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Weihnachtsmärchen für Schulklassen in MV wieder erlaubt: So reagieren die Theater

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20:01 29.11.2020
Das Theater Anklam lädt am 1. Dezember zur Vorstellung von „Die Weihnachtsgans Auguste“ ein.
Das Theater Anklam lädt am 1. Dezember zur Vorstellung von „Die Weihnachtsgans Auguste“ ein. Quelle: MARTINA KRÜGER
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Rostock/Anklam

Die ganze Vorweihnachtszeit ist sie liebevoll, geradezu menschlich behandelt worden, aber kurz vorm Fest soll dann doch Schluss sein: Die Gans muss in den Backofen. So zumindest ergeht es der Weihnachtsgans Auguste in der Geschichte von Friedrich Wolf. Ein Schelm, der nicht Symbolisches dabei denkt, wenn die Vorpommersche Landesbühne jetzt mit dieser Figur auf die Situation der Theater aufmerksam machen will.

Tatsächlich wandert in einem Videoclip, der am Montag freigeschaltet wird, die Gans mit ihrer Freundin Tante Therese durch die Flure und Räume, um zu sehen, was los ist am Theater während des Lockdowns. Und siehe da: Hinter jedem Türchen eine Überraschung, sprich: es wird geprobt, was das Zeug hält. „Hinter den Kulissen läuft alles“, sagt Martina Krüger, Sprecherin der Vorpommerschen Landesbühne. Geprobt wird derzeit unter anderem auch für „Der Gott des Gemetzels“ (Premiere geplant im Januar) und „Cyrano de Bergerac“.

Die Weihnachtsgans Auguste (Anna Jamborsky) und Tante Therese (Torsten Schemmel) treten in einem Video auf, in dem sie Studenten und Dozenten der Theaterakademie sowie Schauspieler der Vorpommerschen Landesbühne vorstellen. Anlass ist am Montag der „Aktionstag Theater und Orchester“, an dem sich auch die Vorpommersche Landesbühne beteiligt. Quelle: HANNES EWERT

Bundesweiter Aktionstag der Theater

Nur vor den Kulissen läuft (noch) nichts. Zwar erlaubt MV ab dem 1. Dezember immerhin für Schulklassen Aufführungen von Weihnachtsmärchen, Kita-Kinder oder Privatpersonen müssen aber weiterhin auf das Vergnügen verzichten. Und darauf will die Gruppe der Intendantinnen und Intendanten des Deutschen Bühnenvereins aufmerksam machen.

Mit einem Aktionstag, der an diesem Montag um 12 Uhr mittags bundesweit auf die Situation der Theater und Orchester aufmerksam machen will. „Wir sind da“, heißt es in Großbuchstaben in einer Mitteilung des Bühnenvereins. Ziel sei es, „ein Zeichen von Zuversicht, künstlerischer Energie und Verbundenheit zu ihrem Publikum in die Kommunen senden“, so heißt es weiter.

Zuversicht und gute Laune sollen deutlich werden

Am Volkstheater Rostock wird dieser Aufruf gehört – und in die Tat umgesetzt. Geplant ist ein „City-Walk der Zuversicht“, kündigt Theatersprecherin Ute Fischer-Graf an. Mit Sicherheitsabstand wollen sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aller Sparten in einem langen Zug durch die Stadt bewegen. Keine Mitmachaktion, sondern eher ein bewegliches Bild um Anschauen und Nachdenken. Das Gesundheitsamt hat am Sonnabend diesen Marsch genehmigt. Verkleidete Darstellerinnen und Darsteller werden dabei sein.

Ein Dach für die Bühnen

In der „Intendantengruppe im Deutschen Bühnenverein“ haben sich 127 Leiterinnen und Leiter von Theatern und Orchestern zusammengeschlossen. Vorsitzende sind Kathrin Mädler vom Landestheater Schwaben in Memmingen und Hasko Weber, der Generalintendant des Deutschen Nationaltheaters und der Staatskapelle Weimar am Staatstheater Thüringen. Die Gruppe setzt sich bundesweit für die Entwicklung und Vielfalt der Theater und Orchester ein.

