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MV aktuell Sehr hohe UV-Strahlung in MV: Am Mittwoch Gefahrenstufe 9 von 11
Nachrichten MV aktuell Sehr hohe UV-Strahlung in MV: Am Mittwoch Gefahrenstufe 9 von 11
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19:17 25.06.2019
Das herrliche Wetter lockt zum Strandbesuch, wie hier in Kühlungsborn. Ganz wichtig ist der gute Sonnenschutz. Quelle: Frank Söllner
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Rostock

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat für die nächsten Tage vor sehr starker ultravioletter Strahlung (UV-Strahlung) im Bundesgebiet gewarnt. Die gesundheitliche Gefährdung sei derzeit „sehr hoch“, teilte der DWD mit.

Auf der elfstufigen Gefahrenindexskala lag der Wert für MV am Dienstag bei 7, also hoch. Am Mittwoch wird eine 9 prognostiziert und am Donnerstag sollen die Werte im Nordosten zwischen 7 und 9 liegen.

UV-Index am Mittwoch: Gesundheitliche Gefährdung Quelle: Benjamin Barz

Experte: „Halten Sie, wenn möglich, Siesta!“

„Schutzmaßnahmen sind unbedingt erforderlich“, erklären die Wetterexperten. Das unterstreicht auch Prof. Dr. Steffen Emmert, Direktor der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Venerologie an der Unimedizin Rostock. Er rät, zwischen 11 und 15 Uhr den Aufenthalt in der Sonne zu meiden. „Halten Sie, wenn möglich, Siesta“, so der Dermatologe. Bei Kindern gilt der Grundsatz: „Erst wenn der Schatten länger ist als du selbst, solltest du an den Strand gehen.“

Dicht gewebtes Material für Sonnenschutz

Zum Sonnenschutz gerade bei Kindern und Jugendlichen gehören auch entsprechende Kleidung und Kopfbedeckungen, die gegen die UV-Strahlung am Strand und im Wasser schützen. „Hier ist besonders dicht gewebtes Material empfehlenswert“, so der Facharzt. Eine herkömmliches weißes T-Shirt beispielsweise hat den Lichtschutzfaktor 3. „Nasse Shirts mögen gut aussehen, der Lichtschutzfaktor sinkt aber auf 1 bis 2“, warnt der Dermatologe. Er betont: „Achten Sie besonders auf den Nackenschutz!“

Unterscheidung nach sechs Hauttypen

Es gibt bezüglich der Sonnenempfindlichkeit sechs Hauttypen mit unterschiedlicher Eigenschutzzeit. Der empfohlene Lichtschutzfaktor ist abhängig vom Hauttyp und vom UV-Index. Diese heute gebräuchlichste Klassifikation der Hauttypen wurde 1975 von dem amerikanischen Dermatologen Thomas Fitzpatrick (1930–2009) entwickelt:

I Keltischer Typ – Anteil hierzulande etwa zehn Prozent: sehr helle Hautfarbe, rötliches oder hellblondes Haar, Sommersprossen sowie blaue, grüne oder hellgraue Augen. Er wird nicht braun, bekommt sehr häufig Sonnenbrand und besitzt ein sehr hohes Hautkrebsrisiko. Deshalb ist häufig der Schatten aufzusuchen. Die Eigenschutzzeit beträgt weniger als zehn Minuten. Empfohlen aktuell: Sonnenschutzmittel mit Lichtschutzfaktor 25 bis 35! Betreffende sollten den Schatten nicht nur zur Mittagszeit vorziehen. Hut mit Nackenschutz, geeignete Kleidung für Arme und Oberkörper sowie geeignete Sonnenbrille mit UV-Schutz sind extrem wichtig. Besonders empfindlich sind Nase, Ohren und Lippen.

II Nordischer Typ – Anteil hierzulande etwa 50 bis 60 Prozent: helle Hautfarbe, blonde, hellbraune Haare, oft Sommersprossen, blaue, graue oder grüne Augen. Er bräunt langsam, erleidet häufig einen Sonnenbrand und hat ein hohes Hautkrebsrisiko. Die Eigenschutzzeit liegt bei 10 bis 20 Minuten. Empfohlen aktuell: Sonnenschutzmittel mit Lichtschutzfaktor 20 bis 25! Den Schatten möglichst nutzen. Hut mit Nackenschutz sowie geeignete Kleidung für Arme und Oberkörper sind ebenso wichtig wie eine Sonnenbrille mit UV-Schutz. Nase, Ohren und Lippen gut schützen.

III Mischtyp – Anteil hierzulande 15 bis 20 Prozent: mittlere Hautfarbe, dunkelbraunes oder hellbraunes, manchmal schwarzes Haar, kaum Sommersprossen, braune, blaue, grüne oder graue Augen. Er wird langsam, aber stetig braun und bekommt manchmal Sonnenbrand. Es besteht Hautkrebsgefahr und die Eigenschutzzeit liegt zwischen 20 und 30 Minuten. Empfohlen aktuell: Sonnenschutzmittel mit Lichtschutzfaktor 15 bis 20. Die Sonne sollte über Mittag gemieden werden, Kopfbedeckung und Sonnenbrille werden empfohlen. Lippen und Nacken sind besonders zu schützen.

IV Mediterraner Typ: bräunliche oder olivfarbene Haut auch in ungebräuntem Zustand. Er hat braune Augen, braunes oder schwarzes Haar, keine Sommersprossen und bräunt schnell. Sonnenbrand ist selten zu beklagen und es besteht ein relativ niedriges Hautkrebsrisiko. Die Eigenschutzzeit beträgt mehr als 30 Minuten. Er sollte Kopfbedeckung und Sonnenbrille tragen. Die Experten empfehlen, am Meer Nase, Lippen und Nacken besonders zu schützen. Empfohlen aktuell: Sonnenschutzmittel mit Lichtschutzfaktor 15 bis 20

V Dunkle Hauttypen – vor allem Menschen aus Arabien, Nordafrika sowie dunkle Asiaten: dunkle bis hellbraune Haut auch in ungebräuntem Zustand, die mitunter einen grauen Unterton aufweist. Sie haben braune Augen, schwarzes Haar und keine Sommersprossen. Die Bräunung erfolgt schnell und es tritt kaum Sonnenbrand auf. