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MV aktuell Auch MV setzt auf Zaun zum Schutz vor Schweinepest
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16:06 07.02.2019
Till Backhaus (SPD), Landesagrarminister, hilft beim Aufstellen eines Zauns, der probeweise gegen die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) aufgestellt wird. Quelle: Bernd Wüstneck/dpa
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Bahlenhüschen

Zum Schutz der Hausschweine vor der Afrikanischen Schweinepest (ASP) baut man in Europa Zäune. Während sich die Dänen mit einem stabilen Stahlmattenzaun abschirmen, soll es in Mecklenburg-Vorpommern ein einfacher Elektrozaun richten – der Meter für einen Euro. Tschechien hat gute Erfahrungen damit gemacht, andere Bundesländer ziehen nach, wie Agrarminister Till Backhaus (SPD) am Donnerstag sagt.

Auf der Wiese hinter dem Forsthof Bahlenhüschen im Landkreis Ludwigslust-Parchim haben die Schweine in der Nacht nach Engerlingen und Mäusen gewühlt. Am Rand der Wiese treiben Männer alle drei Meter einen Stahlwinkelpfahl in den Boden. Forstwirt Hans Brunck befestigt daran jeweils drei Isolatoren für die Elektrolitzen. Der 26-Jährige gehört mit seinem älteren Kollegen Andreas Kördel zu den ersten Mitarbeitern der Landesforst, die im Aufbau des Elektrozauns geschult werden. Die Übung bringe definitiv etwas, sagt Brunck. „Je öfter man das macht, desto schneller geht es im Ernstfall.“

MV hat 50 Kilometer langen Zaun eingelagert

Das Land hat nach Angaben von Minister Backhaus 51 Kilometer Elektrozaun gekauft. 50 Kilometer sind eingelagert, einer dient dem Probeaufbau an den Forstämtern in den sechs Landkreisen. Das Zaunmaterial reicht für einen Seuchenherd – das umzäunte Gebiet soll laut EU-Vorgabe einen Durchmesser von zehn Kilometern haben.

Im Ernstfall ist folgendes Szenario vorstellbar: Ein Förster oder Jäger findet ein totes Wildschwein. Er meldet es der Veterinärbehörde des Landkreises. Diese lässt das Tier auf ASP untersuchen. Bestätigt sich der Verdacht, wird das Gebiet im Radius von fünf Kilometern um den Seuchenherd mit dem Elektrozaun abgesperrt. Die Wildschweine im Inneren infizieren sich und sterben. Der Zaun mit bis zu 12 000 Volt Spannung verhindert, dass befallene Tiere die Schweinepest weiter verbreiten und dass gesunde Tiere in das Gebiet eindringen. In einer Pufferzone außen um den Zaun wird die Schwarzwildjagd intensiviert.

Die Angst vor der Schweinepest ist groß. „Die ASP lässt mich auch weiterhin nicht ruhig schlafen“, gibt Backhaus zu. Er sieht den Bund und die EU in der Pflicht, die Forschung zu intensivieren und einen Impfstoff gegen die ASP zu entwickeln. Die Folgen eines Ausbruchs in Deutschland wären wirtschaftlich verheerend: Allein die Ausfuhren von Schweinefleisch erreichten 2016 mehr als 6,2 Milliarden Euro. Für Mecklenburg-Vorpommern mit 830 000 Hausschweinen in gut 200 Betrieben rechnet das Ministerium mit einem Schaden von 980 Millionen Euro pro Jahr für Handelsausfälle, Tierverluste, Entschädigungszahlungen.

Grundstückseigentümer werden entschädigt

Auch der Elektrozaun kostet mehr als die Anschaffung. Den Aufbau im Seuchenfall übernimmt die Landesforstanstalt. Für Wartung, Batteriewechsel, Kontrollen schließt das Ministerium Verträge mit den Landkreisen, die laut Gesetz für die Seuchenbekämpfung zuständig sind. Entstehen Grundeigentümern durch den Zaun Nachteile – etwa weil Felder nicht abgeerntet werden können – muss das entschädigt werden. Der Landrat von Ludwigslust-Parchim, Stefan Sternberg (SPD), ist froh über den Zaun des Ministeriums. „Wir als Kreise wären mit der Situation überfordert gewesen“, räumt er ein.

Der Zaun ist nur ein Teil der Seuchenprävention des Landes. Die verstärkte Jagd auf Schwarzwild wird nicht nur gefordert, sondern mit der sogenannten Pürzelprämie auch gefördert. Die Abschusszahl erhöhte sich von 61 000 Wildschweinen im Jagdjahr 2016/17 auf 86 000 im Jahr 2017/18. Der Jagdreferent im Agrarministerium, Martin Rackwitz, geht im laufenden Jagdjahr bis Ende März erneut von einer überdurchschnittlichen Strecke aus. Da viele Frischlinge das nasskalte Frühjahr 2018 nicht überlebten, könnte es zu einer Reduzierung des Gesamtbestands gekommen sein, meint er.

Für Ausbreitung der Seuche ist Mensch verantwortlich

Fachleute hoffen, dass sich bei einer geringeren Wildschweindichte die Pest weniger verbreitet. Allerdings tragen die Wildschweine viel weniger zur Verbreitung bei als der Mensch. Für ihn sind die Erreger völlig ungefährlich, an denen die Schweine nach wenigen Tagen sterben. Für die Ausbreitung der ASP über Kontinente sind nach Auffassung der Wissenschaft Menschen verantwortlich, die auf Reisen mit ASP-Viren infizierte Fleisch- und Wurstwaren essen und Reste davon wegwerfen. So wird der Seuchenausbruch in Belgien erklärt. Hauptsächlich grassiert die ASP in China. Fälle werden außerdem aus Osteuropa gemeldet, vor allem aus Polen, den baltischen Staaten und Rumänien. Bis Dienstag wurden laut Friedrich-Loeffler-Institut in Europa 753 ASP-Fälle bei Wild- und 41 bei Hausschweinen registriert.

Birgit Sander

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