Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
MV aktuell Abbau von Munitionsaltlasten in der Ostsee dauert mehr als 100 Jahre
Nachrichten MV aktuell

Abbau von Munitionsaltlasten in der Ostsee dauert mehr als 100 Jahre

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:26 27.12.2019
Ein Taucher vom Forschungstauchzentrum der Universität Kiel nähert sich in der Kolberger Heide in der Ostsee einem versenkten Munitionsrest.
Ein Taucher vom Forschungstauchzentrum der Universität Kiel nähert sich in der Kolberger Heide in der Ostsee einem versenkten Munitionsrest. Quelle: Jana Ulrich/Forschungstauchzentrum CAU Kiel/dpa
Anzeige
Rostock

Die Beseitigung von Munitionsaltlasten auf dem Boden der Ostsee ist nach Einschätzung des CDU-Bundestagsabgeordneten Peter Stein eine Aufgabe für mehr als 100 Jahre. Zwar gebe es Gebiete wie die Kieler Bucht oder das Bornholmer Becken, in denen das Problem besonders brisant ist. Aber es sei davon auszugehen, dass alle Ostseeanrainer betroffen sind, sagte Stein der Deutschen Presse-Agentur. „Seit der Kaiserzeit hat jeder was hineingeschmissen“, zeigte er sich sicher. Schon jetzt gebe es Munition, die durchgerostet ist. Stein ist seit einigen Wochen Berichterstatter für Munitionsaltlasten bei der Ostseeparlamentarier-Konferenz.

„Zunächst müssen wir ein stabiles Monitoring aufbauen“, forderte er. Experten gingen davon aus, dass es sich insgesamt um mehrere 100.000 Tonnen Munition handelt. Den größten Handlungsbedarf sieht Stein bei verklappter Giftmunition wie in der Kieler Bucht oder bei Verklappungsorten, die im Bereich von Fisch-Brutstätten liegen. Diese Bereiche müssten mit modernster Technik ständig überwacht werden. Es sei bekannt, dass einige Stoffe zu genetischen Veränderungen bei Fischen führen können. Deshalb sei dieses Problem in der Ostsee wegen des geringeren Wasseraustauschs brisanter als in der Nordsee.

Altlasten auf dem Meeresboden

Im Bereich des Bornholmer Beckens sei vor allem der Sprengstoff TNT das Problem. Der Rostocker Politiker setzt Hoffnungen in neue Kartierungen der ehemaligen alliierten Streitkräfte. So lägen bereits Dokumentationen von Verklappungen im Bereich von Schifffahrtsrouten vor, die bei Minenverdacht schon zu Verlagerungen von Schifffahrtswegen geführt haben.

Zwar liegen die Altlasten auf dem Meeresboden und sind damit weg vom öffentlichen Interesse. Aber die immer wieder gemeldeten Funde von Phosphor an Stränden bringen die Gefahr in die Schlagzeilen. Phosphor entzündet sich bei Kontakt mit Sauerstoff und kann zu Verletzungen führen. Es sei völlig ungeklärt, woher das Phosphor stammt. „Das muss natürlich geborgen werden, das ist gar keine Frage. Und das muss schnell passieren“, forderte Stein. Dabei stimme ihn hoffnungsvoll, dass in den vergangenen Jahren ein erheblicher Fortschritt bei der Entdeckung der Altlasten und auch deren Beseitigung gelungen ist.

Wie Stein weiter sagte, plane er für Juni/Juli zu einer großen Fachkonferenz nach Rostock einzuladen. Zudem werde er eine Expertengruppe einberufen, die regelmäßig auf die dringendsten Bedarfe hinweist. Es sei für ihn ein Zeichen der Hoffnung, dass sich die Ostseeparlamentarier-Konferenz mit dem Problem beschäftigt. Bei der nächsten Tagung Ende August wolle er umfassend darüber berichten.

Lesen Sie mehr:

Von RND/dpa