Die Gruppe ist Teil des Deutschen Bühnenvereins, der Interessenvertretung der deutschen Theater und Orchester. Geleitet wird er von Ulrich Khuon und Marc Grandmontangne. Der Verband hat 470 Mitglieder: Stadt- und Staatstheater, Landesbühnen, viele Privattheater, Orchester, außerdem öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten sowie sogenannte persönliche Mitglieder.

Die Theateraktionen am 30. November sollen bundesweit um 12 Uhr starten. Videos der verschiedenen Aktivitäten werden hinterher im Internet öffentlich gemacht.

Der Zug soll ruhig, aber unaufhaltsam durch die Stadt ziehen. „Wir wollen keinen Auflauf verursachen“, so Fischer-Graf. Aber das Zeichen soll deutlich sein: Es geht um Zuversicht und gute Laune. Abends wird die Fassade des Theaters rot angestrahlt – so wie bei vielen Häusern bundesweit an diesem Tag.

Weihnachtsmärchen für Schulklassen erlaubt

Dass Weihnachtsmärchen für Schulklassen nun doch aufgeführt werden dürfen, sei ein erster Schritt: Die Vorpommersche Landesbühne will am Dienstag den Spielbetrieb sofort aufnehmen. Die Kindervorstellungen starten am 1. Dezember im Theater Anklam, im gelben Theater „Die Blechbüchse“ in Zinnowitz und in der Barther Boddenbühne, wie das Theater am Sonntag mitteilte.Gezeigt würden die Kinderstücke „Bei der Feuerwehr wird der Kaffee kalt“, „Die Weihnachtsgans Auguste“, „Der kleine Muck“ sowie „Hase und Igel“. 3500 Buchungen lägen für die rund 65 Kindervorstellungen bereits vor – darunter sind allerdings auch noch welche von Kindergärten.

Als Weihnachtsmärchen der Rostocker Bühne war „Rapunzel“ geplant. Dias Volkstheater geht nun davon aus, dass gespielt werden kann, sagt Sprecherin Ute Fischer-Graf. Allerdings unter Vorbehalt: Denn die Verantwortlichen wollen noch einmal den genauen Wortlaut der Verordnung abwarten. Spätestens Montagnachmittag soll allerdings eine Entscheidung gefällt werden. Karten von Schulen für die Vorstellungen von „Rapunzel“ ab dem 1. Dezember seien auf jeden Fall reserviert. Das Schweriner Staatstheater hatte bereits am Donnerstag verkündet, das Haus bis Ende Dezember zu schließen und sagte alle geplanten Vorstellungen und Premieren ab.

Nicht alle Theater beteiligen sich an der Aktion

Beim Aktionstag am Montag machen zudem auch nicht alle Häuser des Landes mit. Das Theater Vorpommern zum Beispiel hat nichts geplant. Allerdings will das Haus im Lauf des Dezember mit einzelnen öffentlichen Aktionen auf sich aufmerksam machen, kündigt Sprecherin Helga Haase an.

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Wenn sich die Theater und Orchester zurzeit auch nicht als Orte des Zusammenkommens zur Verfügung stellen können, so möchten sie dennoch einen Impuls von Lebendigkeit geben und ihrem Glauben an die künstlerische Utopie Ausdruck verleihen“, so steht es in der Mitteilung des Bühnenvereins. „Sobald es wieder möglich ist, stehen sie für die künstlerische Aufarbeitung unserer gesellschaftlichen Krise zur Verfügung.“ Das natürlich nur, wenn es ihnen ergeht wie der Weihnachtsgans Auguste. Die wird im letzten Moment doch noch gerettet, arg gerupft, aber immerhin – sie wird nicht verspeist.

Von Matthias Schümann