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MV aktuell 28-Jähriger ist Bürgermeister in Boltenhagen: „Bin monatelang von Haustür zu Haustür gegangen“
Nachrichten MV aktuell 28-Jähriger ist Bürgermeister in Boltenhagen: „Bin monatelang von Haustür zu Haustür gegangen“
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06:53 18.06.2019
Jung und zugezogen: Raphael Wardecki (28, Grüne) gewann die Bürgermeister-Stichwahl in Boltenhagen mit 30 Stimmen Vorsprung.  Quelle: Michael Prochnow
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Boltenhagen

In die Riege der Politikneulinge in MV reiht sich auch der künftige Bürgermeister in Boltenhagen, Raphael Wardecki (28), gut ein. Der junge Bestatter sorgte mit seinem Wahlsieg – ähnlich wie seine vorpommersche Kollegin in Heringsdorf – für eine Sensation. Auch Wardecki ist jung, noch kinderlos, neu in der Kommunalpolitik und ist erst kürzlich zugezogen. Seit Januar wohnt und lebt er in Boltenhagen.

Mit nur 30 Stimmen Vorsprung vor dem Amtsinhaber Christian Schmiedeberg (58, CDU) wird er künftig ehrenamtlicher Bürgermeister im Ostseebad sein. „Es war sehr spannend“, sagt der 28-Jährige. „Den Wahlsieg habe ich mir mühsam und mit viel Fleiß über fünf Monate hinweg erarbeitet“, sagt der Neu-Boltenhäger. Er radelte mit einem markanten Fahrrad durch den Ort und ist von Haustür zu Haustür gegangen, um sich den Menschen vorzustellen. „Am Anfang haben sich alle gefragt, was will der denn hier.“ Später wuchs dann bei vielen das Vertrauen.

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Ein Bürgermeister der Harmonie

Der Jung-Unternehmer will vor allem für eine Politik der Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit stehen. „Ich möchte sehr offen und transparent mit allen Themen umgehen und mir ist es sehr wichtig, zu versuchen, alle Einwohner mitzunehmen, den Austausch anzubieten und Dinge zu erklären.“ Er möchte eine Art „Harmonie-Bürgermeister“ sein.

Obwohl er für die Grünen angetreten ist, die gerade bundesweit auf einer Erfolgswelle schwimmen, glaubt er nicht daran, dass ihm das geholfen hat. „In Mecklenburg ist das kein so großes Thema. Ich wurde nicht als Grüner gewählt“, ist Wardecki überzeugt.

Aggressive Stimmung in den Sitzungen der Gemeindevertreter

Politische Erfahrung hat der 28-Jährige bislang nicht. Er habe aber mehrere Sitzungen der Gemeindevertreter in den letzten Monaten besucht und diese als „sehr steif und aggressiv“ empfunden. „Ich wollte mich da einfach einbringen“, schildert er die Gründe für seine Kandidatur. Nun soll eine seiner ersten Amtshandlungen sein, die Einwohner, Unternehmer, Kurverwaltung, Bauhof und weitere wichtige Akteure an einen Tisch zu holen.

Ursprünglich stammt der Unternehmer aus Detmold (Nordrhein-Westfalen). Das Ostseebad kennt er aber schon seit 1996, verbrachte viele Urlaube und Wochenenden mit seiner Familie hier. Daher rührte auch die Entscheidung, sein Bestattungsunternehmen von Detmold nach Lübeck zu verlegen – und selbst nach Boltenhagen zu ziehen.

Der Firmensitz soll auch nach dem Wahlsieg in der Hansestadt bleiben, sagt Wardecki. „Ich habe vor Ort gute Mitarbeiter, vieles läuft autark. Ich arbeite sehr zeitunabhängig und flexibel.“ So wolle er Unternehmensleitung und Bürgermeisterposten künftig gut unter einen Hut bekommen.

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Virginie Wolfram

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