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Von einer Insel zur anderen: Usedomer Künstlerin zeigt Werke in Orangerie Putbus

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19:04 09.01.2020
Künstlerin Sabine Curio stellt in der Orangerie Putbus aus. Die Exposition trägt den Titel „In der Stille“. Quelle: Stefanie Büssing
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Putbus

Eine schneebedeckte Landschaft, die Umrisse eines Hauses, die im Dunst verschwimmen – „Winterbild vom Deich aus mit Haff-Haus“ heißt die Szenerie, die Sabine Curio vor ihrem Haus festgehalten hat. „Es war Tauwetter, das Wasser tropfte von den Bäumen. Ich hörte nur eine Krähe, die über mich hinwegflog, sonst war Stille“, sagt die 69-Jährige.

Als Meditation vor der Natur habe einmal jemand ihre Arbeit bezeichnet. „Das passt“, sagt sie. Denn es sind vorwiegend die stillen Momente, die Curio mit ihren Bildern einfängt und der Schnelllebigkeit der heutigen Zeit entgegensetzt. Stillleben, wie eine offene Verandatür, ein Blumenarrangement auf der Terrasse, sich stapelnde Keramik in der Küche, aber auch zahlreiche in sich ruhende Landschaften – im Winter wie im Sommer.

Dabei gehen ihre Bilder weit über die reine Abbildung hinaus. „Für mich ist Kunst die Verwandlung von etwas Sichtbarem in etwas Spürbares“, sagt Curio. Diese Magie habe sie schon als Kind gespürt. Das Gefühl dafür sei ein Leben lang geblieben.

Orangerie zeigt mehr als 80 Arbeiten von Sabine Curio

Unter dem Titel „In der Stille“ werden vom 11. Januar bis zum 1. März in der Orangerie Putbus mehr als 80 Arbeiten der Usedomer Künstlerin gezeigt, die vorwiegend in den vergangenen zehn Jahren entstanden sind – darunter Ölbilder, Aquarelle und Grafiken.

Orangerie Putbus zeigt die Schau „In der Stille“

1950 wird Curio in Ahlbeck auf Usedom geboren. Schon als Kind fängt sie in Bildern ihre Umgebung ein. „Anfangs wollte ich Naturforscherin werden“, verrät Curio, sie schlägt dann aber doch den künstlerischen Weg ein. 1969 besucht sie die Kunsthochschule in Berlin-Weißensee und macht zudem erste Malstudien bei Otto Niemeyer-Holstein (1896-1984). „In meinen ersten Jahren hat er mich sehr geprägt“, sagt sie. „Von ihm habe ich viel gelernt, unter anderem, dass es nicht nur um Talent geht, sondern dass man sich auch viele Dinge erarbeiten kann.“ Der Kontakt bleibt bis zum Tode Holsteins 1984 erhalten.

Seit 1995 ist Sabine Curio Vorsitzende des Freundeskreises Niemeyer-Holstein, der sich um die Bewahrung des Ateliers Lüttenort und um das künstlerische Vermächtnis des Malers kümmert.

„Als ich zum Studieren ging, war ich ein richtiges Landei“

Von 1977 bis 1980 ist Curio zudem Meisterschülerin an der Akademie der Künste in Berlin bei dem Bildhauer, Maler und Schriftsteller Wieland Förster, von dem – anlässlich seines 90. Geburtstages in diesem Jahr – ebenfalls einige Plastiken in der Schau in Putbus zu sehen sind.

Nach ihrem Studium kehrt Curio nach Usedom zurück und kauft das Haff-Haus in Stolpe, das sie nach und nach wieder instand setzt. „Als ich zum Studieren ging, war ich ein richtiges Landei und habe die Impulse der Großstadt wie ein Schwamm aufgesogen“, erinnert sie sich. „Zunächst dachte ich, dass ich zwischen Stolpe und Berlin pendeln würde, aber dann war mir klar, dass ich zurückwill, in die Landschaft. Und das war die richtige Entscheidung“, ist sich Curio heute sicher.

Nicht zuletzt, weil sich vor ihrem Fenster täglich die schönsten Motive bieten: „Der blühende Apfelbaum, der erste Schnee, der Raureif, die ersten Schneeglöckchen – jeden Tag bietet sich eine völlig neue Landschaft“, so Curio.

Orangerie-Programm 2020

11. Januar bis 1. März 2020: Sabine Curio (Malerei, Druckgrafik)

7. März bis 26. April 2020: Hanns Studer (Holzschnitte, Glasmalerei)

2. Mai bis 21. Juni 2020: Hans Pölkow (Fotografie)

27. Juni bis 23. August 2020: Bernd Göbel (Plastik, Grafik)

29. August bis 25. Oktober 2020: Britta Naumann, Ines Diederich, Monika Ringat (Malerei, Grafik, Objekte, Installationen, Skulpturen)

31. Oktober bis 20. Dezember 2020: Albin, Hans, Lutz, Ania Rudolph & Wilhelm, Klaus, Rainer Görß (Künstlerische zeitgeschichtliche Forschung)

Geöffnet:Dienstag bis Samstag 11 bis 16 Uhr und Sonntag 13 bis 16 Uhr

Usedomer Künstlerin zu Gast auf Rügen

Fast alle ihre Motive entstammen der unmittelbaren Umgebung und werden direkt vor Ort in Öl festgehalten. „Skizzen mache ich keine. Es geht mir um das unmittelbare Erlebnis, das geht im Atelier verloren“, sagt Curio. „Auch wenn dabei im Winter die Finger manchmal ein wenig klamm werden“, fügt sie hinzu und lacht.

Auslöser für ein Bild gibt es viele: „Eine bestimmte Farbigkeit, eine Stimmung oder die Struktur im Garten, Wurzeln, Blätter oder Gräser, die durcheinanderfallen“, sagt Curio. „Wenn mir nichts mehr einfällt, wechsele ich zum Holzschnitt oder zur Leichtigkeit des Aquarells“, verrät sie. Auch davon hat sie einige mit in die Orangerie gebracht. Auch Porträts und Akte sind in Putbus zu sehen, die Curio vorwiegend von Freunden und Bekannten angefertigt hat.

„Wir sind sehr froh, dass wir nach Matthias Wegehaupt 2014 nun eine weitere Usedomer Künstlerin auf Rügen zeigen können“, sagt Reinhard Litty von der Kulturstiftung Rügen. „Es wäre schön, wenn beide Inseln im Bereich Kultur und künftig noch enger zusammenarbeiten würden.“ Dass die Schau auch beim Publikum gut ankommt, davon ist Litty überzeugt: „Die Bilder von Sabine Curio öffnen das Herz jedes sensiblen Betrachters, wenn er sich darauf einlässt.“

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Von Stefanie Büssing

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