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MV aktuell Arbeitnehmer in MV müssen klotzen – kaum Arbeitsschutzkontrollen
Nachrichten MV aktuell Arbeitnehmer in MV müssen klotzen – kaum Arbeitsschutzkontrollen
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09:40 24.11.2019
Symbolbild: In keinem anderen Bundesland müssen Arbeitnehmer körperlich so kräftig zupacken wie in Mecklenburg-Vorpommern.
Symbolbild: In keinem anderen Bundesland müssen Arbeitnehmer körperlich so kräftig zupacken wie in Mecklenburg-Vorpommern. Quelle: C.KETTLER
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Schwerin

In keinem anderen Bundesland müssen Arbeitnehmer körperlich so kräftig zupacken wie in Mecklenburg-Vorpommern. Während 2018 im Bundesschnitt 22,6 Prozent der Beschäftigten regelmäßig schwer heben und tragen mussten, waren es in Mecklenburg-Vorpommern 31,9 Prozent.

Körperlich mehr gefordert als Kollegen im Westen

Das ist bundesweiter Spitzenwert, wie aus der Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervor, aus der die sächsische Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann (Linke) zitierte. Demnach waren Beschäftigte in Ostdeutschland allgemein körperlich mehr gefordert als ihre Kollegen im Westen.

Kaum noch Arbeitschutzkontrollen

Bundesweit blieb der Anteil auch die Gesundheit strapazierender Arbeit seit 2006 nahezu konstant. Im gleichen Zeitraum sank den Angaben zufolge aber die Kontrolldichte in den Betrieben drastisch. „Harte körperliche Arbeit und kaum noch Arbeitsschutzkontrollen, das passt nicht zusammen“, mahnte Zimmermann.

Muskel- und Skelett-Erkrankungen gelten nach wie vor als Hauptgrund für Krankschreibungen. So seien im Jahr 2017 aufgrund dieser Diagnose bundesweit 150 Millionen Krankentage angefallen, erklärte Zimmermann unter Berufung auf die Kleine Anfrage. Das sei fast ein Viertel mehr gewesen als fünf Jahre zuvor. Etwa 23 Prozent aller Ausfalltage gingen auf Muskel- und Skelett-Erkrankungen zurück.

26 Prozent der Arbeitnehmer im Nordosten arbeiten laut Antwort der Bundesregierung regelmäßig in Zwangshaltungen. Bundesweit trifft das auf knapp 17 Prozent zu. Erwartungsgemäß sind hohe körperliche Belastungen in Bau- und Landwirtschaft, aber auch in Gesundheitswesen und Gastronomie zu verzeichnen.

Im Schnitt 33 Jahre bis zur nächsten Kontrolle

Zimmermann nahm die Kontrollen der Arbeitsaufsicht in Betriebsstätten kritisch unter die Lupe. Während es im Jahr 2007 bundesweit 347 240 Arbeitsschutzkontrollen gegeben habe, seien es 2017 nur noch 182 504 gewesen. Mit Rückgängen um 67 und 68 Prozent sei die Reduzierung der Kontrollen in Brandenburg und Sachsen besonders drastisch. Somit dauere es im Schnitt 33 Jahre, bis in Sachsen ein kontrollierter Betrieb erneut von Arbeitsschutzbehörden geprüft werde.

In Mecklenburg-Vorpommern, wo die Kontrolldichte nicht so drastisch gesenkt wurde, werden Betriebe im Schnitt alle fünfeinhalb Jahre kontrolliert. Das Personal in der Arbeitsschutzbehörde des Landes wurde in einem Jahrzehnt um ein Drittel reduziert.

„Es ist ein Armutszeugnis“

„Es ist ein Armutszeugnis für die Landesregierungen, dass die Arbeitsschutzbehörden massiv Personal abgebaut haben und die Kontrollen zurückfahren“, konstatierte Zimmermann. Die Prävention von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten sei ein hohes Gut und die Länder dürften die Beschäftigten nicht im Stich lassen.

„Prävention im Betrieb heißt, die Arbeitsbedingungen von vornherein so zu gestalten, dass Belastungen bereits in jungen Jahren vermieden werden - und nicht erst im Nachhinein, wenn beispielsweise Rückenbeschwerden und andere Muskel- und Skeletterkrankungen schon da sind“, mahnte die Oppositionspolitikerin.

Der Analyse lagen Daten der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin sowie verschiedener Krankenkassen zugrunde.

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