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00:00 03.07.2015
Bonnie Parker & Clyde Barrow werden perfekt gespielt von Michelle Boldt und Valentin Steinle. Quelle: Peter Binder
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Greifswald

Sie stehlen, rauben, morden und halten in den 1930er Jahren die USA in Atem: Bonnie und Clyde, das legendäre Gangsterpärchen aus Texas. Am Mittwochabend raubten sie wieder — die Herzen der Zuschauer im ausverkauften Theater. Denn was die Schüler des Jahngymnasiums in diesem Jahr auf der Bühne zelebierten, wie Musik, Gesang und Schauspiel Lehrer, Mitschüler, Eltern, Großeltern und Gäste mitrissen, das hatte Spitzenniveau.

Michelle Boldt als Bonnie, die so gerne Filmstar, Sängerin oder Dichterin sein wollte, hat eine grandiose Stimme: glockenhell, doch voller Timbre. Ihr Gesang erzeugt Gänsehaut, ein Taschentuch sollte zum Tränenabtupfen in Reichweite sein. Die 17-Jährige, die erst seit zwei Jahren in der Musical AG mitmacht und im vorigen Jahr noch im Chor sang, hat riesigen Spaß am Auftritt: „Es ist zwar anstrengend. Aber bei so vielen tollen Liedern lohnt sich die Mühe“, sagt die Elftklässlerin. Außerdem gefalle ihr, dass sich die Handlung nicht nur auf eine Person konzentriere.

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Ein absoluter Glücksgriff ist Clyde, gespielt von Valentin Steinle. Der 15-Jährige, Schüler der 9. Klasse, ist auch ein begnadeter Schlagzeuger und musste sich zwischen Band und Gesang/Schauspiel entscheiden. „Unser Musical ist eine super Version“, meint er. Seit Mittwoch steht fest: Er hat alles richtig gemacht. An Michelles Seite gibt er auf der Bühne nicht nur den knallharten Typen, sondern einen schwer verliebten jungen Mann.

Blanche Barrow, Clydes Schwägerin, wird von Wiebke Güldenpenning verkörpert. Trotz des Abiturstresses legt die Zwölftklässlerin eine Vorstellung der Extraklasse hin. Gesang und Schauspiel sind top.

Da verwundert es nicht, dass es sie später auch beruflich in diese Richtung zieht. „Es ist ein tolles Musical — dramatisch, lustig, witzig und traurig zugleich.“ Ihr Gatte Buck Barrow, Clydes Bruder, ist im normalen Leben Paul Eric Gebhardt. Er sei zunächst skeptisch gewesen, bekennt er, habe sich aber überzeugen lassen.

Geschafft hat das wieder Musiklehrerin Annette Holzhausen. Zwar war sie, wie seit zwölf Jahren, überzeugt, dass zur Premiere irgendetwas nicht klappt. Natürlich war dem nicht so — es wurde, wie alle Jahre, eine Veranstaltung der Superlative. Auch, weil es die engagierte Lehrerin immer wieder schafft, dass selbst die größten Skeptiker in dem über 60 Mitglieder zählenden Ensemble am Ende für dieses Musical (Buch von Ivan Menchell, Liedtexte von Don Black, Deutsch von Holger Hauer) brennen. Das gilt auch für die Band unter der Leitung von Angela Ullwer. Bei deren flotten Klängen zuckte so maches Besucherbein im Rhythmus der Musik von Frank Wildhorn. Auch viele andere Schüler haben am Erfolg mitgewirkt, etwa Maria Mangold, die fürs Layout eines gelungenen Programmheftes zuständig war.

Und natürlich nicht zu vergessen die Unterstützung des Theaters, so durch Tänzer Stefano Fossat vom Ballett Vorpommern. Er brachte den Gymnasiasten die richtigen Tanzschritte bei.

„Ich habe größte Hochachtung vor den Leistungen meiner Schüler“, sagt Annette Holzhausen und erinnert daran, dass es für einige nicht einfach war, Proben und Abiturprüfungen zu bewerkstelligen. Nun wünscht sie sich, dass auch die anderen drei Vorstellungen so prima beim Publikum ankommen. Wetten, dass dem so sein wird!



Cornelia Meerkatz