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MV aktuell 40 Euro pro Monat: Rentner bekommen mehr Geld
Nachrichten MV aktuell 40 Euro pro Monat: Rentner bekommen mehr Geld
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04:06 02.07.2013
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Rostock

40 Euro: So viel mehr bekommen die etwa vier Millionen Rentner im Osten Deutschlands bei einer durchschnittlichen Monatsrente von brutto 1200 Euro seit gestern.

Auch für die etwa 360 000 Ruheständler in Mecklenburg-Vorpommern erhöhen sich damit die Altersbezüge um 3,29 Prozent.

Mit der Anpassung steigt der Rentenwert im Osten von bisher knapp 89 Prozent des West-Niveaus auf 91,5 Prozent. Dagegen „wächst“ die Rente der 16,6 Millionen West-Ruheständler nur um 0,25 Prozent — das sind drei Euro. Für die Rentner in den alten Bundesländern bedeutet dies real eine Minusrunde: Ihre Anhebung wird durch die erwartete Preissteigerung von etwa 1,5 Prozent aufgezehrt. In MV stößt die Rentenerhöhung auf ein geteiltes Echo.

„Die Steigerung in Ost und West ist kein Grund zum Jubeln“, erklärt Karen Stramm, sozialpolitische Sprecherin der Links-Fraktion im Landtag von MV. Bei einer durchschnittlichen Altersrente von 800

Euro in MV gebe es nur 26,32 Euro mehr, statt der durchschnittlichen 33 Euro in allen neuen Bundesländern. „Das ist wahrlich keine Summe, um große Sprünge zu machen“, sagt Karen Stramm.

Die CDU im Schweriner Landtag dagegen begrüßt den Rentenzuwachs als positiv und ausreichend. „Die Erhöhung spiegelt die gute Lohnentwicklung wider und liegt über der Inflationsrate“, betont der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Torsten Renz. Durch die stärkere Anhebung in den neuen Bundesländern schließe sich die Rentenlücke weiter.

„Objektiv in Ordnung“, sieht Jörg Heydorn, sozialpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, die Erhöhung der Ost-Renten um etwa 3,3 Prozent. „Damit haben Ost-Rentner in diesem Jahr voraussichtlich real mehr in der Tasche“, erklärt Heydorn. Für manche ältere Menschen mit geringen Renten jedoch sei dies nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Der Sozialverband VdK Deutschland fordert indes, dass die gesetzliche Rente armutsfest sein müsse. Um eine zunehmende Altersarmut zu vermeiden, müssten die Renten parallel zu Löhnen und Gehältern angehoben werden. Passiere dies nicht, werde „die Kluft immer größer“, sagt Siegfried Schwinn vom VdK-Landesverband MV. Ein flächendeckender Mindestlohn sei nötig, um eine Rente über dem Grundsicherungsniveau zu erzielen. Die Rente mit 67 sei nichts weiter als ein Rentenkürzungsprogramm und müsse ausgesetzt werden. Im Nordosten würden die geringsten Löhne bundesweit gezahlt, sagt Karen Stramm von der Links-Fraktion. Viele Menschen könnten nicht zusätzlich fürs Alter vorsorgen. „Wir fordern eine armutsfeste Mindestrente von 1050 Euro und die längst überfällige Angleichung der Ost- Renten ans West-Niveau“, erklärt Karen Stramm.

Die SPD will Altersarmut durch ein steigendes Rentenniveau verhindern und dafür Löhne und Gehälter in Ost und West endlich angleichen. „Dazu gehören ein allgemeingültiger und flächendeckender gesetzlicher Mindestlohn, eine bessere Tarifbindung sowie ein höheres Lohnniveau“, betont Jörg Heydorn.

Dagegen gibt Torsten Renz von der CDU-Fraktion zu bedenken, dass die Arbeitnehmer in den neuen Bundesländern von dem gegenwärtigen System profitieren würden: Da ihre Löhne aufgewertet würden, führe dies zu höheren Rentenansprüchen.

Bernhard Schmidtbauer

02.07.2013
02.07.2013