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14:40 22.10.2018
Junge MusikerInnen der Yaro beim Konzert der Rostocker Stadtwerke.
Junge MusikerInnen der Yaro beim Konzert der Rostocker Stadtwerke. Quelle: HMT
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Rostock

„Am 10. November lassen wir es so richtig krachen“, sagt Stephan Imorde, Klavierprofessor an der Rostocker Hochschule für Musik und Theater (HMT) und Leiter der Young Academy Rostock (Yaro), dem internationalen Zentrum für Hochbegabte Musiker an der HMT. Sein Baby, die Yaro, feiert zehnten Geburtstag. Dafür hat sich die Hochschule nicht nur eine große Party mit Musik erdacht, sondern auch große Pläne für die Zukunft formuliert. Imorde sagt: „Konsens bei uns ist, dass sich die Yaro weiterentwickeln muss.“ Und zwar nicht, weil die Idee dieser Elitenförderung nicht aufgegangen ist, sondern im Gegenteil. Man habe den Geburtstag zum Anlass genommen, die vergangenen zehn Jahre zu analysieren. Ergebnis: „Die Yaro geht durch die Decke, ist irre gut vernetzt und wird irre gut angenommen.“ Ziel sei es daher, dass die Yaro das zentrale Element der HMT wird.

Dafür habe man sich drei Ausbaustufen überlegt. Die regionale, nationale und internationale Entwicklung. Regional wollen die Rostocker intensiver mit den 17 Musikschulen vor Ort zusammenarbeiten. Imorde sagt: „Wir haben 17 Musikschulen im Land. Baden-Württemberg hat zum Vergleich 400.“ Imorde möchte aus jeder dieser Musikschulen eine Art Minj-Yaro mit je einem Yaro-Botschafter vor Ort entwickeln. Gefördert werden soll diese Idee durch ein Sponsoring über die Energieversorger in MV unter dem Motto „Energie für Nachwuchs“. Schirmherrin: Manuela Schwesig.

Die Young Academy Rostock (Yaro) an der HMT feiert zehnten Geburtstag – und hat große Pläne. Diese jungen Musiker haben schon auf sich aufmerksam gemacht.

Als Vision auf regionaler Ebene hat der Klavierprofessor ein eigenes Musikgymnasium im Kopf. Die Förderung musikalisch Hochbegabter sei so komplex, dass es nicht ausreicht, das an einem Fördergymnasium quasi nebenbei zu leisten. Vorbild seien die Eliteschulen des Sports, die in Deutschland gesellschaftlich verankert und anerkannt seien. Das bisher als einziges auf diesem Niveau agierende Käthe-Kollwitz-Gymnasium sei auf Ensembles orientiert. Imorde: „Wir müssen diejenigen, die aus der Masse der Begabten noch herausragen, orten und speziell fördern. Ohne Eliten geht es nicht.“

Auf nationaler Ebene wollen die Musikprofessoren dafür sorgen, dass MV ein Zentrum im Norden für junge Musik wird. Dazu soll auch die Yaro Summer School mit interdisziplinären Sommerkursen für Musik und Schauspiel dienen. Außerdem werden die jungen Musiker der Einrichtung weit mehr Konzerte auch außerhalb des Landes in Berlin, Hamburg oder München geben.

Fünf Jahre Carte Blanche in Heiligendamm

Seit 2012 arbeiten die Rostocker Hochschule für Musik und Theater (HMT) und das Grand Hotel Heiligendamm in einem nach Aussage beider Häuser deutschlandweit einmaligen Projekt zusammen. Die Young Academy Rostock (Yaro) in Residence am Grand Hotel Heiligendamm und die Konzerte der Reihe Carte Blanche bieten Konzerte mit aufstrebenden Talenten aus der Region und der Yaro-Class der HMT und gestandenen Musikern wie dem Duo Liepe, das Ende September im Grand Hotel aufgetreten ist, oder der Sängerin Jane Comerford (Texas Lightning), die am 17. Oktober zu Gast war. Am 30. Oktober treten bereits zum siebten Mal Young Artists in Residence beim Carte Blanche-Gastspielabend im Hotel auf. Es werden die Residenzkünstler Uljana Katushonak (13) aus Schwerin an der Violine, Quentin Fournet-Fayas (15) aus Rostock am Kontrabass und Pamina Seiberling (11) aus Greifswald am Klavier spielen. Mehr als 80 begabte Kinder und Jugendliche aus MV, ganz Deutschland und dem nahen europäischen Ausland sind seitdem ausgebildet worden und haben in Heiligendamm Gelegenheit zum Auftritt bekommen.

Am 9. und 10. November feiert die Rostocker HMT den 10. Geburtstag ihrer Young Academy mit einem großen Fest in der Hochschule.

Ein gut funktionierender Anker für Auftritte der Yaro-Musiker ist das Project „Young Artists in Residence“ des Grand Hotels Heiligendamm, das seit fünf Jahren läuft. Hier haben die Talente Gelegenheit, als Gäste des Hotels in einer Residenz gemeinsam und unter Anleitung der Dozenten zu üben und Konzerte vor Publikum zu geben. In der Residence 2018 sind die Violinistin Uljana Katushonak (13), der Kontrabassist Quentin Fournet-Fayas (15) und die Pianistin Pamina Seiberling (11) als Künstler vom 29. Oktober bis 4. November im Grand Hotel.

Auch die Kooperation mit Institutionen wie den Festspielen MV oder dem Usedomer Musiksommer wird ausgebaut. Konzertformate wie „Klänge für Generationen“, bei denen Schüler für Schüler oder Schüler für Senioren spielen, soll mit Hilfe des Sponsoring-Konzepts „Energie für Nachwuchs“ ausgedehnt werden.

Und dann will die Yaro den Sprung über die Landesgrenzen hinaus wuppen. Imorde will Partnerinstitute für internationale Zusammenarbeit entwickeln. Ein Kooperations-Vertrag ist mit der Emil-Darzin-Schule in Riga geschlossen. Mit der Schule für musikalisch Hochbegabte in Lettland soll ein regelmäßiger Austausch junger Musiker, Früh-Studierender und Dozenten bei Kammermusik- und Orchesterprojekten organisiert werden. Außerdem will die HMT ein internationales Netzwerk von Förderinstituten entwickeln.

Ein strammes Programm an Zielen haben sich die Rostocker Musikförderer da gestellt. Realistisch? Die Frage stellt sich nicht, sagt Imorde: „Wir haben uns des Themas anzunehmen. Denn trotz guter Resultate bleiben entscheidende Entwicklungspotenziale in unserer deutschen Musikschulen- und Hochschullandschaft ungenutzt.“ Laien würden beim Stichwort Elitenförderung oft glauben, es gehe darum, hochleistungsfähige Musikhybriden zu züchten, die von einem Wettbewerbssieg zum nächsten touren. Stephan Imorde: „Diese jungen Musiker sollen auf der einen Seite auch die Möglichkeit zu einem Leben erhalten, dass ihnen entspricht und zum anderen ist ein Motiv des Kulturkampfs. Stellen Sie sich eine Gesellschaft ohne klassische Musik vor. Wollen wir das? Nein!“

Michael Meyer