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MV aktuell Storchenvater Zöllick: Dieser 95-Jährige lebt für Adebar – und ist besorgt
Nachrichten MV aktuell Storchenvater Zöllick: Dieser 95-Jährige lebt für Adebar – und ist besorgt
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05:00 26.04.2019
Viele Jahre war Hans-Heinrich Zöllick beim Beringen der Jungstörche dabei. Noch mit 88 Jahren schwebte er in luftiger Höhe, hier an einem Nest in Pankelow (Landkreis Rostock). Quelle: Dietmar Lilienthal
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Poppendorf

Der April war für Hans-Heinrich Zöllick immer ein besonders schöner Monat: Dann kommen die meisten Störche aus den Winterquartieren zurück. Und außerdem hat er Geburtstag – am Freitag schon zum 95. Mal. In Poppendorf (Landkreis Rostock), wo er mit Tochter und Schwiegersohn wohnt, soll mit Familie, Freunden und Weggefährten ein bisschen gefeiert werden.

Als der Jubilar am 26. April 1924 in einer Häuslerei in Jürgenshagen bei Bützow (Landkreis Rostock) geboren wurde, erzählte man den Dorfkindern noch, dass der Storch die Babys bringt. „Bei mir hat das gestimmt“, ist Hans Zöllick überzeugt. „Oder warum hat er mich mein ganzes Leben nicht losgelassen?“

Schon als Junge hat er in seinem Heimatdorf Weißstörche beobachtet. „Von denn Adebor in mine Heimat hew ick ümmer giern vertellt“, meint der Senior, der gern plattdeutsch spricht. Die Gegend galt als storchenreich. Eine seit 1901 geführte Statistik nennt einst 3094 Storchenpaare in der Region. 90 Jahre später waren noch 54 Nester besetzt.„Heute sind es nur noch zwei“, weiß der hochbetagte Storchenfreund.

Nabu koordiniert landesweite Zählungen

Dass Mecklenburg-Vorpommern über eine umfangreiche Storchenstatistik verfügt, daran hat Hans Zöllick großen Anteil. Seit Anfang der 1970er Jahre engagierte er sich in der Fachgruppe Ornithologie beim Kulturbund in Rostock für Storchenzählungen und Weißstorchschutz. Nach 1990 koordinierte er mehr als 20 Jahre die landesweiten Zählungen der Arbeitsgemeinschaft Weißstorchschutz beim Naturschutzbund (Nabu). Die Daten von rund 100 ehrenamtlichen Horstbetreuern liefen bei ihm zusammen. Im Raum Ribnitz-Damgarten und Bad Doberan fuhr er selbst regelmäßig viele Nester ab, notierte Ankunftsdaten der Tiere, zählte Jungvögel, half beim Beringen und Anbringen von Nisthilfen.

Auch jetzt ist er auf dem Laufenden. „Rund 70 Prozent der Nester im Land sind besetzt“, weiß der Senior, der gern telefoniert. Und prompt klingelt das Telefon. Wolfgang Lindemann aus Altenwillershagen (Vorpommern-Rügen) ist dran. Über seinem Grundstück kreisten drei Störche. Zwei Neulinge wollten dem alt bekannten Ringstorch das Nest streitig machen. Doch der Lokalmatador konnte sich durchsetzen. „Es wird höchste Zeit, dass jetzt das Weibchen kommt und sie mit dem Brüten beginnen“, sagt der 62-Jährige, der den Horst seit mehr als 35 Jahren betreut. „Zweimal haben wir sogar Jungstörche aufgezogen, die aus dem Nest geworfen wurden.“

„Storchenbetreuer über Umbruch zusammengehalten“

Kontakt hält der Nestor außerdem zu Stefan Kroll, dem jetzigen Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Weißstorchschutz, der einen Großteil von Zöllicks hand- und maschinengeschriebenem Archiv fürs Internet aufbereitet hat. Der Historiker Kroll sieht Zöllicks Verdienst aber vor allem darin, dass er „über den gesellschaftlichen Umbruch die Truppe der ehrenamtlichen Storchenbetreuer zusammengehalten und motiviert hat“. Das sei sicherlich nicht einfach gewesen. Für sein Engagement verlieh der Naturschutzbund dem Vogelkundler seine bundesweit höchste Ehrung, die Lina-Hähnle-Medaille, die außer Zöllick in MV nur dem Greifswalder Ökologie-Professor, Michael Succow, zuteil wurde.

Für sein Alter ist der Hobby-Ornithologe noch recht rüstig. Nun ja, Knie und Hüfte machen ein paar Probleme. Und er kommt nicht mehr so viel herum, seit er das Autofahren aufgab. „Aber hier oben ist alles okay“, sagt er verschmitzt und tippt sich vergnügt an die Stirn.

Nur noch knapp 700 Storchenpaare in MV

Ernst wird er aber, wenn er über die Entwicklung des Storchenbestands spricht. In keinem anderen Bundesland ist der Rückgang der Störche so dramatisch wie in Mecklenburg-Vorpommern. Mitte der 1990er Jahre war das Bundesland zusammen mit Brandenburg die storchenreichste Region Deutschlands. Damals brüteten in MV rund 1150 Storchenpaare, 2018 waren es gerade noch 699.

Dabei steigt die Zahl der Störche bundesweit. „Eigentlich geht es den Störchen so gut wie lange nicht“, sagt Weißstorch-Experte Kroll. In den vergangenen 15 Jahren hat sich ihre Zahl verdoppelt – auf 7000 Brutpaare insgesamt.“ Zöllick hat miterlebt, wie sich in Mecklenburg-Vorpommern die Bedingungen für die schwarzweiß-gefiederten Gesellen verschlechtern. „Es gibt kaum noch feuchte Wiesen“, sagt er. „In der Landwirtschaft muss sich dringend etwas ändern. Wo Glyphosat gespritzt wird, ist viel im Argen.“

Auch Stefan Kroll sieht im Nahrungsmangel eine der wichtigsten Ursachen für den Rückgang der Rotschnäbel. Außerdem koste der Zug von Afrika über Osteuropa bis hoch in den Norden mehr Kraft als aus Spanien, wo inzwischen viele Störche aus den alten Bundesländern überwintern. Kroll: „Sie sind sie eher zurück und haben oft mehr Erfolg beim Brüten.“

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Elke Ehlers

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