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MV aktuell Asteroid über MV: Wie gefährlich sind die Feuerbälle?
Nachrichten MV aktuell Asteroid über MV: Wie gefährlich sind die Feuerbälle?
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19:39 13.09.2019
Zuletzt sorgte 2016 ein Asteroid für Aufregung in MV: Der Himmelskörper verglühte über MV, schlug dann in Dänemark ein. Quelle: Gerd Baumgarten/Leibniz-Institut für Atmosphärenphysik
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Rostock/Kiel

Das kosmische Ereignis dauerte nur Sekunden, doch auch zwei Tage danach fasziniert der Feuerball am Himmel noch die Menschen im Norden. Auch über MV war der Asteroid am Donnerstagnachmittag zu sehen. „Es hat ausgesehen wie eine grüne Leuchtkugel. Dann war es weiß und weg“, berichtet zum Beispiel der Facebook-Nutzer Marcel Mo. Gesehen hat er das Himmelsobjekt von Ribnitz-Damgarten aus. Auch aus Schwerin, aus Graal-Müritz, Rostock und Stralsund gibt es Berichte. Doch in die Begeisterung mischt sich auch Sorge: Was passiert, wenn ein solcher Himmelskörper in bewohnte Gebiete stürzt? Und was, wenn er nicht nur wenige Meter groß ist?

Esa: Asteroid war zwei Meter groß

Nach Angaben der Europäischen Weltraumagentur Esa war der Himmelskörper am Donnerstag maximal zwei Meter groß. „Genauer können wir das nicht sagen. Wir sind noch dabei, Bilder auszuwerten“, sagte Detlef Koschny, Asteroiden-Experte der Esa, der OZ. „Wir können anhand der Helligkeit beim Eintritt in die Erdatmosphäre die Größe ziemlich genau bestimmen.“ Die aussagekräftigsten Aufnahmen seien aber von oben gemacht worden: „Wir haben Zugriff auf Daten der amerikanischen Kollegen. Ein Satellit des US-Militärs hat den Asteroiden beobachtet“, so Koschny. Auch Schallwellen werden ausgewertet: „Wir haben Stationen, die Infraschall aufzeichnen – also Töne, die für den Menschen nicht hörbar sind.“

Das Aufblitzen kurz vor dem Aufschlag deute darauf hin, dass der Himmelskörper aus Gestein bestanden habe – und nicht aus Metall. „Es gibt auch Asteroiden, die komplett aus Eisen sind“, so der Fachmann. Die Esa geht inzwischen davon aus, dass der Feuerball irgendwo in der Nähe von Helgoland in die Nordsee gestürzt ist.

Staunen und Sorge

Im Internet sind inzwischen hunderte Beschreibungen des Ereignisses nachzulesen. Auf der Seite der „American Meteor Society“ schildert aus Rostock beispielsweise ein Frank M. seine Sichtung: „Es war ein hellgelber Feuerball mit rötlichen Tönen im Schweif. So was habe ich noch niemals vorher gesehen.“ Philipp B. aus Stralsund beschreibt den Feuerball wie folgt: „Von Rot ins Grüne. Der Rauch war weiß. Klingt komisch, aber es sah aus wie in so einem Hollywood-Film.“

In die Begeisterung mischt sich bei vielen Beobachtern aber auch Sorge. Bei Facebook schreibt Inka Lange, dass sie sich weniger Sorgen um den Klimawandel mache als um „das, was von oben kommt“. Tobias Kehl versucht zu beruhigen: „Ja, das passiert eben. Solange der Asteroid nicht mehrere Kilometer Durchmesser hat, bleibt auch alles harmlos.“

Esa testet Abwehrsystem

Doch ganz so abwegig sei die Angst vor Asteroiden nicht, sagt Esa-Experte Koschny. Sowohl die europäische Weltraumbehörde als auch die Nasa in den USA würden den Himmel gezielt nach potenziellen Gefahren absuchen: „Gefährlich für die Erde und die Menschheit wird es erst, wenn der Asteroid einen Kilometer Durchmesser oder mehr hat“, sagt er. Aber: Auch deutlich kleinere Geschosse könnten auf der Erde erhebliche Schäden anrichten.

2013 etwa schlug in Sibirien ein 20 Meter großer Asteroid ein. „Die Druckwelle war so enorm, dass viele Menschen durch zersplitternde Glasscheiben verletzt wurden“, sagt Koschny. Ab einem Durchmesser von zehn Metern schaltet die Esa die lokale Katastrophenschutzbehörde ein – um die Bevölkerung zu warnen. Der Asteroid vom Donnerstag – er dürfte beim Aufschlag nur noch faustgroß gewesen sein. Also harmlos, erklärt Koschny.

Esa und Nasa arbeiten bereits an einem Abwehrsystem. Und das klingt wirklich ein wenig nach Science-Fiction, nach einem Hollywood-Streifen: „Wir wollen testen, wie wir Asteroiden ablenken können, bevor sie die Erde treffen“, sagt der Esa-Fachmann. In den Niederlanden findet dazu just in diesen Tagen eine große Konferenz statt. Der Plan: Ein US-Satellit namens „Dart“ (zu Deutsch: Wurfpfeil) wird auf einen Asteroiden geschossen und lenkt seine Bahn um. Ein zweiter, ein Esa-Satellit, beobachtet das Ganze. „Wir testen das erst mal an einem kleinen Asteroiden.“

Übrigens: Wer den Nachthimmel über Mecklenburg-Vorpommern genau beobachtet, kann jede Stunde bis zu fünf Sternschnuppen sehen, sagt Koschny. „Diese Asteroiden sind nur wenige Millimeter groß.“

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Von Andreas Meyer

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