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MV aktuell Auf der Suche nach Flutschäden: Drohnen fliegen die Küste ab
Nachrichten MV aktuell Auf der Suche nach Flutschäden: Drohnen fliegen die Küste ab
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00:00 06.01.2017
Kühlungsborn: Am Tag eins nach der Flut im Ostseebad Kühlungsborn (Landkreis Rostock): Sibylle und Stephan Gruß (beide 55) aus Magdeburg haben die Ostsee so aufgewühlt noch nie gesehen. Die Stammgäste aus Sachsen-Anhalt änderten ihre Urlaubspläne kurzerhand. Jetzt wollen sie noch ein paar Tage länger in Kühlungsborn bleiben. Quelle: Foto: Frank Söllner
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Rostock

Die schwere Sturmflut hat an der Ostseeküste Schäden in Millionenhöhe verursacht. Wie hoch diese genau sind, sollen Drohnen ermitteln. Von heute an fliegen sie die gesamte Küste von Usedom bis zur Landesgrenze nach Schleswig-Holstein ab und dokumentieren alles per Laserscan. Erst wenn die Strände wieder betretbar seien, „wird das volle Ausmaß der Sturmflut sichtbar“, sagte der Schweriner Umweltminister Till Backhaus (SPD).

Nur wenige Versicherer decken Verluste ab

Sturmflutschäden werden nicht durch Elementarschadensversicherungen abgedeckt, teilte unterdessen der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) mit. Nur wenige Versicherer würden ausdrücklich Versicherungen für Sturmflutschäden anbieten. Anders sei dies bei Flussüberschwemmungen, die in der Regel eine Folge von Starkregen seien. In solchen Fällen zahle eine Elementarschadensversicherung. Auch Schäden durch Schneedruck, Lawinen oder einen Vulkanausbruch fallen unter die Elementarschadensversicherung. Läuft ein abgestelltes Auto bei einer Sturmflut voll, zahlt laut GDV in der Regel die Teilkasko-Versicherung. Werde ein Dach bei Sturm beschädigt, komme die Wohngebäudeversicherung dafür auf.

Die Verbraucherzentrale MV empfiehlt, Schäden umfassend zu dokumentieren. „Es könnte sein, dass der Staat ein Hilfsprogramm auflegt, dann sollte man seine Ansprüche nachweisen können“, sagte Finanzexperte Axel Drückler.

Für die Fischer an der Ostsee ist die Sturmflut weitgehend folgenlos geblieben. In Zempin auf Usedom wurden zwar einige Anleger beschädigt, sonst seien ihm aber keine Schäden bekannt, sagt Günter Grothe, Vorsitzender des Landesverbands der Kutter- und Küstenfischer MV. „In den Häfen Sassnitz, Wismar und Warnemünde sind die Kaikanten hoch genug“, betont Grothe.

Mit dem Sturmtief „Axel“ kamen auch Schnee und Frost in den Nordosten und sorgten für zahlreiche Unfälle. Bei insgesamt 80 Kollisionen blieb es seit Mittwochabend weitgehend bei Blechschäden. Mindestens sieben Menschen wurden verletzt. Ein Schwerpunkt war am Donnerstagmorgen die Landeshauptstadt Schwerin, wo festgefahrener Schnee und Frost zu mindestens 26 Unfällen führten.

Die A 11 war nach vier Unfällen bei Penkun (Kreis Vorpommern- Greifswald) am Mittwochabend fast fünf Stunden gesperrt. Auf der A 20 südwestlich von Wismar ereigneten sich gestern Morgen vier Unfälle.

Neben Feuerwehren und anderen Rettungskräften waren bei der Sturmflut auch viele Ehrenamtler des Technischen Hilfswerks THW im Einsatz. So unterstützte der Ortsverband Greifswald mit 20 Helfern die Sicherung des Deichs in Karrendorf bei Mesekenhagen.

Mehr als 1000 Buhnen wurden neu gebaut

Küstenschutz: Das Land hat seit 1991 fast 400 Millionen Euro in den Ausbau der Küstenschutzanlagen (Dünen, Deiche, Buhnen) zum Schutz von bebauten Gebieten investiert. Sie stammen aus der Bund-Länder-Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes (GAK). Insgesamt wurden in dem Zeitraum 16 Millionen Kubikmeter Sand aufgespült und rund 1000 Buhnen rekonstruiert oder neu gebaut. Für die Pflege und Unterhaltung des Anlagenbestandes wurden zusätzlich etwa 50 Millionen Euro aus reinen Landesmitteln eingesetzt. Das Land spült jedes Jahr 500000 Kubikmeter Sand auf, um regelmäßige Abtragungen an den Stränden auszugleichen. Der Sedimenttransport findet immer statt, wenn Wellen auf die Küste treffen.

Axel Meyer und Axel

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