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Kultur Aktbilder von Klaus Ender: Zwischen dornigen Ansichten und reizenden Aussichten
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16:21 01.04.2019
Akt auf Buhnen Quelle: Klaus Ender
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Bergen

Stachelig kann er noch immer sein – der Klaus Ender. Dabei hat er der Welt so viel Schönes geschenkt. Doch kommt das Gespräch auf gesellschaftrelevante Themen, dann dreht er auf – ob es um den Ausbau der B 96n auf Rügen geht, um fehlende Schambehaarung bei Frauen, Umweltzerstörung, soziale Netzwerke oder unfähige Politiker, da kann er granteln, schimpfen, knurren. Heute wird Klaus Ender 80 Jahre. Ein Kämpfer mit dem Wort und Ästhet hinter der Kamera.

Seit 15 Jahren gibt Ender Bücher mit Aphorismen, Gedichten, Kolumnen heraus. Der Humor hat ihn sein Leben lang begleitet wie Aktfotografie. Doch im Alter habe sich das auch ver-endert. „Ich bin ernster geworden. Mein Humor ist der Ironie gewichen. Meine Gedichte sind sarkastisch.“ Sein letztes Aktfoto hat Ender vor zwei Jahren gemacht. „Vor 15 Jahren hat man bei mir Parkinson diagnostiziert. Damals habe ich nach einem neuen Lebensmotto gesucht. Da habe ich das Dichten und Aphorismen entdeckt“, sagt er zu der Schock-Diagnose. Streifzüge mit der Kamera unternimmt er noch, aber eben kürzere. „Ich kann auch nicht mehr so viel mit tragen. Aber ich fühle mich nicht wie 80“, sagt er etwas trotzig. Jeder sei so jung, wie er sich fühle.

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„Die sind heute doch alle rasiert!“

Wo nur ist die Zeit geblieben? Klaus Ender atmet tief durch und überlegt, bevor er zurückblickt. „Da muss irgendwas schief gelaufen sein“, lacht er. Plötzlich 80 und man fühlt sich gar nicht so – im Kopf. Witz, eine ganz eigene Ästhetik und eine ganz eigene Haltung der Zeit und der Gesellschaft gegenüber zeichnet ihn aus. Klaus Ender war nie einfach, gern sperrig, er hat sich zwar den technischen Möglichkeiten der Zeit angepasst von Schwarz-weiß zur Farb-, von der analogen zur digitalen Fotografie, ist den Moden aber nie hinterhergelaufen. Frauen von heute mag er nicht mehr fotografieren: „Die sind doch alle rasiert!“

Seit 1963 arbeitet Klaus Ender (80) aus Bergen auf Rügen als Aktfotograf. Seitdem hat er über 70 000 Fotos gemacht. Hier einige Bilder seiner schönsten Streifzüge

Er hat der Welt ein riesiges Konvolut an Akten und Landschaften geschenkt. Er und seine sympathische Frau Gabriela verwalten in Bergen auf Rügen 70 000 Fotografien. Klaus Ender gilt neben Günter Rössler als der Akt-Fotograf der DDR. Beide haben seit den 60er-Jahren die Aktfotografie im Sozialismus geprägt und auch nach der Wende bestanden. Ender hat Jahrzehnte für den „Eulenspiegel“ und „Das Magazin“ in der DDR gearbeitet. Er hat der Welt wunderbaren Bilder geschenkt wie „Die Woge“, „Akt auf Buhnen“ oder „Der Findling“ mit einer wunderschönen Frau auf einem Findling vor den Wissower Klinken. Ein Bild wie aus einem Märchen.

Die Geburtsstunde der Ender-Ästhetik

Die Modelle, die er zeigt, sind zwar schön und erotisch, aber überhöht. Bei ihm verlässt die Nacktheit das erregende Schauen und damit das Alltägliche. Der Betrachter spürt, wie harmonisch und wohl sich das Modell in Anwesenheit des Fotografen fühlt. Wobei Ender gern die Anekdote von seinem ersten Akt 1963 erzählt, als vor dem damals 23-Jährigen plötzlich ein splitterfasernacktes Modell am Strand von Göhren stand. Zu viel für ihn. Er knipste ein paar Bilder und verschob den Termin. Quasi über Nacht überlegte er sich ein Konzept für seine Fotografie. Er betrachtete den Körper der Frau fortan durch die Linse nicht einfach als Mann, sondern als Künstler, der wie in einer Landschaft mit Licht und Schatten modelliert. Die Geburtsstunde der Ender-Ästhetik.

Ehrenmedaille der Internationalen Fotoschau für „Die Woge“

Seitdem wurde er mit der Ehrenmedaille der Internationalen Fotoschau für „Die Woge“ ausgezeichnet, war einer der Akt-Fotostars der DDR, hat Bände mit Gedichten, Kolumnen, Aphorismen herausgebracht. „Das Dichten liegt mir“, sagt er. Am 20. April erscheint sein neuester Band „Nackt zwischen Dornen“ mit Akten, Landschaften und gesellschaftkritischen Gedichten und Aphorismen. Im Eigenverlag hat Ender Bände zu Rügen, über Sinnsuche oder Heimat verlegt. Außerdem Landschaftsbild- und Aktbände aus jedem Jahrzehnt seines 60-jährigen Schaffens wie „Rügen – Flair einer Insel“, „Meine schönsten Enthüllungen“ oder seine drei Bände „Frei Körper Kolumnen“ mit Akten und Kolumnen, die von 2013 bis 2016 auch in der OSTSEE-ZEITUNG erschienen sind. In anderen Verlagen hat er nach eigenen Angaben über 140 Titel mit einer Gesamtauflage von 1,5 verkauften Exemplaren veröffentlicht – darunter „Akt mit Takt“, „Mein Modell“, „Die nackten Tatsachen“ und Bildbände zu Rügen oder der Ägäis. Seit 1974 sind seine Arbeiten in mehr als 50 Einzel- und mehr als 50 Gruppenausstellungen in ganz Europa gezeigt worden. Am 12. April wird im Schlösschen in Naumburg an der Saale seine Ausstellung „Akt + Landschaft“ mit 95 Arbeiten aus sechs Jahrzehnten gezeigt. Klaus Ender – Fotograf ohne Grenzen.

Klaus Ender

Der Fotograf Klaus Ender wurde am 2. April 1939 in Berlin geboren. 1962 zog er nach Rügen um. Seit 1966 arbeitet er als Fotograf u.a. für „Das Magazin“ und „Eulenspiegel“ und wurde mit 60 Preisen geehrt. 1971 erschien sein Buch „Mein Modell“. Von 1989 bis 1996 lebt Ender in Österreich. Seit seiner Rückkehr 1996 mit seiner Frau Gabriela arbeitet Ender von Rügen aus.

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