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MV aktuell TV-Gebühren im Krankenhaus: So viel zahlen Patienten in MV
Nachrichten MV aktuell TV-Gebühren im Krankenhaus: So viel zahlen Patienten in MV
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13:53 23.01.2019
Haupteingang des Uniklinikums in Greifswald (Archivfoto) Quelle: Unimedizin Greifswald
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Greifswald

Eine neue Gebühr sorgt für Unmut bei Patienten der Greifswalder Uniklinik. Fernsehen im Zimmer gibt es künftig nur noch gegen Geld. Das defizitäre Krankenhaus verlangt eine Pauschale von bis 3,70 Euro pro Tag, in der auch Internet und Telefon enthalten sind. Andere Kliniken in MV bieten diesen Service günstiger an, manche verzichten ganz auf eine Abgabe für Fernsehen oder Internet.

In zwei Wochen soll die neue Zahlpflicht an der Greifswalder Unimedizin nach und nach umgesetzt werden. Anscheinend durch eine Panne wurde das System bereits in der vergangenen Woche vorübergehend eingeschaltet. Zeitweise blieben die Bildschirme Schwarz. Die Aussicht, demnächst eine Gebühr fürs Gucken berappen zu müssen, löst unter Patienten Diskussionen aus. „Ich bin gerne bereit, einen Obolus zu zahlen, aber nicht in dieser Höhe“, kritisiert beispielsweise Katrin Watzke.

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Südstadt-Klinikum in Rostock ist günstiger

Das kommunale Rostocker Südstadtklinikum führte bereits 2017 die Unterhaltungs-“Cockpits“ des gleichen Anbieters, einer Firma aus Leipzig, ein. Hier beträgt die Tagespauschale aber nur 2,50 Euro für Telefon, Internet und TV. Vereinzelt gebe es Klagen über die Kosten, die meisten Patienten seien aber zufrieden, sagt Verwaltungsdirektor Steffen Vollrath. Die Greifswald Uniklinik erklärt ihren höheren Preis mit einem anderem Modell: Bei ihr stellt der externe Dienstleister auch die Geräte bereit, an der Südstadt übernimmt er lediglich den Service. Das Krankenhaus Bad Doberan, das schon 2015 kombinierte Internet/TV/Telefon-Terminals an den Betten einführte, verlangt zwei Euro je Tag und Patient.

Die private Helios-Gruppe kassiert laut Sprecher Christian Becker in Schwerin und Leezen (Ludwigslust-Parchim) keine Gebühr fürs Fernsehen. Wlan ist ebenfalls kostenlos. Um Serien und Filme im Internet anzuschauen, reiche die Bandbreite aber nicht aus, soll aber demnächst aufgerüstet werden. Um neue Patienten zu gewinnen, würden „solche weichen Faktoren werden immer wichtiger“, sagt Becker. Das Stralsunder Hanseklinikum, das ebenfalls zu Helios gehört, verlangt einen Euro pro Tag für TV und Wlan, Telefon wird nach verbrauchten Einheiten abgerechnet.

Uniklinik Rostock Bundesliga im Pay-TV

An der Rostocker Uniklinik gibt es Wlan, Radio und Fernsehen in den Zimmern umsonst. „Diese Grundversorgung wird auch zukünftig kostenfrei bleiben“, teilt die Klinikleitung mit. Patienten seien per Festnetztelefon auf den Zimmern erreichbar. Darüber hinaus will die Klinik noch dieses Jahr auf Wunsch und gegen Geld Pay-Programme wie Sky freischalten, als zusätzlichen Service. „Manche Patienten würden Sonnabend bestimmt gern Fußballbundesliga gucken“, sagt Sprecherin Susanne Schimke.

Das Greifswalder Uniklinikum rechtfertigt seine Gebühren mit hohen Investitionen. Die alten TV-Geräte waren 20 Jahre alt, Reparaturen häuften sich. Auch das hauseigene Wlan stieß an seine Grenzen, teilt die Klinik mit. Laut Verwaltungschef Vollrath vom Südstadtklinikum seien die Krankenhäuser in MV gezwungen, Patienten zur Kasse zu bitten, weil das Land keine Investitionskosten für Unterhaltungselektronik übernehme. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft widerspricht: Auch in MV sei eine „Pauschalförderung“ kleinerer Investitionen bis 100 000 Euro möglich. Bei den TV-Ausgaben für Patienten gebe es keinen Richtwert, so ein Sprecher. „Da gibt es alle möglichen Gebühren.“

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