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MV aktuell A-20-Dilemma nimmt kein Ende: Grüne attackieren Verkehrsminister Scheuer
Nachrichten MV aktuell A-20-Dilemma nimmt kein Ende: Grüne attackieren Verkehrsminister Scheuer
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05:30 03.05.2019
A-20-Desaster bei Tribsees: Im Herbst 2017 rutschte die Trasse auf einer Länge von rund 80 Metern weg. Die Ursache soll erst 2020 feststehen. Quelle: Stefan Sauer/dpa
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Rostock

Pannen-Autobahn 20 und kein Ende. Am 8. Mai wird die Behelfsbrücke bei Tribsees von 7 bis 20 Uhr voll gesperrt. Grund: Vor der touristischen Hauptsaison sollen einige Segmente der Brücke ausgetauscht, Schrauben nachgezogen werden, heißt es aus dem Schweriner Verkehrsministerium.

Auch 18 Monate nachdem die A 20 auf 80 Metern Länge ins Moor rutschte, steht keine Ursache für das Desaster fest. Im Frühjahr 2020 solle ein Abschlussbericht zu laufenden Untersuchungen vorliegen, teilt das Bundesverkehrsministerium mit.

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Das A-20-Loch bei Tribsees und auch die Behelfsbrücke haben zwei Jahre lang für Negativschlagzeilen gesorgt. Nun beginnt der Wiederaufbau.

Die Grünen im Bundestag erheben jetzt schwere Vorwürfe gegenüber dem Haus von Andreas Scheuer (CSU); eine Anfrage bringt weitere Neuigkeiten ans Licht. Bei Sanitz und Neubrandenburg sackten weitere Stellen der A 20 ab; bei Hitze könnte die Torfschicht unter der Trasse weiter austrocknen. „Bleibt auch dieser Sommer trocken, dann könnten weitere Schäden auftreten“, stellen Stephan Kühn, Verkehrsexperte der Grünen im Bundestag, und die Stralsunder Abgeordnete Claudia Müller fest.

Die Grünen prangern weitere Punkte an. Beispiele:

Gründung der A-20-Brücke. Der Bund hätte der beim Bau der Autobahn-Brücke nahe Tribsees als innovativ eingestuften Bauweise auf Trockenmörtelsäulen als „Sonderbauweise mit hohem Risiko“ zustimmen müssen – meinen die Grünen. Nicht nötig – antwortet das Ministerium.

Brisant: Das bei Tribsees angewandte Gründungsverfahren mit Säulen, die schließlich nachgaben, ist laut Ministerium an drei weiteren Bundesstraßen genutzt worden: an der B 299 bei Neumarkt (Oberpfalz), der B 20 bei Ganacker und der A 94 bei Forstinning (beides Bayern). Begutachtung gebe es nicht, Schäden seien nicht zu befürchten, so das Ministerium. Die Grünen fürchten Schäden auch woanders.

Schadenersatz. Auf eine durchaus mögliche Verlängerung der Gewährleistungsfrist im Schadensfall sei bei der zuvor unerprobten Gründung der Brücke bei Tribsees „verzichtet worden“. Folge: Nun müssten die Steuerzahler den Schaden begleichen.

Das Ministerium beharrt auf den Regelfristen für Verjährung. Laut Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen vier Jahre nach Übernahme. Es habe „vor dem Hintergrund der damaligen Kenntnisse“ keinen Grund gegeben, davon abzuweichen.

Trebel-Umleitung. Für den A-20-Bau sei der Flusslauf der Trebel verlegt worden. Das Ministerium lasse dies als etwaige Ursache für den späteren Abrutsch gar nicht erst untersuchen. Das sei nicht nachvollziehbar, so die Grünen. Laut Ministerium ist „nicht davon auszugehen“, dass Flussverlagerung und A-20-Bruch in Zusammenhang stehen, da es in der Trebelniederung stets Veränderungen am Wasserlauf gegeben habe.

Gesamtschaden. Das Ministerium könne weder den Ausfall von Maut-Einnahmen in der Zeit der A-20-Sperrung benennen noch den volkswirtschaftlichen Gesamtschaden durch die Panne, monieren die Grünen. Dies wäre nur mittels eines „umfassenden Gutachtens“ möglich, heißt es aus dem Ministerium. 14 Monate lang lief der Verkehr über Umleitungen durch benachbarte Dörfer.

Behelfsbrücke kostet 137 000 Euro im Monat

Rund 18 000 Autos passieren pro Tag die A 20 bei Tribsees, davon 1500 Laster oder Busse (Messung von 2015). Mit der aktuellen Behelfsbrücke, die zuletzt wegen Absätzen als Radkappen-Tod in Verruf geriet, müssen die Autofahrer mindestens bis Juni 2020 auskommen, so lange laufe der Mietvertrag für das Bauwerk. Pro Monat kostet dies die Steuerzahler 137 000 Euro.

Seit Inbetriebnahme der Brücke Anfang Dezember 2018 seien dreimal mögliche Absenkungen überprüft worden. Ergebnis: „Keine Auffälligkeiten“, heißt es aus dem Bundesministerium. Die nächste Messung sei für Juni geplant.

Sperrung am 8. Mai mit Umleitung in beide Richtungen

Für die A-20-Sperrung zwecks Brückenreparatur am 8. Mai ist laut Schweriner Ministerium in beide Richtungen eine Umleitung vorgesehen: gen Osten von den Anschlussstellen Bad Sülze bis Tribsees, gen Westen von Tribsees bis Sanitz.

Betroffen ist erneut die Gemeinde Lindholz mit den Ortsteilen Langsdorf und Böhlendorf. Hier mussten die Anwohner zuvor 14 Monate lang den starken Verkehr erdulden.

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Frank Pubantz