Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
MV aktuell MV-Agrarminister Backhaus begrüßt leichteren Abschuss von Wölfen
Nachrichten MV aktuell MV-Agrarminister Backhaus begrüßt leichteren Abschuss von Wölfen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:45 21.05.2019
Immer wieder werden Schafe und andere Nutztiere Opfer von Wolfsattacken. Quelle: Tilo Wallrodt
Anzeige
Berlin

Mecklenburg-Vorpommerns Agrarminister Till Backhaus (SPD) hat die geplante Regelung zum Abschuss von Wölfen begrüßt. Demnach sollen künftig Wolfsrudel, die Schafe oder andere Nutztiere reißen, dezimiert werden können, auch wenn nicht klar ist, welcher Wolf genau für den Angriff verantwortlich war. Das Bundesumweltministerium hatte am Montag einen entsprechenden Referentenentwurf zur Stellungnahme an Fachverbände geschickt. Voraussetzung ist aber, dass Wölfe vor Ort schon Nutztiere gerissen haben und dann schnell gehandelt wird. Prävention ohne Schaden ist damit nicht erlaubt. Über den Entwurf soll am Mittwoch im Bundeskabinett abgestimmt werden.

Füttern verboten

Der Änderung gemäß sollen Wölfe, die wiederholt Nutztiere reißen, künftig nicht erst „entnommen“ werden dürfen, wenn der dadurch entstandene Schaden den betroffenen Tierhalter in seiner Existenz bedroht, sagte Backhaus. Damit komme man sowohl den gewerblichen Haltungen als auch den Hobbytierhaltern entgegen. Weiterhin sollen mit der Änderung die gesetzlich bislang nicht ausdrücklich untersagte Fütterung und damit die Gewöhnung des Wolfes an den Menschen unterbunden werden.

Anzeige

„Ich begrüße den Gesetzesentwurf ausdrücklich. Er trägt eindeutig die Handschrift von Mecklenburg-Vorpommern“, so Backhaus. „Ich bin froh, dass unsere Verhandlungen endlich Früchte tragen. Seit mehr als fünf Jahren setze ich mich für die rechtssichere Entnahme von auffälligen Wölfen ein. Eine Lösung in dieser Sache ist vor allem aus Sicht der Länder dringend geboten.“ Nachdem sich das Bundesumweltministerium einen wichtigen Schritt nach vorne bewegt habe, müssten nun auch die Anstrengungen zum Schutz der Weidetierhaltung weiter intensiviert werden, forderte er. „Dazu bedarf es auch einer finanziellen Beteiligung des Bundes, zum Beispiel aus der Gemeinschaftsausgabe zur Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes.“

Zunahme besorgniserregend

Dass sich der Wolf hierzulande wieder etabliert hat, ist laut Minister Backhaus ein artschutzrechtlicher Erfolg. Die rasante Zunahme der Population sei jedoch auch besorgniserregend: „Für mich steht die Sicherheit der Menschen nach wie vor an erster Stelle. Vor allem der Umstand, dass die Tiere zunehmend in der Nähe von Dörfern und Städten gesichtet werden, ist beunruhigend.“ In Konfliktsituationen mit auffälligen Wölfen oder Mischlingen könnten allerdings schon jetzt Wölfe auf Grundlage des Bundesnaturschutzgesetzes oder des Sicherheits- und Ordnungsgesetzes getötet werden.

Schwieriger gestaltet sich der Abschuss im Falle von Nutztierrissen, so Backhaus. Voraussetzung hierfür sei bislang, dass der entstandene Schaden so massiv zu Buche schlägt, dass der betroffene Tierhalter in seiner wirtschaftlichen Existenz bedroht ist. „Das kann gerade mit Blick auf die Weidetierhaltung nicht unser Ansatz sein. Weidetierhalter sind wichtige Partner des Naturschutzes. Ohne sie wäre der Erhalt einer struktur- und artenreichen Kulturlandschaft kaum möglich.“ Durch eine Formulierungsänderung im Bundesnaturschutzgesetz soll diese Vorgabe nun gelockert werden. Statt von „erheblichen Schäden“ soll demnach von „ernsten Schäden“ die Rede sein.

WWF: Konflikte nicht gelöst

Kritik kommt dagegen vom Umweltschutzverband WWF. Diana Pretzell, Direktorin Biodiversitätspolitik WWF Deutschland sagte: „In dem vorliegenden Entwurf fehlt der Schlüssel zum Erfolg. Nur wenn Weidetierhalter finanziell einheitlich und möglichst unbürokratisch unterstützt werden, werden die eigentlichen Probleme angegangen. Eine Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes darf nicht den Eindruck erwecken, dass damit die Konflikte um die Rückkehr des Wolfes gelöst werden.“

Der WWF forderte das Bundeslandwirtschaftsministerium dringend dazu auf, ergänzend ein bundesweites Gesetz zur Förderung der extensiven Weidetierhaltung auf den Weg zu bringen. Eine vereinfachte Entnahme einzelner Wölfe und Wolfsrudel könne den Eindruck entstehen lassen, dass Herdenschutzmaßnahmen überflüssig würden. Zuvor müssen Herdenschutzmaßnahmen bundesweit flächendeckend umgesetzt und entsprechend gefördert werden.

Großer Schritt zurück

Der WWF kritisiert zudem, dass sich die angestrebten Änderungen auf andere Arten wie Biber oder Fischotter negativ auswirken könnten, da auch ihre Entnahme erleichtert würde. „Das ist ein großer Schritt zurück, das können wir nicht hinnehmen. Der Druck auf diese Arten ist bereits enorm. Eine Beschränkung auf den Wolf ist hier unbedingt geboten“, sagte Pretzell.

Die Wölfe breiten sich in Deutschland aus. Naturschützer freuen sich über die Rückkehr der geschützten Tiere, für Weidetiere wie Schafe sind sie aber auch eine Gefahr. Menschen wurden noch nicht gebissen. Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) und Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) hatten lange gestritten, ob und wie der Abschuss erleichtert werden soll. Zuletzt hatte das Kanzleramt vermittelt.

Mehr zum Thema:

Wolfsexperten warnen vor Panik –und geben diesen Tipp für den Umgang mit Wölfen 

Wölfe in MV: Till Backhaus warnt vor illegalen Abschüssen

Der Wolf erreicht Rostock: Jagdverband warnt vor Attacken auf Kinder

Seltene Tiere im Visier: Biber, Kormoran, Wolf & Co. leben in MV gefährlich

Hat MV zu viele Wölfe? Wie gehen wir mit dem Wolf um?

Wolfsexperte: „Wölfe sind scheu. Sie greifen keine Menschen an.“

Christoph Zeiher und Axel Büssem