Angst vor der Schweinepest: MV plant einen Zaun an Grenze zu Polen
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Angst vor der Schweinepest: MV plant einen Zaun an Grenze zu Polen

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07:21 11.02.2020
Wildschweine an der Grenze zu Polen – wie hier auf Usedom – verschärfen die Gefahr der Ausbreitung der afrikanischen Schweinepest. Quelle: Tilo Wallrodt
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Rostock

Wegen der heranrückenden Afrikanischen Schweinepest (ASP) bereitet sich die Landesregierung auf den Ernstfall vor. Laut Agrarminister Till Backhaus (SPD) ist auch ein Zaun entlang der Grenze zu Polen geplant. Die Idee: Von der Ostsee bis zum Erzgebirge sollen Schutzzäune infizierte Wildschweine fernhalten.

Die Seuche rückt näher. 150 Kilometer seien es noch zwischen dem jüngsten ASP-Vorfall in Polen und MV, so Backhaus. Er stimmte sich gerade mit den Landräten ab. Bei der Bekämpfung sei „grundsätzlich jede Maßnahme sinnvoll, um einen Eintrag möglichst zu verhindern“. Denn wäre die Virusinfektion über Wildschweine erst einmal im Lande verbreitet, könnten schnell massenhaft Hausschweinbestände befallen sein, die dann getötet werden müssten.

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Infektionen nahe der Grenze zu Brandenburg

Ein hoher Millionenschaden wäre die Folge. Laut einer aktuellen Karte des Friedrich-Löffler-Instituts in Berlin gab es zuletzt bekannte Infektionsfälle in Polen unweit der Grenze zu Brandenburg. Auch das Baltikum, die Slowakei, Ungarn, Russland, Rumänien und Belgien sind betroffen. Für den Menschen ist ASP nicht ansteckend, für Schweine meist tödlich.

Ein möglicher Schutz gen Osten wäre ein Zaun. „Ein Wildschutzzaun ist temporär in der Diskussion und soll von MV bis ins Erzgebirge reichen“, so Backhaus. Dazu gebe es Gespräche mit dem Bund und Polen. Vorbild sei eine Regelung, wie es sie zwischen Belgien und Frankreich gebe. Allerdings handele es sich nicht um einen dauerhaften Zaun wie zwischen Dänemark und Deutschland. „Wenn er gebaut wird, ist er temporär. Es gibt zwischen Polen und Deutschland eine enge Abstimmung“, so Backhaus.

Bauernpräsident: Ein Zaun hält die Wildschweine nicht ab

Skeptisch reagiert Detlef Kurreck, Präsident des Bauernverbandes MV. Ein solcher Schutzzaun aus Draht sei für Wildschweine kaum ein Hindernis. „Sie gehen unten durch“, so Kurreck. Er räumt aber ein: „Ich weiß auch nichts Besseres.“ Für den Fall, dass ein ASP-Eintrag wie in Belgien punktuell erfolgt, „hilft auch kein Zaun“.

Lesen Sie auch: Kommentar zum Thema: Größtes Risiko ist der Mensch

Renate Schuster vom Hybridschweine-Zuchtverein Nord/Ost in Malchin setzt dagegen auf den Zaun. Dies habe auch in anderen Ländern funktioniert. „Ein Zaun alleine wird aber nicht reichen.“ Schuster fordert mehr Jagd auf Wildschweine, um die Ausbreitung zu verhindern. Sie räumt ein: „Je näher die ASP kommt, desto unruhiger werden wir.“

Backhaus hat gerade die Landräte in MV über ein geplantes Vorgehen gegen die Schweinepest informiert. Neben dem Schutzzaun nach Polen seien 110 Kilometer Elektrozaun beschafft worden. Damit solle bei Auftreten der Seuche schnell eine lokale Eingrenzung erfolgen. An der Autobahn 11 zu Brandenburg werde der Schutzzaun erweitert. Behörden seien sensibilisiert – bis hin zur Bundeswehr.

Landkreis: Zaun, Sperrkreise und gezielte Jagd geplant

Der Landkreis Vorpommern-Greifswald als unmittelbarer Nachbar Polens sieht sich gewappnet. Der Schweinepest wolle man mit „einem ganzen Bündel an Maßnahmen begegnen“, so ein Sprecher. Monitoring, Zaun, Sperrkreise, gezielte Jagd.

Gerade jetzt in der Urlaubszeit mit starkem Reiseverkehr sehen Experten wachsende Risiken für eine Einschleppung der Schweinepest durch Menschen. Die Gefahr sei „sehr hoch“, so Bachhaus.

Übertragung von Tier zu Tier

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist eine Tierseuche, von der Haus- und Wildschweine betroffen sind. In den afrikanischen Ursprungsländern übertragen Lederzecken das Virus der ASP. In Europa erfolge eine Übertragung durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren über Sekrete, Blut oder Sperma, die Aufnahme von Speiseabfällen oder Schweinefleischerzeugnissen, heißt es vom Friedrich-Löffler-Institut. Aber auch Jagdausrüstung oder landwirtschaftlich genutzte Geräte können das Virus übertragen.

Im Jahre 2020 gab es europaweit bereits 1285 ASP-Fälle, im Vorjahr waren es fast 8300, meistens bei Wildschweinen.

Für Schweine ist die ASP meist tödlich. Menschen können sich nicht infizieren.

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Von Frank Pubantz

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