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MV aktuell Angst vor Strom-Blackout: Experten arbeiten an Schutz-Plan für MV
Nachrichten MV aktuell Angst vor Strom-Blackout: Experten arbeiten an Schutz-Plan für MV
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05:30 18.03.2019
Hochspannungsleitungen bei Güstrow. Wissenschaftler der Uni Rostock arbeiten an einem Notfall-System für den Fall, dass nach einem Strom-Blackout das Netz über Insellösungen wieder hochgefahren werden müsste. Quelle: Norbert Fellechner
Rostock

Strom weg, alles dunkel in MV - auf diesen Super-GAU bereitet sich das Haus von Energieminister Christian Pegel (SPD) vor. Experten der Universität Rostock erarbeiten ein Konzept, wie nach einem europaweiten Blackout das Stromnetz zum Beispiel nach einem Cyberangriff über mehrere Standorte im Land wieder hochgefahren werden könnte.

30 Stunden lang war kürzlich für Tausende Haushalte im Berliner Stadtteil Köpenick der Strom weg. Denkbar auch in MV. Experten sehen schon nach wenigen Tagen für das Gemeinschaftsleben schwarz, wenn Energie flächendeckend ausbleibt, Licht, Nahverkehr, Sicherheitsanlagen ausfallen. „Die größte Abhängigkeit, die wir haben, besteht in der Energieversorgung“, sagt Prof. Harald Weber, Uni Rostock, der ein Konzept für Netzaufbau nach einem möglichen Blackout erstellt. Er erinnert an einen Stromausfall in großen Teilen Europas 2006, ausgelöst durch Netzüberlastung. Fällt Strom großflächig weg, könnte dies „drei bis vier Tage“ andauern, so Weber. Im Winter bei minus 20 Grad keine schöne Vorstellung, findet er. Ansatz seiner Forschung: Über kleine Kraftwerke, die von selbst anlaufen können, soll die Stromversorgung im ganzen Land wieder hochgefahren werden. Das große in Rostock könne dies nicht.

Das Minsterium schildert das Projekt als Vorsichtsmaßnahme. „Die deutschen Stromnetze sind in einem sehr guten Zustand“, sagt Sprecherin Ulrike Sennewald. Der durchschnittliche Stromausfall habe 2017 bei 13,18 Minuten je Endverbraucher gelegen. Und doch bereitet das Ministerium einen Plan B für den Fall vor, dass das Stromnetz flächendeckend zusammenbricht. Denn eine längere Großstörung hätte „weitreichende Auswirkungen auf alle kritischen Infrastrukturen“. Kliniken, Energie- und Wasserversorgung, Banken.

13 Minuten ohne Strom im Jahr

13,18 Minutenwar laut Bundesnetzagentur jeder Verbraucher in MV im Jahre 2017 durchschnittlich ohne Strom (Deutschland gesamt: 15,14 Minuten). Spitze ist Rheinland-Pfalz mit nur 7,35, Schlusslicht Brandenburg mit 20,73 Minuten. Die Nachbarn Schleswig-Holsteein und Sachsen-Anhalt kommen auf 10,73 und 18,45 Minuten.

In anderen europäischen Ländern ist Stromausfall laut Schweriner Energieministerium ein deutlich größeres Problem. So hätten Italien 24 Minuten, Belgien 26, Frankreich 50 und Großbritannien 52 Minuten gehabt. Diese Zahlen stammen allerdings von 2014. Damals lag MV bei 33,32 Minuten – Kellerplatz im Vergleich der Bundesländer.

Für die Netzsicherheit seien die Betreiber der großen Übertragungsnetze zuständig, in den neuen Ländern 50Hertz. Andreas John, Chef der Systemtechnik bei 50Hertz, hält einen Blackout für unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich: „Wenn MV dunkel ist, dann ist es überall dunkel.“ Denn in Mitteleuropa seien Netze verbunden. Ein europäisches Netzaufbau-System. Käme es zu einem Hackerangriff mit totalem Stromausfall, gäbe es verschiedene Sicherungsmechanismen. Wasserkraftwerke in Sachsen, die ohne Außenhilfe wieder in Gang kommen, würden dann für den Aufbau des gesamten Netzes genutzt. Für MV wäre ein Gaskraftwerk bei Potsdam zuständig. Und: Bei Rostock landen auch Stromleitungen eines autarken skandinavischen Stromnetzes an; auch damit wäre in MV die Stromversorgung wieder Schritt für Schritt hochzufahren, so John. Theoretisch.

Darauf will sich die Landesregierung nicht verlassen. In Schwerin hat Energieversorger Wemag ein Projekt in Planung, bei dem aus einem Großspeicher eine Gasturbine für den Netzaufbau angetrieben werden könnte. „Zum Beispiel, um die Stadt Schwerin schnellstens wieder zu versorgen“, so Techniker Karsten Schiller. Solche „Inseln“ will Prof. Weber im Konzept zusammenführen: in Greifswald, Stralsund, Neubrandenburg.

„Wir sind gegen Cyberangriffe geschützt“, sagt John. Hundert Prozent Sicherheit gebe es aber nie. Daher sei es vernünftig, an zusätzlichen Lösungen der Strom-Absicherung zu arbeiten.

Frank Pubantz

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