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MV aktuell Aida verkauft jetzt Kreuzfahrten bei Aldi: Das steckt hinter den Schnäppchen
Nachrichten MV aktuell Aida verkauft jetzt Kreuzfahrten bei Aldi: Das steckt hinter den Schnäppchen
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06:35 17.07.2019
Ausriss aus dem aktuellen Prospekt des Discounters: Aida verkauft jetzt auch bei Aldi.
Ausriss aus dem aktuellen Prospekt des Discounters: Aida verkauft jetzt auch bei Aldi. Quelle: Benjamin Barz/Andreas Meyer
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Rostock

Deutschlands größtes Seereisen-Unternehmen kooperiert mit einer der größten Supermarkt-Ketten der Welt: Die Rostocker Reederei Aida Cruises verkauft ihre Kreuzfahrten ab sofort auch bei Aldi – zum Schnäppchenpreis. Das Vorzeigeunternehmen aus MV steht unter Druck, muss so viele Reisen verkaufen wie nie zuvor.

Der Mutterkonzern von Aida, die Carnival Corporation mit Hauptsitz in Miami (USA), hatte erst vor wenigen Tagen seine Gewinn-Prognosen für 2019 nach unten korrigiert, der Aktienkurs fiel zeitweilig um bis zu 15 Prozent. Ein Grund: Das Urlaubsgeschäft in Europa schwächelt.

Reisebranche in Turbulenzen

Die Aida-Mutter Carnival macht zwar nach wie vor Milliarden-Gewinne. Aber die fallen deutlich geringer aus als geplant: Allein für das zweite Quartal 2019 rechnet der Kreuzfahrt-Gigant mit 100 Millionen US-Dollar weniger Überschuss. Noch nervöser macht Börsen-Analysten der Ausblick: Europas Konjunktur schwächelt, die Kunden geben deutlich weniger Geld für Urlaub aus als noch in den Vorjahren. Das werde sich 2020 fortsetzen. Aida und die italienische Schwester Costa Crociere würden „erhöhten Gegenwind“ spüren, so Carnival-Präsident Arnold Donald. Aida wachse zwar 2019 im zweistelligen Bereich, aber zum Teil auf Kosten der Ticketpreise. Dennoch würden die Rostocker zu den gewinnstärksten Marken im Konzern gehören.

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Aida muss wachsen

Aida bleibt aber voll auf Wachstum getrimmt: 2018 stellte die Rostocker Reederei ihr bisher größtes Schiff, die „Aidanova“, in Dienst – mit Platz für mehr als 6000 Passagiere. Im Herbst folgt die „Aidamira“. Und: Zwei Schwesterschiffe für die „Aidanova“ sind bereits bestellt. Ab 2023 soll die Rostocker Flotte 16 Schiffe stark sein. „Unser Wachstumskurs ist beispiellos im deutschen Tourismusmarkt. Unsere Kollegen im Marketing und im Vertrieb stehen vor der größten Aufgabe, die wir je zu meistern hatten. Auch hier in Rostock arbeiten wir dafür hart“, sagt Aida-Vizepräsident Hansjörg Kunze. In diesem Jahr werden mehr als eine Million Gäste auf Aida-Schiffen reisen. So viele wie noch nie.

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Die Kooperation mit dem Discounter-Riesen Aldi bedeute aber nicht, dass Aida nun Reisen zu Spottpreisen anbieten müsse. Aber: „Natürlich ist es eine riesige Kraftanstrengung, ein neues Produkt wie die ‚Aidanova‘ in den Markt zu bringen. Dafür reicht ein einziger Vertriebsweg nicht aus.“ Die meisten Aida-Kreuzfahrten werden, so Kunze, nach wie vor in Reisebüros gebucht. Das Online-Geschäft wachse extrem stark. Dennoch brauche Aida auch die Partnerschaft mit großen Handelsketten wie Aldi: „Aldi ist für uns ein ganz interessanter Partner mit großer Reichweite.“ Die Kette verteilt wöchentlich in Deutschland um die 40 Millionen Prospekte. Aldi-Süd-Reisechef Vittorio Rotondo sagt zu dem Deal: „Aida hat viele Gemeinsamkeiten mit Aldi. Kunden bekommen bei beiden Vielfalt und Qualität zu einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis geboten.“ Ähnliche Partnerschaften hat Aida bereits mit Tchibo, Metro und Rewe. Nach OZ-Informationen ist auch eine Kooperation mit dem größten Discounter der Welt, Lidl, geplant.

Mutterkonzern plant Sparkurs

Aidas Kurs deckt sich mit der Aussage von Carnival-Chef Donald: Er hatte angekündigt, die Gruppe wolle mehr Geld für Werbung und Vertrieb ausgeben – und dafür an anderen Stellen sparen. Wie und ob sich das auf den Standort Rostock auswirken könnte, ist völlig offen.

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