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MV aktuell Ärger um Brückenneubau auf A 20: Land trennt sich von Planungsbüro
Nachrichten MV aktuell Ärger um Brückenneubau auf A 20: Land trennt sich von Planungsbüro
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14:49 22.05.2019
Das Loch auf der A 20 nach dem Einsturz der Straße. Wann die neue fertig wird, ist noch ungewiss. Quelle: Frank Söllner
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Langsdorf

Ist es ein Rückschlag oder Neustart für die Trebeltalbrücke auf der A 20? Wie das Verkehrsministerium MV bestätigt, hat sich das Land vom Rostocker Ingenieurbüro Inros Lackner getrennt. Grund dafür sollen unterschiedliche Vorstellungen sein, wie die Vorgaben des Landes für den Neubau an der eingestürzten Autobahn umzusetzen seien.

Die Ingenieure hatten im Auftrag des Landes die Planungen für den Ersatzbau der Brücke auf der A 20 bei Tribsees übernommen. Bereits ab Oktober soll es zu ersten Meinungsverschiedenheiten zwischen Auftragnehmer und Auftraggeber gekommen sein. „Als wir merkten, dass es schwierig wird, mit dem Büro umzusetzen, was wir wollen, haben wir gegengesteuert“, bestätigt Ronald Normann, Abteilungsleiter im Landesamt für Straßenbau und Verkehr.

„Es gab Reibereien“

Dennoch bildeten die Entwürfe der Rostocker zu Jahresbeginn die Grundlage für Verhandlungen des Landes mit dem Verkehrsministerium des Bundes in Bonn. Das Planrechtsverfahren läuft bereits. Normann hofft auf den Abschluss des Verfahrens bis Mitte Mai. Parallel erfolgt bereits die Einstellung der Haushaltsmittel im Bundesverkehrsministerium. Ab Juni, so der aktuelle Stand, soll das Geld für den Neubau bereitstehen. Geplanter Baustart ist September, spätestens Oktober.

Zu den konkreten Ursachen für die überraschende Trennung wollten sich beide Parteien nicht äußern. Eine Sprecherin des Verkehrsministeriums in MV nannte als Grund dafür ein „laufendes Verfahren“. Frank Bernhardt, Geschäftsführer Direktor bei Inros Lackner, bestätigt lediglich: „Es gab Reibereien, deshalb sind wir nicht mehr im Rennen.“ Nach OZ-Informationen sollten die Pläne der Ingenieure bereits im Januar vorliegen. Letzte Zuarbeiten sollen jedoch erst Anfang Mai eingegangen sein. Man habe, so Ronald Normann, Konsequenzen ziehen müssen, als klar wurde, dass Inros Lackner die Vorstellungen des Landesamtes nicht erfüllen könne.

„Änderungsbedarf in Größenordnung erforderlich“

Die Kündigung der Zusammenarbeit in der laufenden Planung ist brisant. Christian Hieff, Sprecher des ADAC, sagt hierzu: „Es ist nicht gängige Praxis, dass man mitten im Rennen das Pferd wechselt. So etwas ist in jedem Fall mit Mehraufwand verbunden.“ Dem stimmt Roland Normann zu: „Es ist Änderungsbedarf in Größenordnung erforderlich.“ Doch zu Details will er sich nicht äußern. Nur so viel sagt er: „An der grundsätzlichen Gestalt des Bauwerks wird sich nichts ändern.“

Das Landesamt hat nun das Rostocker Ingenieurbüro Schwesig mit den weiteren Planungen beauftragt. Was die Querelen für die Fertigstellung der Brücke bedeuten, ist laut Verkehrsministerium ungewiss: „Das können wir erst nach Vorliegen der überarbeiteten Pläne beurteilen. Wir gehen davon aus, dass der Wechsel nicht zwangsläufig zu Verzögerung und Verteuerung führen muss, sondern auch zu einer Optimierung des Verfahrens führen kann“, so die Sprecherin.

„Ergebnis der desolaten Politik von Minister Pegel“

Tobias Woitendorf vom Tourismusverband MV reagierte gelassen auf die Nachricht: „Wo gehobelt wird, fallen Späne – hoffentlich sind es nicht zu viele.“ Ganz anders sieht das Simone Oldenburg (Die Linke): „Das ist das Ergebnis der desolaten Politik von Minister Pegel (SPD). Es fehlt der Landesregierung an Substanz. Wenn dem Büro nun gekündigt wird, zeigt es nur, dass das Land die Situation von vornherein falsch eingeschätzt hat.“

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Juliane Schultz