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MV aktuell Ärzte warnen vor multiresistenten Tuberkulose-Bakterien in MV
Nachrichten MV aktuell Ärzte warnen vor multiresistenten Tuberkulose-Bakterien in MV
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08:10 23.11.2019
Dr. Hilte Geerdes-Fenge, Fachärztin in der Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin der Unimedizin Rostock, zeigt auf einem Computertomogramm durch Tuberkulose-Bakterien zerstörtes Lungengewebe in Form einer sogenannten Kaverne (Höhle). Quelle: Martin Börner
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Rostock

Sie war und ist gefürchtet: die Tuberkulose. Sie stellt weltweit die häufigste zum Tode führende behandelbare bakterielle Infektionskrankheit bei Jugendlichen und Erwachsenen dar. „Und sie wird künftig auch Deutschland vor noch größere Probleme stellen“, betont Dr. Hilte Geerdes-Fenge.

Die Fachärztin im Zentrum für Innere Medizin, Abteilung für Infektiologie und Tropenmedizin, der Unimedizin Rostock, warnt vor allem vor der Zunahme der multiresistenten Tuberkulose (MDR-TB). Diese ist gleich gegen mehrere moderne Antibiotika resistent. Sie bringt moderne Therapien an ihre Grenzen.

Gefährliche Bakterienstämme aus ehemaligen Sowjetrepubliken

Kati Russow, Biologisch-technische Assistentin der Abteilung für Infektiologie und Tropenmedizin und Sektion Nephrologie der Universitätsmedizin Rostock, untersucht im Labor am Spezialmikroskop eine Sputum-Probe auf Tuberkulose-Erreger. Quelle: Martin Börner

Zudem hatte nicht zuletzt die Vielzahl von Flüchtlingen und Migranten, die nach 2015 insbesondere aus Syrien, dem Irak und Afrika nach Deutschland kamen, zu einem vermehrten Auftreten der Infektionskrankheit geführt.

Gesamtzahl der Tuberkulosefälle bundesweit rückläufig

Hinsichtlich der Zahl der insgesamt erfassten Tuberkulose-Erkrankungen zeigt sich aktuell im Nordosten derweil ein ähnlicher Trend wie im Bundesgebiet. Konkret stieg hierzulande die Zahl der Tuberkulose-Fälle 2015 und 2016 auf 77 beziehungsweise 90 Fälle an. Seit 2017 ist die Tendenz wieder rückläufig.

Erreger befallen vor allem die Lunge

Tuberkulose wird durch Bakterien ausgelöst. Bei einer offenen Lungentuberkulose werden die Erreger vor allem beim Husten ausgeschieden. Dabei gelangen feinste erregerhaltige Aerosole in die Luft und können von anderen Personen eingeatmet werden. Ob es dann zu einer Ansteckung kommt, hängt unter anderem davon ab, wie lange und intensiv der Kontakt mit Erkrankten war und wie empfänglich die Person für eine Infektion ist.

Tuberkulose wird meist von Mensch zu Mensch übertragen. Diese Erkrankung ist weltweit verbreitet und gehört neben Aids und Malaria zu den weltweit häufigsten Infektionskrankheiten.

In diesem Jahr wurden bislang 41 Erkrankungen aktenkundig. Ein Patient verstarb an den Folgen, im Vorjahr waren zwei Tote zu beklagen. Zum Vergleich: Deutschlandweit gab es 2016 insgesamt 5931 Meldungen. 2019 sind es bisher 4258 Fälle, 104 Patienten (2018: 137) verstarben.

Übertragung von Mensch zu Mensch

„MV zählt zu den Bundesländern mit den niedrigsten Neuerkrankungsraten“, erklärt Dr. Martina Littmann, Abteilungsleiterin Gesundheit im Landesamt für Gesundheit und Soziales MV. Die Expertin verweist auf die gute Zusammenarbeit mit den acht Gesundheitsämtern im Flächenland. Jede der behandlungsbedürftigen Erkrankungen muss namentlich gemeldet werden. „Diese Infektionskrankheit wird meist von Mensch zu Mensch übertragen“, sagt Dr. Littmann.

Prof. Dr. Emil Reisinger, Vorstandsmitglied der Unimedizin Rostock und Direktor der Abteilung für Innere Medizin, Infektions- und Tropenmedizin, zeigt auf einer Landkarte Nachfolgestaaten der Sowjetunion, wo resistente Tuberkulose-Bakterien ein besonderrs Problem darstellen.   Quelle: Martin Börner

Tuberkulose, die außerhalb der Atemwege andere Organe wie zum Beispiel Knochen, Gelenke oder Lymphknoten betrifft, ist meist nicht ansteckend“, sagt Dr. Littmann. „Neben der sofortigen Erfassung von Fällen sind eine konsequente Behandlung mit Antibiotika und die Beobachtung des familiären Umfeldes notwendig“, verdeutlicht auch Prof. Reisinger.

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Junge Erwachsene und Senioren häufig betroffen

Bei den Neuerkrankten dominieren zwei Gruppen. Zum einen sind es Jugendliche und junge Erwachsene ausländischer Herkunft zwischen 15 und 29 Jahren. Zudem sind häufig die über 80-jährigen Deutschen betroffen. „Etwa ein Drittel von ihnen ist infolge der mehr als 70 Jahre zurückliegenden Kriegswirren mit Tuberkulose-Bakterien infiziert. Diese schlummern im Körper“, verdeutlicht Infektiologin Dr. Geerdes-Fenge.

Aufgrund einer geschwächten Immunabwehr könne es auch Jahrzehnte später zum Ausbruch der Krankheit kommen. „Ihre Erreger befallen zwar überwiegend die Lunge, doch sie können auch fast jedes Organ des Körpers massiv schädigen“, sagt die Ärztin. Viele Mediziner hätten Probleme, die Symptome zu erkennen.

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