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MV aktuell Arbeitszeiterfassung: In MV gibt es wenig Verstöße
Nachrichten MV aktuell Arbeitszeiterfassung: In MV gibt es wenig Verstöße
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19:00 14.05.2019
Ein Mitarbeiter erfasst seine Arbeitszeit digital an einem Terminal. Arbeitgeber sollen verpflichtet werden, die gesamte Arbeitszeit ihrer Beschäftigten systematisch zu erfassen.
Ein Mitarbeiter erfasst seine Arbeitszeit digital an einem Terminal. Arbeitgeber sollen verpflichtet werden, die gesamte Arbeitszeit ihrer Beschäftigten systematisch zu erfassen. Quelle: dpa
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Rostock

Wie der Europäische Gerichtshof am Dienstag entschieden hat, sollen alle Arbeitgeber der EU verpflichtet werden, die Arbeitszeit ihrer Mitarbeiter systematisch zu erfassen. Die Mitgliedstaaten seien verpflichtet, ein „objektives, verlässliches und zugängliches“ Arbeitszeitsystem zu gewährleisten, hieß es im Urteil. Das gelte auch für Heimarbeit und Außendienste, die dann etwa über Apps oder elektronische Erfassung am Laptop registriert werden müssten. Nur so könne garantiert werden, dass zulässige Arbeitszeiten nicht überschritten werden.

Kommentar: Firmen sind außer Kontrolle

Das Urteil könnte Auswirkungen auf den Arbeitsalltag in MV haben. Zwar gibt es bereits einen umfassenden rechtlichen Rahmen zur Arbeitszeitregelung – wie die Registrierung von Überstunden – dennoch werden die Arbeitszeiten längst nicht in allen Branchen systematisch erfasst.

Überstunden haben zugenommen

Gewerkschafter begrüßen das Urteil. „Gerade Gastronomen wettern immer wieder gegen die vorgeschriebene Zeiterfassung bei Mitarbeitern, die Mindestlohn bekommen – viele halten sie sicher nicht ein. Wie uns die Erfahrung lehrt, geht es nicht ohne Regeln“, meint Jörg Dahms, Landes-Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten. Verdi-Geschäftsführer in Rostock, Detlev Follak, stimmt zu: „Das Thema ist wichtig. Statistiken zeigen, dass Überstunden in den letzten Jahren wieder zugenommen haben. Für die Arbeitgeber könnte die Umsetzung des Urteils daher unangenehm werden.“

Hoher Aufwand für kleine Unternehmen

Viele große Firmen, wie MV Werften oder auch Kliniken, haben nach eigenen Angaben bereits ein elektronisches Zeiterfassungssystem. Aida wollte sich gestern nicht zu dem Thema gegenüber der OZ äußern. Kompliziert kann es für kleine handwerkliche Betriebe oder Geschäfte im Einzelhandel werden. „Ich habe nur Aushilfen auf 450-Euro-Basis. Wir halten ihre Stunden strikt auf Papier fest. Alles andere wäre für unseren Zweck übertrieben und ein finanziell hoher Aufwand“, sagt Anne Lehwald vom Modegeschäft „Haltestelle“ in Rostock. Auch Malermeister Jürgen Schekahn aus Wismar hat kein Verständnis: „Wir schreiben die Stunden schon lange täglich auf und das funktioniert wunderbar. Ich weiß nicht, weshalb man so etwas beschließen muss.“

Kontrollen in Betrieben

Dass es wenig Probleme gibt, bestätigt auch Heiko Will, Direktor des Landesamtes für Gesundheit und Soziales. „Wir führen regelmäßig Kontrollen in den Betrieben durch. 2018 waren es 420“, sagt Will. Bei 72 wurde ein Mangel festgestellt, Bußgelder mussten nur sieben Mal verordnet werden. „Für uns ist das ein Indiz, dass Arbeitszeitüberschreitungen kein grundlegendes Problem darstellen“, so Will weiter.

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Maria Baumgärtel