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Kultur Vor 150 Jahren starb in Paris der italienische Opernkomponist Gioacchino Rossini
Nachrichten Kultur Vor 150 Jahren starb in Paris der italienische Opernkomponist Gioacchino Rossini
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13:50 12.11.2018
Gioachino Rossini Quelle: Carjat Foundation
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Paris

Pesaro ist außerhalb der Saison ein beschauliches Städtchen an der Adriaküste nahe Rimini. In diesen Tagen deutet nicht allzu viel auf Gedenkfeierlichkeiten für Gioacchino Rossini hin. Heute vor 150 ist il cigno di Pesaro, der Schwan von Pesaro gestorben. In der Stadt, in der er am Schalttag 1792 das Licht der Welt erblickte, gibt es am Sonntag im Theater, das seinen Namen trägt, ein Gedenkkonzert. Conservatorio Rossini, Rossini Opera Festival und Fondazione Rossini laden zum Stabat mater.

Rossini hinterließ nur wenige Spuren in Pesaro. Sein Geburtshaus beherbergt ein Museum. An der Fassade der Post findet sich in einer Nische eine Statue. Und Carlo Marochettis plumpes Denkmal von 1902 verbirgt sich im Garten des Konservatoriums. Hier nahm die Karriere des wichtigsten italienischen Opernkomponisten nach Monteverdi und vor Verdi ihren Anfang. Eine Karriere, die nach gut 40 Opern und der geteilten Aufnahme des „Guillaume Tell“ 1829 in Paris ihr Ende fand – fast 40 Jahre vor Rossinis Tod. Der beschloss, der Opernbühne zu entsagen und sich der Kochkunst zu widmen. Auch auf diesem Felde verdanken wir ihm viel. Etwa Tournedos Rossini: Rinderfilets unter einer Haube aus gebratener Gänsestopfleber und schwarzen Trüffeln.

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Im dritten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts ist Rossini weltberühmt und gilt als größter Tonsetzer aller Zeiten. Dennoch ist er ein Relikt. Wahrscheinlich spürt er, dass er neben Donizetti und Verdi und Wagner nichts Wesentliches mehr zu sagen hat. Als Abschiedsgeschenk hinterlässt er den Beweis, dass sein Abschied freiwillig ist: „Wilhelm Tell“. Mit diesem Meisterwerk verbindet er die Errungenschaften der „Jungen Franzosen“ mit seiner uritalienischen melodischen Erfindungsgabe.

Rossinis operngeschichtliche Bedeutung liegt dennoch auf dem Feld der der opera buffa. Er sagte zu Wagner: „Viel lieber beschäftige ich mich mit komischen als mit ernsten Stoffen.“ Und er führte die Buffa mit „Barbiere di Siviglia“ (1816) zu ihrer höchsten Blüte. Schon in der „Italiana in Algeri“ bricht Rossini 1813 mit den Typisierungen der Protagonisten. An ihre Stelle treten liebenswert-lebendige Menschen mit echten und fein ausbalancierten Gefühlen. Selbst die Deppen Mustafa und Taddeo bleiben sympathisch. Rossini starb heute vor 150 Jahren an den Folgen einer Darmoperation bei Paris. Auf dem Pariser Friedhof Père-Lachaise fand er nur seine vorletzte Ruhe. 1887 überführte man seine Gebeine in die Florentiner Kirche Santa Croce, ins Pantheon der Italiener, wo auch die Gräber Machiavellis, Michelangelos, Galileos, Foscolos und ein Kenotaph für den in Ravenna beerdigten Dante Alighieri finden.

Peter Korfmacher