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04:00 05.03.2018
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Güstrow

Im Alltag ist es mehr als ein Unwohlsein, das die Patienten zumeist in Panik versetzt: Obwohl sich der Betreffende nicht unbedingt besonders belastet, steigt seine Herzfrequenz urplötzlich spürbar an. Gerade waren es noch 125 Herzschläge pro Minute, nun sind es um die 160.

„In der Regel bekommt es der Betreffende mit der Angst zu tun. Die Folge: Er hört gänzlich auf, sich zu belasten“, erläutert Prof. Dr. Dietmar Bänsch (55). Das Fatale ist jedoch, dass trotz dieser Pause das Herz des Patienten sehr schnell und unregelmäßig schlägt", verdeutlicht der Chefarzt der Klinik für Rhythmologie und klinische Elektrophysiologie des KMG Klinikums Güstrow.

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Er verweist darauf, dass Vorhofflimmern oft Minuten bis Stunden andauern kann. Von den etwa 1000 Patienten, die allein jährlich im Klinikum der Barlachstadt aufgrund von Herzrhythmusstörungen behandelt werden, leiden etwa 600 am Vorhofflimmern. Wird es nicht behandelt, kommt es häufig zum Schlaganfall. Denn das Flimmern der Vorhöfe stört die Pumpfunktion des Herzens massiv. Es entsteht ein Blutstau.

Die Statistiken belegen, dass das Risiko, an Vorhofflimmern zu erkranken, mit dem Alter (siehe Kasten) zunimmt. Dies sei unter anderem genetisch bedingt, so der Güstrower Herzspezialist. Er spricht in diesem Zusammenhang von einer sogenannten rhythmologischen Reserve, über die jeder Mensch verfügt. „Jede Zelle besitzt eine Vielzahl elektrischer Kanäle. Mit der Zellalterung nimmt deren Zahl ab, zudem häufen sich hier Defekte“, sagt Prof. Bänsch.

Damit wächst die Gefahr, dass die besagte Reserve aufgebraucht ist und eine wichtige Schwelle übersprungen wird. Menschen, die an Herzschwäche leiden, besitzen übrigens ein um 40 Prozent höheres Flimmer-Risiko. Während es bei Infarkt-Patienten um etwa 50 Prozent höher liegt, sind es bei fettleibigen Personen immerhin 40 Prozent!

Eine erfolgversprechende Methode, das Vorhofflimmern zu beseitigen, stellt die sogenannte Katheter-Ablation dar. Dabei wird ein spezieller Eingriff im Herzgewebe vorgenommen. Das Team um Prof. Bänsch verödet in diesem Bereich krankhafte elektrische Erregungsherde. Das Ziel: Nach einer solchen Ablation soll das Herz dauerhaft in seinen natürlichen Takt zurückkehren. „Die Chancen, dass dies gelingt, liegen in der Praxis bei 80 Prozent“, verdeutlicht der Kardiologe. Gleichzeitig macht er aber auf Risikofaktoren aufmerksam, die die Erfolgsaussichten erheblich schmälern können. Aktuelle amerikanische Studien, die mit Tausenden von Patienten erfolgten, belegten dies. Demnach sinken die Aussichten, dass ein solcher zwei- bis dreistündiger Eingriff, der etwa 9000 Euro kostet, zum Beispiel bei adipösen Patienten um 40 Prozent. Dabei sind hier Frauen und Männer erfasst, die einen sogenannten Body-Mass-Index (BMI – siehe Kasten) von 30 und größer aufweisen.

Sowohl Raucher als auch Menschen, die täglich größere Alkoholmengen konsumieren, leiden wesentlich häufiger an Vorhofflimmern. Besonders gefährdet sind laut der Erhebungen in diesem Zusamenhang auch Menschen, die mit einer Schlafapnoe – also gefährlichen Atemaussetzern – zu kämpfen haben.

Und wer meint, sich als untrainierter Schreibtischtäter mit 50 noch einmal so richtig sportlich beweisen zu müssen, befindet sich auf einem gefährlichen Irrweg. „Das Flimmer-Risiko bei einer solchen plötzlichen Maximalbelastung liegt bei 20 Prozent“, erklärt Prof. Bänsch. Der Mediziner empfiehlt dieser Altersgruppe „unter rhythmologischem Aspekt“ eine gezielte Anpassung an das Alter. Soll heißen – maximal drei kleinere Laufeinheiten in der Woche.

„Ansonsten abladieren wir praktisch gegen das Risiko an“, sagt der Experte. Eine anerkannte Therapie laufe dadurch Gefahr, in Verruf zu geraten. Und seine Forderung ist unmissverständlich: „Drehen Sie selbst an Stellschrauben Ihrer Herzgesundheit!“

Vorhofflimmern erhöht Schlaganfallrisiko

Es handelt sich um eine der häufigsten Arten von Herzrhythmusstörungen, unter denen die Deutschen leiden. Insgesamt plagen sich derzeit laut Deutscher Herzstiftung rund 2,5 Millionen Bundesbürger mit den verschiedensten Rhythmusstörungen herum. Für das Vorhofflimmern ist ein anhaltend unregelmäßiger, meist deutlich beschleunigter Herzschlag charakteristisch.

Das Flimmer-Risiko nimmt mit dem Alter deutlich zu. Rund fünf Prozent der Über-65-Jährigen sind betroffen. Während in Deutschland bei den 70-Jährigen etwa sieben Prozent dieses Risiko aufweisen, sind es im Nordosten aufgrund der massiv auftretenden Riskofaktoren, wie Fettleibigkeit und Alkoholkonsum, rund zehn Prozent. In MV leiden geschätzt aktuell zwischen 50 bis 60 000 Bürger an Vorhofflimmern.

In der Folge kommt es oft zum Schlaganfall: Durch das Flimmern der Vorhöfe wird die Pumpfunktion des Herzens massiv gestört. Es entsteht ein Blutstau.

Penne Volker

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