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MV aktuell 100 Jahre Flughafen Heringsdorf: Große Party zum Geburtstag
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17:36 05.07.2019
Roksana Szkoda aus Swinemünde arbeitet unter anderem als Supervisor und als Feuerwehrfrau beim Flughafen Heringsdorf. Quelle: Christian Rödel
Heringsdorf/Zirchow

Er braucht diese Fliegeruhr. Gut 45 Millimeter Durchmesser, weiße Zeiger auf schwarzem Grund. Lorenz Neumann trägt die feine und beeindruckende Mechanik an seinem linken Handgelenk. Der 29-Jährige ist Fluglotse, Privatpilot und Segelfluglehrer.

Und am Sonntag steht er beim 100. Jubiläum des Flughafens Heringsdorf auf Usedom an seinem Arbeitsplatz und managt den Flugverkehr. Ein Null-Fehler-Job.

So alt wie der Versailler Vertrag

Am 5. Juli 1919 wurde der Linienflugverkehr auf dem so genannten Landeflugplatz aufgenommen. Aus dem Exerzierplatz der Swinemünder Garnison – die polnische Stadt liegt nur einen Katzensprung weit entfernt – wurde der erste Flugplatz Pommerns. Er gilt als zweitältester auf dem Gebiet der ostdeutschen Bundesländer, nach Leipzig-Mockau, und als einer der ältesten in Deutschland. 100 Jahre. Vor 100 Jahren wurde der Vertrag von Versailles unterschrieben und Max Planck bekam den Nobelpreis für Physik. Erst zwölf Jahre später gab es den ersten Fernseher.

Flughafen Heringsdorf Quelle: Arno Zill

Auf der Homepage des Flughafens steht „Willkommen zum Flughafenfest“. Geschäftsführer Zabel dimmt etwas herunter und meint, es sei eher ein Tag der offenen Tür. Vorpommersche Bescheidenheit? „Wir sind ein kleiner Flughafen und machen nicht so viel Tamtam, aber es wird ein schöner Tag für unsere Gäste“, sagt Zabel. Von 10 bis 16 Uhr wird ein Blick hinter die Kulissen des kleinen Airports möglich sein. „Alle Bereiche, in denen der Betrieb läuft und die Abfertigung vorgenommen wird, stehen offen“, so der 50-jährige Chef. Auch die beiden Feuerwehren, die mit mehr als 12 000 Liter Wasser für den Notfall betankt sind, gehören dazu. „Wir wollen zeigen, was wir so haben und öffnen uns für die Bevölkerung, die von uns eher im Alltag nicht viel mitbekommen.“

Vor 100 Jahren begann der Flugbetrieb auf dem Airport bei Heringsdorf.

Auch der A 320 landet hier

Rund 20 000 Linienpassagiere werden hier im Schnitt pro Jahr abgefertigt. Noch einmal so viele Geschäfts- und Privatleute nutzen jährlich die 2,3 Kilometer und die 600 Meter langen Lande- und Startbahnen. „Hier landen keine Millionäre mit ihren Maschinen, sondern vor allem ,normale’ Gäste“, betont Zabel. Ebenso gehören medizinische Flüge dazu. Der größte Flieger, der derzeit regelmäßig auf dem Areal landet, ist ein A 320 mit 150 Passagieren an Bord. Die Linienflüge kommen und gehen nach Frankfurt/Main, Stuttgart, Düsseldorf, Dortmund, Zürich. „Am Samstag ist am meisten los“, sagt der Geschäftsführer, der in Neubrandenburg lebt. Schon 1919 wurde Berlin angeflogen, Travemünde, Warnemünde, Sassnitz, Stralsund, Sellin auf Rügen. Ab 1962 gab es Flüge durch die DDR: Berlin, Leipzig, Dresden, Erfurt. Aber auch nach Prag und Helsinki. Bis 1978 funktionierte das. Bis es 1990 langsam wieder losging. Zwischendurch gab es militärische Nutzungen.

Für Dirk Zabel ist der Flughafen (Eigner ist der Landkreis Vorpommern-Greifswald) ein wirtschaftlicher Faktor für die Region. Die Hoteliers seien froh, dass es ihn gibt und engagieren sich, sprechen Airlines an, rühren die Werbetrommel. Vor allem die Kaiserbäder (Ahlbeck, Heringsdorf, Bansin) profitieren von der Infrastruktur. Darüber hinaus der gesamte Tourismus, Einzelhändler, Gastronomen, Strandkorbverleiher . . . „Der Platz ist ideal für die Insel“, meint Zabel. Und für die Zukunft. Denn „in den kommenden Jahren wird es in Swinemünde immer mehr Urlauber geben“. Viele Hotels entstünden dort. „Für uns ist das ein weiterer, wichtiger Markt.“

„Hangar 10“ ist lebendiger Geschichtsfilm

Nur unweit vom Terminal entfernt steht der „Hangar 10“. Das Besondere: In dieser Ausstellung stehen historische Flugzeuge, die fast alle noch flugtauglich sind. Thomas Starigk (58) ist Pilot, „Hangar 10“-Mitarbeiter und fliegt fast jede Maschine. Er steht vor seiner Lieblingsmaschine, eine Pilatus P-2, Baujahr 1950. „Wenn die in der Luft ist, fliegt sie sich so soft, als wenn man mit einem heißen Messer durch Butter schneidet“, schwärmt er. Als einzigartig in Europa beschreibt er die Ausstellung, weil es alles Originale sind, die noch fliegen. So wie die drei Messerschmitt-Jagdflugzeuge aus den 1940er-Jahren. „Drei nebeneinander ist einmalig in der Welt. Zudem sind es die einzigen flugfähigen Exemplare in Deutschland.“

Elf fest angestellte Mitarbeiter hat der Airport, im Sommer kommen sieben, acht Saisonkräfte dazu. Vor fünf Jahren hat Dirk Zabel hier das Ruder übernommen. Seitdem wurden drei Millionen Euro investiert. Zum Beispiel in die Sicherheitstechnik, in die Brandschutzanlagen, in die Terrasse, Rollwege wurden ertüchtigt. Es gab eine neue Feuerwehr. 75 Prozent der Gelder kamen vom Land. Nun stehen die nächsten Erneuerungen an: Bis 2021 werden die Befeuerung plus die dazugehörenden Systeme modernisiert. Kosten: zwei Millionen Euro.

Fluglotse Lorenz Neumann schaut auf seine Uhr, dann auf den Monitor, auf dem er die Wetterdaten abliest. „Sobald der Himmel aufreißt, nimmt hier der Flugbetrieb zu“, sagt er. Der Geschäftsführer des Flughafens, Dirk Zabel,trägt indes keine Armbanduhr. Nie. „Ich brauche keine, ich bin Kaufmann und fliege nicht, höchstens mal in den Urlaub.“

Klaus Amberger

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