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A-20-Desaster: Rätsel um Moor-Experten beim Bau der Pannen-Autobahn

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08:54 14.02.2020
A-20-Krater bei Tribsees: Im Herbst 2017 sackte die Autobahn plötzlich ab. Eine Ursache dafür ist bis heute nicht ermittelt. Gab es überhaupt ausreichend Moor-Expertise beim Bau? Quelle: Stefan Sauer/dpa
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Tribsees

Das Abrutschen von rund 80 Metern Damm der Pannen-Autobahn 20 bei Tribsees im Herbst 2017 mit folgenschweren Auswirkungen auf den Verkehr ist bis heute ungeklärt. Zum Frühjahr hat das Bundesministerium für Verkehr ein Gutachten unter Beteiligung der Bundesanstalt für Straßenwesen angekündigt.

Dabei soll auch die Frage geklärt werden, wie ein Moor-Experte die schwierigen Bauarbeiten vor 15 Jahren begleitete. So eindeutig ist dies offenbar nicht. Denn Bundesministerium und die für den Bau zuständige Fernstraßengesellschaft Deges tun sich mit einer Antwort schwer.

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AfD-Mann hakt nach – erhält aber kaum Antwort

Welcher Moor-Experte war beteiligt? Diese Frage stellt Bundestagsabgeordneter Leif-Erik Holm (AfD) jetzt erneut an den Bund – erhält darauf aber keine Antwort. Stattdessen erklärt Enak Perlemann (CDU), Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium: Es seien „zahlreiche Aufschlüsse durchgeführt, Baugrund- und Gründungsgutachten erarbeitet“ worden. Schon zuvor war das Ministerium der Frage nach Moor-Expertise am A-20-Bau ausgewichen. Gab es also keine?

Kommentar: Ursache für das A-20-Loch muss endlich ans Licht

Die Deges reagiert auf OZ-Anfrage ebenfalls ausweichend, spricht von „verschiedenen Experten und Ingenieurbüros“, die Baugrundgutachten erstellt hätten. Maßgaben: Das Moor müsse vor aggressiven Baustoffen geschützt, die Moorlandschaft erhalten, Grundwasserströmungen beachtet werden. Man habe sich bei der Gründung für „pfahlartige Trageelemente“ entschieden. Jene Trockenmörtel-Säulen, die erstmalig an einer Autobahn eingesetzt wurden und später wie Streichhölzer im Moor wegknickten oder verschwanden.

Deges: Moor-Experte „im Grunde“ beteiligt – Fragen bleiben

Gab es nun einen Moor-Experten? „Im Grunde“ werde die Frage „bejaht“, so Deges-Sprecher Lutz Günther. Es seien Sachverständige hinzugezogen worden, „die bei allen großen Infrastrukturprojekten zum Einsatz kommen“. Moor-Expertise sei auch beim A-20-Bau „eine notwendige Voraussetzung“ gewesen.

„Pfusch am Bau“: Leif-Erik Holm (AfD) sieht den Schaden beim Steuerzahler. Quelle: Jens Büttner/dpa

Im Grunde? AfD-Mann Holm hat große Zweifel. „Der Pfusch beim Bau der A 20 bei Tribsees war offensichtlich noch größer als gedacht“, so Holm. „Nicht nur, dass man beim Bau in einem beweglichen Moor auf ein nie zuvor genutztes Bauverfahren zurückgegriffen hat. Diese Achillesferse war bekannt, man hätte also die Tauglichkeit des Verfahrens wenigstens von echten Moor-Experten prüfen lassen müssen.“ Davon gebe es in MV genügend.

Der Steuerzahler müsse nun für ein „groteskes Bauverfahren“ mehr als 100 Millionen Euro blechen. Holm plädiert dafür, den Straftatbestand der Steuergeldverschwendung einzuführen.

Experten zweifeln an der Moor-Expertise beim Bau

Zweifel an der A-20-Gründung gibt es schon lange. 2018 monierten Fachleute den fehlerhaften Umgang mit dem Baugrund. Moor-Experte Prof. Hans Joosten, Greifswald, kritisierte den Einsatz von „kleinen Stelzen“ unter der Autobahn statt einer massiven Brücke – und, dass keine Moor-Experten hinzugezogen worden seien.

Angesehene Ingenieure urteilten in einem Fachartikel: Die A 20 sei abgesackt, weil sich die Deges für ein falsches Gründungsverfahren entschieden habe. Moor verhalte sich wie Wasser; wahrscheinlich seien Tausende Säulen einfach weggespült worden.

7500 Säulen an der betroffenen Stelle verbaut

Laut Bundesverkehrsministerium sind an der A-20-Schadstelle rund 7500 CSV-Säulen verbaut worden – in fünf Blöcken von 20 Metern Länge und 41,7 bis 44,6 Metern Breite. Es seien nach dem Abrutsch Säulen geborgen worden. Weiteres solle das abschließende Gutachten klären.

MV-Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) lässt mitteilen: Die Ursache für den A-20-Krater sei noch nicht bekannt. Zuletzt zeigte er sich besorgt, ob die neue A 20 bei Tribsees überhaupt bis 2023 fertig werde, da der Bund mehr Verantwortung übernehme. Das Bundesministerium sicherte dies später zu.

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