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MV aktuell A 20: Neubau des ganzen Moorabschnitts
Nachrichten MV aktuell A 20: Neubau des ganzen Moorabschnitts
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00:00 23.01.2018
10. Oktober 2017: Experten begutachten das abgesackte Teilstück der A20 an der Trebeltalbrücke bei Tribsees (Vorpommern-Rügen). Quelle: Foto: B. Wüstneck/dpa
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Tribsees/Rostock

Der gesamte 800 Meter lange Abschnitt der A 20, der bei Tribsees durchs Moor führt, muss wohl neu gebaut werden. Das kündigte Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) gestern in Rostock an. Messungen hätten ergeben, dass sich der Damm, auf dem die A 20 ruht, um bis zu 40 Zentimeter verschoben habe. Das könnten die tragenden Säulen nicht aushalten. Die Fertigstellung ist bis 2021 geplant. Die Kosten dürften im zweistelligen Millionenbereich liegen.

Der Straßendamm hat sich um bis zu 40 Zentimeter verschoben. Der Untergrund ist laut Minister Pegel wie „weicher Kuchenteig“. Das kostet Millionen.

Im Herbst 2017 war die A 20 auf einem hundert Meter langen Teilstück abgebrochen. Lange wurde gehofft, dass nur diese Stelle erneuert werden muss – vergeblich, wie Pegel jetzt einräumen musste. „Die Baugrundsachverständigen sagen das ziemlich klar“. Der moorige Untergrund verhalte sich „wie ein zu weicher Kuchenteig“.

Beim Bau der Strecke durch das Moor war eine neue Methode eingesetzt worden. Bis heute ist unklar, ob sie die Ursache für den Abbruch war. Pegel verteidigte zwar das Verfahren, bei dem die Trasse auf Tausende dünne Säulen gesetzt wurde: „Das Verfahren war nicht mutig, sondern wissenschaftlich begleitet.“ Dennoch solle bei der Instandsetzung auf konventionelle Baumethoden mit massiven, tiefreichenden Betonpfeilern gesetzt werden: „Das ist quasi eine Brücke, die man nicht sieht.“

Pegel war gestern zu Gast bei einer Veranstaltung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Rostock zu den Folgen des A-20-Kraters für die Wirtschaft. Dabei ging Pegel auch auf die Umleitungsstrecke ein, die möglichst ab Sommer den Verkehr der A 20 aufnehmen und die bisherige Umleitung durch den Ort Langsdorf ersetzen soll. Diese werde voraussichtlich 15 Millionen Euro kosten, kündigte der Minister an.

Zuletzt war spekuliert worden, dass sich der Bau bis 2019 verzögern könnte, weil noch nicht alle Eigentümer der benötigten Flächen ermittelt werden konnten beziehungsweise noch keine Einigung erzielt wurde (die OZ berichtete). Pegel betonte, es sei zu früh, die Eröffnung im Sommer zum jetzigen Zeitpunkt schon abzuschreiben. „Keiner kann wissen, was bis Ende Februar passiert.“

Bürgermeister Hartmut Kolschewski betonte, die Langsdorfer Eigentümer würden ihre Flächen zur Verfügung stellen. Er mahnte zur Eile: „Wir können es uns nicht leisten, noch ein halbes Jahr zu verlieren. Dafür hätten die Bürger kein Verständnis.“

IHK-Präsident Claus Ruhe Madsen hatte zuvor die erwartete lange Dauer der A-20-Reparatur kritisiert: „Es kann nicht sein, dass man Teile Deutschlands für Jahre außer Gefecht setzen kann, indem einige Straßen und Brücken kaputtgehen.“ Falls die Ursache dafür die bürokratischen Verfahren und Abläufe in Deutschland seien, so müssten diese verbessert und die Bürokratie verschlankt werden, forderte Madsen.

Firmen hätten sich entlang der A 20 angesiedelt, um eine solide Infrastruktur zu haben. „Wir können diese Unternehmen nicht im Regen stehenlassen“, sagte der Kammerpräsident. Allerdings wies er auch darauf hin, dass Umleitungen und Staus bundesweit Alltag seien.

Pegel rechtfertigte die langen Fristen. Der Baukörper sei so groß wie ein Block des früheren Kraft-durch-Freude-Bades in Prora auf Rügen. „Das ist kein Loch, das man in zwei Wochen zuschüttet.“

Alleine die europaweite Vergabe der Bauleistungen dauere mehrere Monate. „Wenn wir nicht korrekt ausschreiben, drohen Klagen von Unternehmen, die nicht berücksichtigt werden – und das würde uns um Monate zurückwerfen.“

Der Bau dauere dann auch wieder seine Zeit, betonte Pegel: „Jede Betonsäule muss vorher einzeln statisch berechnet werden.“ Der Beton härte zudem langsam aus. „Das lässt sich auch nicht beschleunigen, indem man Tag und Nacht arbeitet“, erklärte der Minister. Zudem habe die deutsche Gründlichkeit auch ihre Vorzüge: „Sie sorgt dafür, dass 99,99 Prozent unserer Straßen lange halten.“

Historie des A-20-Kraters

25. September: Die A 20 muss vor der Trebeltalbrücke zunächst einseitig gesperrt werden, weil die Fahrbahn um einen halben Meter abgesackt ist.

9. Oktober: Das abgesackte Stück bricht ab, ein Krater tut sich auf, der im Laufe der Zeit immer größer wird.

27. Oktober: Die A 20 wird voll gesperrt. Eine Behelfsbrücke soll möglichst bis zum Sommer 2018 errichtet werden.

22. November: Die Behelfsausfahrt, die die umleitungsgeplagten Anwohner entlasten soll, wird eröffnet.

5. Dezember: Es wird bekannt, dass die Behelfsbrücke nicht gebaut werden kann.

18. Januar: Berichten zufolge könnte sich der Bau der Umleitungsstrecke verzögern.

Axel Büssem

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