „Licht an!“ sein. „Es wird eine Reise durch die Neuzeit – von der Kerze zum Petroleum bis hin zur Elektrizität. Da sind die Leuchter natürlich Paradestücke“, verrät Stuth. Dann sollen die Besucher auch die Möglichkeit haben, die Silberleuchter erstmals selbst in Augenschein zu nehmen.

180 000 Exponate im Kulturhistorischen Museum

Insgesamt beherbergt das Museum rund 180 000 Objekte, an denen sich die 800-jährige Stadtgeschichte ablesen lässt, darunter Gemälde, Grafiken, Skulpturen, Waffen, Münzen, Textilien, Möbel, Spielzeug und Fotografien.

Von Hinrich Georg Vitus gebe es bisher nur vereinzelte Exponate: „Wir haben eine Gruppe von Silberbechern, die einst den Rostocker Bruchfischern gehört haben“, so Karge. „Darunter sind vier, die Herr Vitus gemacht hat. „Das sind die einzigen Arbeiten, die wir bisher von ihm kennen. Daher haben wir uns sehr gefreut, dass nun zwei weitere Arbeiten aufgetaucht sind.“

Auf den Spuren von Hinrich Georg Vitus

Durch die Schenkung sei auch das Interesse an seiner Person neu erwacht. „Bisher wissen wir nur, dass er mal Ältermann, also Vorsitzender der Goldschmiedezunft, war, 1766 Meister wurde und einer der Besten seines Faches war“, so Karge. Um 1770 herum habe er geheiratet und später habe seine Frau ein Kind bekommen, das nicht lange gelebt habe. „Das weiß man durch die Eintragung im Kirchenbuch St. Marien“, so Karge. Dass Vitus zur Gemeinde St. Marien gehörte, zeuge davon, dass er vermutlich in prominenter Wohnlage um den neuen Markt herum gelebt habe, vermutet Stuth.

Anhand eines Testamentes, auf das Karge bei Recherchen im Stadtarchiv stieß, wollen sie und Stuth nun weitere Details zu seinem Leben zusammentragen. „Das ist wie ein Mosaik, Stein um Stein entsteht so das Gesamtbild einer Person“, so Stuth.

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