Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
MV aktuell Fossilien und Bernsteine: Martin Hagemann zeigt, was es am Strand zu finden gibt
Nachrichten MV aktuell Fossilien und Bernsteine: Martin Hagemann zeigt, was es am Strand zu finden gibt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
21:57 01.08.2019
Meerglas, Fossilien und Bernsteine: Martin Hagemann zeigt, welche Schätze es in der Ostsee zu finden gibt. Im Hintergrund suchen die Teilnehmer seiner Tour im Sand nach ähnlichen Fundstücken. Quelle: Dietmar Lilienthal
Anzeige
Prerow

Man müsse zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein, um die Schätze der Ostsee zu finden, sagt Martin Hagemann. 25 Urlauber lauschen am frühen Donnerstagmorgen den Worten des begeisterten Strandführers. Sie alle haben bei ihm eine Tour gebucht, bei der sie hoffen, zwischen Muscheln, Krabben und Algen Bernsteine, Meerglas und Hühnergötter zu finden.

Bernstein! Bernstein!“, ruft der 12-jährige Maurice Querner aufgeregt. Denn die Gruppe von Hobbysammlern ist schon vorgelaufen und hat dabei glatt etwas übersehen. Die 11-jährige Josey Bechtloff hat soeben das erste kleine Bernsteinstück gefunden. Stolz, zufrieden und vorsichtig packt sie ihren Fund in den extra dafür vorgesehenen Beutel. „Das ist mein Ziel: aus meinen Teilnehmern glückliche Kinder zu machen“, sagt Hagemann mit einem markant breiten Lächeln.

Anzeige

Bernstein: Eine 600-fache Wertsteigerung

Für ein Kilo großer Bernstein bekomme man heute bis zu 1200 Euro. Der Wert sei in den letzten Jahrzehnten um das 600-Fache gestiegen. Der Grund: die hohe Nachfrage in China. „Die Färbung der Steine steht in diesem Kulturkreis für das Glück. Die Menschen nutzen es als Schmuck und Statussymbol“, sagt Hagemann.

Eigentlich sei der Sommer nicht prädestiniert, um auf die Suche nach Bernsteinen zu gehen. „Am ehesten wird man im Winter fündig, wenn es Ostwind gibt, der den baltischen Bernstein an die Küste trägt.“ Da die Küstenlage vom Prerower Nordstrand wie eine natürliche Grenze wirke, finde man hier dann sehr viele der Steine. „Im Februar stehen viele Bernsteinfischer im Wasser und keschern nach den begehrten Schmuckstücken.“ Viel bleibe dann nicht mehr übrig.

Meerglas, Bernstein und Co.: Was man auf einer Tour mit Martin Hagemann alles finden kann, sehen sie in den folgenden Bildern

Bernstein ist nicht gleich Bernstein

Wie man am ehesten Exemplare der fossilen Steine findet? „Überall dort, wo es Muschelansammlungen und Rollholz zu finden gibt, lohnt sich ein Blick.“ Rollholz, auch als Sprockholz bekannt, habe eine vergleichbare Dichte und würde ähnlich wie der Bernstein an die Küsten gelangen.

Wichtig sei es, jeden Fund zu differenzieren. Denn Bernstein ist nicht gleich Bernstein. Weißer Phosphor werde oft mit den Steinen verwechselt. Dabei handelt es sich um Reste von Brandbomben. Stecke man diese in die Hosentasche, entzündet sich das Material bei Körpertemperatur und kann dann bis zu 1300 Grad Celsius heiß werden und zu schweren Verbrennungen führen.

Hühnergötter gegen böse Geister

Martin Hagemann erklärt seinen Tourteilnehmern so gut wie alles, was es zu finden gibt. Er zeigt Ihnen Fossilien und Hühnergötter. „Die Steine mit dem Loch nennt man so, weil sie bei den Slawen im Stall hingen. Wenn sie dann gegeneinanderschlugen, hoffte man, böse Geister zu vertreiben und einen guten Ertrag an Eiern zu erhalten.“

Ein Teilnehmer findet ein kleines Stück Meerglas. „Das ist wohl von einer Bierflasche, noch nicht lange im Meer. Eigentlich ist es Müll“, sagt Hagemann. Aus seiner Tasche holt er verschiedene Exemplare der beliebten Sammlerstücke. Bei Meerglas handelt es sich um Glas, das von Schiffen oder Stränden in das Meer gelangt ist und durch Strömungen über Jahre rund geschliffen wurde.

