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Kultur „Wir werden auch in 25 Jahren nicht abheben“
Nachrichten Kultur „Wir werden auch in 25 Jahren nicht abheben“
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00:00 21.09.2015
800 Gäste erlebten am Sonnabend in der festlich geschmückten St.-Georgen-Kirche Wismar den Saisonabschluss der Festspielsaison 2015 mit dem Violinisten Nikolaj Znaider und dem NDR Sinfonieorchester Hamburg unter Leitung von Rafael Payare. Fotos (3): Monika Lawrenz
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Wismar

Um 18. 24 Uhr mochten gläubige Menschen in der Georgen-Kirche Wismar denken: Gott macht Späße. Weniger religiöse Naturen sahen einfach nur einen Sonnenuntergang.

Die Abendsonne hatte, bevor sie hinterm Horizont versank, ihre Strahlen durch ein Westfenster gesandt, die durch einen Spalt der Abblendtücher luscherten und Bühne samt Publikum erstrahlen ließen.

Ein Schauspiel mitten im Allegro von Beethovens Konzert für Violine und Orchester D-Dur, das sieben Minuten dauerte. Die Sonne verschwand, die Musik blieb für einen Abend, bevor auch sie sich in die verdiente Winterpause verabschiedete.

Sonnenuntergänge, zumal im Herbst, vermitteln Abschiedsstimmung. Das passte zum Abend, zum Anlass, zur Musik. Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD) hatte das Abschlusskonzert der Festspielsaison 2015 Sonnabend in Wismar eröffnet: „Die Festspiele gehören ohne Zweifel zu den Edelsteinen der Kulturlandschaft von Mecklenburg-Vorpommern.“ Brodkorb forderte die 800 Gäste auf, fleißig zu spenden. Denn die Landesregierung hat versprochen, bis zu 250000 Euro zu stiften. 200000 Euro privater Zuwendungen haben die Festspiele eingesammelt. Fehlen noch 50000 Euro, um mit Hilfe der Landesstiftung auf die halbe Million zu kommen.

Die Festspiele schienen in hochpolierter Währung zurückzahlen zu wollen. Der glänzende dänisch-israelische Violinist Nikolaj Znaider (40) und das NDR Sinfonieorchester unter Leitung von Rafael Payare (35) aus Venezuela bereiteten einen wohlig warmen und harmonischen Saisonabschluss in der ersten Hälfte mit Beethovens Konzert für Violine und Orchester D-Dur. Dass dieser hochkarätige Klangkörper aus Hamburg unter Leitung dieses Energiebündels am Pult auch ganz anders als wohlig kann, merkte man nach der Pause. Schostakowitschs 10. Sinfonie e-Moll, fünf Jahre nach Stalins Tod, nach fünf Jahren musikalischen Schweigens dieses ums Existenzielle ringenden Komponisten geschrieben, ist Dramatik, Düsternis, Raserei. „Musik, die um sich schlägt“, schreibt die Musikwissenschaftlerin Kerstin Klaholz.

Das Publikum quittierte diese musikalische Schlägerei mit Händen und Füßen. Stehender Applaus. Und so geht eine Jubiläumssaison zu Ende, wie sie sich 15 Wochen lang aufgeführt hat: Erfolgreich, vielseitig, überraschend, verspielt, ernsthaft, modern, traditionell. Mit 75000 Zuschauern stellen die Festspiele in ihrer Jubiläumssaison einen Besucherrekord auf. 2000 mehr als im Vorjahr.

100 der 124 Veranstaltungen waren ausverkauft, die Platzauslastung liegt mit 93 Prozent enorm hoch. Der Etat von 4,6 Millionen Euro wird zu 92 Prozent privat finanziert. Das Programm dieses musikalischen Wanderzirkusses, der im gesamten Land erklingt, ist vielfältig, anspruchsvoll und gespickt mit Stars.

Kein Wunder, dass Wismar einen glänzend aufgelegten Intendanten erlebte. Markus Fein: „Was für ein Sommer dieser Festspielsommer 2015. Wir erlebten ihn durch ein Vergrößerungsglas. Wir erlebten eine Woche voller Sonntage, tollen Künstlern und anregenden Gesprächen.“ Fein betonte, dass er nicht an einer „Olympiade der Rekorde interessiert“ sei, die Festspiele sollen trotz aller Erneuerung bleiben, was sie sind: eine Klassikreihe mit Herz. „Wir werden auch in 25 Jahren nicht abheben. Und wenn Sie wüssten, meine Damen und Herren, was Sie 2016 erwartet . . .“



Michael Meyer

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