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MV aktuell Mit dem Rettungskreuzer zum Arzt: So läuft der Alltag auf Mini-Insel Oie vor Greifswald
Nachrichten MV aktuell Mit dem Rettungskreuzer zum Arzt: So läuft der Alltag auf Mini-Insel Oie vor Greifswald
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18:40 14.08.2019
Stella Klasan lebt seit drei Jahren auf der Greifswalder Oie. Die Ornithologin ist die einzige ständige Bewohnerin einer Mini-Insel in Mecklenburg-Vorpommern. Quelle: L. Friedritz
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Rostock

56 Inseln in der deutschen Ostsee listet das Internet-Lexikon Wikipedia auf. Rügen, Hiddensee und Usedom locken jedes Jahr Millionen Urlauber an. Die Greifswalder Oie erreichen dagegen nur wenige Erholungssuchende. 50 Tagesgäste kommen in der Saison am Tag mit dem Schiff, spätestens nach drei Stunden sind sie wieder weg. Stella Klasan, die einzige ständige Bewohnerin, hat ihre Insel dann wieder für sich allein.

Die Ornithologin lebt seit drei Jahren auf der 54 Hektar großen Insel. Sie ist beim Verein Jordsand angesteltl, der auf der Oie im Greifswalder Bodden eine Vogelschutzstation betreibt. Wenn gerade keine anderen Vogelschützer zu Gast sind, ist sie die einzige Menschenseele auf dem Eiland, in der Beringungssaison sind auch schon mal acht Studenten da. „Ich bin hier gut abgesichert“, sagt die 30-Jährige. Erst am Dienstag musste auf der Insel Walfisch in der Wismarer Bucht eine ehrenamtliche Vogelschützer mit den Hubschrauber abtransportiert werden – die 79-Jährige hatte eine Blutvergiftung erlitten.

Mit dem Rettungskreuzer in die Klinik

Etwas Ähnliches, wenn auch ohne Hubschrauber, hat Stella Klasan selbst schon erlebt: Sie rutschte beim Holzhacken mit der Spaltaxt ab und verletzte sich schwer am Schienbein. „Ich bin dann ’rüber gehumpelt“, sagt Klasan. Nicht weit entfernt auf der Insel ist der Seenotkreuzer „Berthold Beitz“ der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) stationiert. Der brachte die verletzte Ornithologin zunächst in den Hafen des Fischerortes Freest, von da ging es weiter mit dem Rettungswagen in die Klinik nach Greifswald.

Bei kleineren Notfällen wie akuten Zahnschmerzen würde sie mit einem der Ausflugsboote, die im Sommer regelmäßig anlegen, an Land und zum Arzt fahren. Zum Glück sei das bisher nicht passiert. „Im Winter würde ich einen Fischer fragen.“ Sie könne jederzeit runter von der Insel. Das sei auch nötig, etwas zum Einkaufen oder um Freunde zu treffen. Vorsicht ist der gelernten Försterin allerdings wichtig: „Wenn der Seenotrettungskreuzer im Einsatz oder aus anderen Gründen nicht da ist, nehme ich keine Axt oder Säge in die Hand.“

Leben auf der Vogelstation

Stella Klasan ist sozusagen die einzige hauptamtliche Mini-Insulanerin, die das ganze Jahr auf der Vogelstation lebt. Auf insgesamt acht Mini-Inseln an der Küste von Mecklenburg-Vorpommern gibt es in der Ostsee Schutzstationen, die aber meist nur in der Saison dauerhaft besetzt sind, mit wechselnden, ehrenamtlichem Personal.

Im Greifswalder Bodden zählt neben der Greifswalder Oie die Insel Ruden dazu. Die Inseln Böhmke und Werder bilden im Usedomer Achterwasser ein gemeinsames Naturschutzgebiet. Sie werden allerdings – als einzige dieser Reihe – nie bewohnt, die Unterkunft der Vogelschützer befindet sich an Land in Neppermin. Vogelschützer aus Halle kümmern sich um die Vogelwelt auf der Barther Oie im Barther Bodden, etwas weiter nördlich liegt in der Darß-Zingster-Boddenkette die Kleininsel Kirr, auf der sich in der Saison Vogelschützer aus Waren an der Müritz einquartieren. In der Wismar Buch betreut der Verein Langenwerder aus der Region Wismar die Insel Langenwerder und Walfisch.

„Die kleinen Inseln sind für die Vogelwelt echte Paradiese“, sagt Christof Herrmann, Leiter der Arbeitsgemeinschaft Küstenvogelschutz MV. Die Eilande seien ideale Rückzugs- und Brutgebiete. Viele Arte gebe es nur noch auf diesen Mini-Oasen in der Ostsee. Auf dem Festland seien sie längst ausgestorben – durch Besiedlung, Tourismus und Fressfeinde wie den Fuchs.

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Blutvergiftung: Hubschrauber holt verletzte Frau von der Walfisch-Insel bei Wismar

Mehr zum Autor Gerald Kleine Wördemann

Von Gerald Kleine Wördemann

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