„Dabei bekommt das Glas oft spektakuläre Farben“, sagt Hagemann. Darüber hinaus könne man daran Industriegeschichte ablesen. „Je dicker das Glas ist, umso älter ist es auch“, sagt der Naturführer, der an seiner Hand einen Ring mit einem kobaltblauen Meerglas-Stein trägt.

Viel Müll zwischen den Schätzen

Doch zwischen den vielen Schätzen gibt es auch Unerfreuliches zu finden. Hagemann zieht Plastik zwischen den Algen hervor. „Das war wohl mal Wurstverpackung.“ Er steckt das Stück in eine Tasche seines Rucksackes. „Wenn wir uns hier schon nach Schätzen bücken, können wir auch den Müll aufsammeln, den wir finden.“ Schließlich wandern die Tourteilnehmer durch ein Naturschutzgebiet.

Nach drei Stunden an der Prerower Strandküste dürfen sich viele der Teilnehmer über Funde freuen. „Eine Frau hat sogar kurz vor Beginn der Kernzone einen daumennagelgroßen Bernstein gefunden. Eine Sensation im Sommer“, sagt Hagemann. Stolz zeigte sie ihren Fund in die Runde. Dennoch gingen auch ein paar Personen leer aus. „Das ist leider nicht zu vermeiden.“ Ob es denn einen Schlüssel zum Erfolg gibt? „Ja, ein gutes Auge, Ausdauer und Geduld“, sagt der lächelnde Strandführer.

Rechtliche Grundlagen für Schatzsucher

Ein Trend, der in den letzten Jahren immer häufiger zu beobachten ist, sind Sammler, die sich mit Metalldetektoren und UV-Brillen auf die Suche nach kleinen Ostseeschätzen machen. „Solche Hilfsmittel zu verwenden, ist unter uns Sammlern verpönt“, sagt Strandführer und Fossiliensammler Martin Hagemann.

Darüber hinaus kann die Verwendung solcher Hilfsmittel sogar illegal sein. Denn der Einsatz von technischen Suchgeräten steht nach Paragraf 12 des Denkmalschutzgesetzes von MV unter Genehmigungsvorbehalt. Laut Michael Bednarz, dem Leiter des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern, könne die Verwendung von Hilfsgeräten ohne Genehmigung ein Ordnungswidrigkeits- bzw. sogar ein Strafverfahren nach sich ziehen. Wie man dem legal entgehen könne? „Man kann sich zum ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger ausbilden lassen“, sagt Bednarz.

Edgar Offel von der Pressestelle im Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt Mecklenburg-Vorpommern gibt zu bedenken, dass es grundsätzlich verboten ist, Sand, Kies, Geröll oder Steine vom Strand zu entnehmen und Abgrabungen oder Bohrungen vorzunehmen. Das werde jedoch durch das Naturschutz-Ausführungsgesetz gelockert. Dort heißt es, dass Muschelschalen und Steine für den eigenen Bedarf in geringen Mengen gesammelt werden dürfen. „Nach unserem Verständnis sind das Mengen, die sich ohne nennenswerte Hilfsmittel und Behältnisse transportieren lassen. Unbedenklich ist das, was in die Hosentasche passt“, sagt Offel.

Jeden Donnerstag bietet Hagemann diese Form der Führung an. Darüber hinaus kann man über sein Unternehmen „Naturreisen MV“ auch Ausflüge mit Kanus oder kommentierte Fahrradtouren durch die Natur von MV buchen.

Mehr zum Thema:

Porträt: Ein Schatzsucher aus Leidenschaft

Hochsaison für das uraltes Gold des Meeres

Website des Anbieters

Moritz Naumann

Anzeige