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MV aktuell Ein Jahr nach Großbrand: Anklage gegen Jugendlichen in Greifswald
Nachrichten MV aktuell Ein Jahr nach Großbrand: Anklage gegen Jugendlichen in Greifswald
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21:11 08.06.2019
Ein Jahr nach dem Großbrand des Rewe-Marktes in Greifswald wird ein neuer Markt errichtet. Quelle: Martina Rathke
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Greifswald

Dieser Großbrand hielt Feuerwehr, Polizei und einen ganzen Stadtteil in Atem: Am Pfingstsonntag vor einem Jahr fraß sich in Minutenschnelle ein Feuer durch den Rewe-Markt in Schönwalde I. Hohe Flammen schlugen aus dem Gebäude, das bis auf die Grundmauern niederbrannte. Der benachbarte Penny-Markt wurde durch das Löschwasser beschädigt. Schnell keimte der Verdacht auf, dass das Feuer durch Brandstiftung verursacht wurde. Noch am Brandtag nahm die Polizei nach Zeugenhinweisen zwei in Greifswald wohnende Jugendliche vorläufig fest.

Für einen Tatverdächtigen hat das Feuer in Schönwalde I nun juristische Konsequenzen: Die Stralsunder Staatsanwaltschaft erhob Anklage gegen einen heute 15-Jährigen wegen fahrlässiger schwerer Brandstiftung. Für einen weiteren, heute 16-jährigen Jugendlichen, gegen den ebenfalls ermittelt wurde, reichte die Beweislage für eine Anklage nicht aus, wie Oberstaatsanwalt Martin Cloppenburg sagte. Das Verfahren gegen ihn werde eingestellt.

Jugendlichem wurde Brandstiftung vorgeworfen

15-Jährigem wird fahrlässige schwere Brandstiftung vorgeworfen

Zündelei an Kunststoff-Einkaufswagen

Der nun angeklagte Jugendliche soll im Unterstand, in dem etwa 60 Einkaufskörbe deponiert waren, mit Papiertaschentüchern gezündelt haben. „Dabei hat er das Risiko unterschätzt, dass die Kunststoff-Wagen ganz schnell in Brand geraten können.“ Zunächst – so zitierte Cloppenburg aus dem Brandgutachten – setzte er mit der Zündelei einen Einkaufskorb in Brand. Von dort griff das Feuer auf die weiteren Körbe und auf das Dach mit einer Holzkonstruktion und die Hausfront über. „Die Jugendlichen gerieten dann offenbar in Panik“, so Cloppenburg. Dem angeklagten 15-Jährigen droht nun ein Verfahren vor dem Jugendrichter des Amtsgerichtes Greifswald. Zunächst muss das Gericht allerdings entscheiden, ob es die Anklage zulässt.

Die gigantische Rauchwolke, die damals über die Stadt zog, war bis Züssow und Demmin sichtbar. Mehr als 100 Feuerwehrleute arbeiteten bis Mitternacht, um den Brand zu löschen und ein Übergreifen auf weitere Gebäude zu verhindern. Die Polizei bezifferte den Schaden auf rund 6,5 Millionen Euro.

Jugendrichter muss entscheiden

In Schönwalde I sind die Meinungen darüber gespalten, ob der Jugendliche für die Brandstiftung belangt werden soll. „Eigentlich hätten die Jugendlichen ausreichend Grips haben müssen, um zu wissen was passiert“, sagte eine Rentnerin, die ihren Namen nicht nennen will. „Die Entscheidung ist schwierig. Die Jugendlichen können ihr ganzes Leben darunter leiden“, meinte ein 80-Jähriger Mann, der früher als ehrenamtlicher Schöffe gearbeitet hat. Eine weitere Passantin sprach sich für eine Bestrafung aus, schon allein um ein Zeichen zu setzen. „Aber die Jugendlichen haben hier ja keine Jugendclubs mehr. Es fehlen sinnvolle Freizeitmöglichkeiten“, gab sie zu bedenken.

Ortsteilvorsitzender Peter Multhauf (Linke) findet richtig, dass die Brandstiftung auch juristische Konsequenzen für den mutmaßlichen Verursacher hat. „Das Feuer hat die Einwohner sehr berührt und betroffen. Immerhin ist eine beliebte Einkaufsstätte zerstört worden.“ Andererseits, so gibt er zu bedenken, hätte der Brand bei Einkaufskörben mit Metallgittern wohl nie dieses Ausmaß erreicht. „Uns ist nicht bekannt, das Kunststoff-Einkaufskörbe verboten sind“, sagte Staatsanwalt Cloppenburg. Gegen Rewe werde nicht ermittelt.

Neuer Rewe soll im November öffnen

Welche Strafe dem 15-Jährigen droht, ist offen. „Bei Jugendlichen steht der Erziehungsgedanke im Vordergrund“, sagte Cloppenburg. Der 15-jährige könnte zu einer Arbeits- oder Geldauflage oder auch zu Jugendarrest verurteilt werden. Der Richter sei frei in seiner Entscheidung, werde zur Beurteilung auch die Jugendgerichtshilfe und Eltern hören. Zunächst muss aber das Amtsgericht entscheiden, ob es die Anklage zulässt.

Die Rewe-Group lässt inzwischen am Brandort einen neuen Einkaufsmarkt errichten, den die Betreiberin des abgebrannten Gebäudes, Petra Götz, leiten soll. „Im November wollen wir den Markt für die Kunden öffnen“, sagte Rewe-Sprecherin Stephanie Behrens. Die ersten Mauern für das großzügiger als der Vorgängermarkt geplante Einkaufszentrum stehen bereits. Die Gänge auf der vergrößerten Verkaufsfläche sollen breiter werden, der Markt insgesamt heller dank des einfallenden Tageslichts.

Der Jugendliche könnte nach einer möglichen Verurteilung mit zivilrechtlichen Forderungen auf Schadensersatz konfrontiert werden. Wie Rewe-Sprecherin Behrens sagte, prüft das Unternehmen beziehungsweise der Versicherungsgeber in solchen Fällen wie diesen, welche rechtlichen Möglichkeiten mit Blick auf Schadensersatz in Betracht kommen.

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Martina Rathke

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