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MV aktuell 29 Jahre Mauerfall in MV: Unternehmen zwischen Pleite und Boom
Nachrichten MV aktuell 29 Jahre Mauerfall in MV: Unternehmen zwischen Pleite und Boom
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09:08 09.11.2018
Nach dem Fall der Mauer im November 1989 war der Ansturm von DDR-Bewohnern an den Grenzübergängen groß – So auch in Lübeck-Schlutup. Quelle: Alice Kranz-Pätow
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Rostock

Mit der Mauer brach 1989 zugleich ein Großteil der Wirtschaft im Osten zusammen. Nur wenigen Unternehmen gelang es, die damit verbundenen Schwierigkeiten erfolgreich zu überwinden. Das heutige Mecklenburg-Vorpommern war stets eines der strukturschwächsten Gebiete Europas, erklärt Gerald Braun, Professor für Wirtschaftspädagogik an der Universität Rostock. Durch den Zweiten Weltkrieg sei der Rückstand noch größer geworden. Das habe auch die Planwirtschaft der DDR nicht aufholen können.

Nach der Wende seien viele Unternehmen nicht mehr wettbewerbsfähig gewesen, so Braun. Der Weg vom Staatsunternehmen in die Privatisierung habe viele in die Insolvenz getrieben. „Es gab nun mal kein Vorbild dafür, wie man den Prozess vom Sozialismus zum Kapitalismus vollzieht.“

Zahlreiche Entlassungen nach der Wende

Dennoch haben es einige Unternehmen geschafft. So auch die Firma Ostsee-Schmuck, einst größter Schmuckproduzent der DDR. Geschäftsführer Thomas Radtke arbeitete schon 1990 als Goldschmied im Unternehmen und erinnert sich: „Eigentlich ist es ein Wunder, dass die Firma damals keine Insolvenz anmeldete.“ Die Privatisierung hatte zahlreiche Entlassungen zur Folge. Durch den Anstieg der Löhne vervielfachten sich die Produktionskosten. 90 Prozent aller Aufträge gingen verloren.

Ob ehemaliger DDR-Bürger oder Zuwanderer – die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern teilen viele unterschiedliche Erinnerungen an die Wende.

Erst die Schaumanufaktur, die im Jahr 2000 in Ribnitz-Damgarten (Kreis Vorpommern-Rügen) eröffnet wurde, führte den Betrieb erneut zum Erfolg. Heute kommen rund 40 000 Besucher jährlich in die Werkstatt. Radtke ist optimistisch: „Wir mussten uns immer wieder am Markt behaupten. Und wir ergreifen jede Chance, um weitere Märkte zu erobern.“

Vom DDR-Betrieb zum internationalen Unternehmen

Auch der Büromöbelhersteller Palmberg in Schönberg (Nordwestmecklenburg) hat die Wende erfolgreich überstanden. In der DDR produzierte der Betrieb noch Schlafzimmermöbel. Nach 1989 wurde fast die Hälfte der 230 Beschäftigten entlassen. Pressesprecher Sven Wittfot berichtet: „1991 wurde dann die erfolgreiche betriebliche Zukunft mit der Produktion von Büromöbeln eingeleitet.“

In den folgenden Jahren wuchs die Zahl der Beschäftigten. Mittlerweile arbeiten mehr als 530 Menschen in der Firma. Wittfot betont: „Die Veränderungen durch die Wende haben den Wandel vom maroden DDR-Betrieb zu einem europaweit agierenden Unternehmen in die Wege geleitet.“

Verbundenheit mit der Region hilft

Ebenfalls noch immer erfolgreich ist die Hanseatische Brauerei Rostock. Sprecher Alexander Köthe erzählt, dass nach dem Mauerfall hohe Investitionen nötig waren, um im internationalen Wettbewerb mithalten zu können. Nach der Grenzöffnung kamen aber auch zahlreiche Urlauber an die Ostseeküste, die freudig das heimische Bier kauften. Durch die Verbundenheit zur Region blieb die Brauerei stets als lokale Marke erfolgreich. Köthe erklärt stolz: „Keine andere Brauerei ist so eng mit Rostock und seinen Menschen verbunden.“

Professor Braun erklärt, die Menschen seien die wichtigste Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg einer Region. Die immer noch starke Abwanderung gerade gut ausgebildeter junger Leute sei daher ein großes Problem. „So gehen uns die ganzen kreativen Köpfe verloren.“ Um in Zukunft junge dynamische Menschen anzulocken, plädiert er vor allem für die Förderung von Kunst, Kultur und Kommunikation, um das Land noch attraktiver zu machen.

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Rabea Osol

In dem Clip sind mindestens sechs Tiere zu sehen, die auf einem Waldweg rennen. Das Video ist von einem Hochsitz aus aufgenommen und wird derzeit von Jägern im Raum Rostock massiv im Internet verbreitet. Viele sagen, es sei in der Rostocker Heide aufgenommen. Doch daran gibt es erhebliche Zweifel.

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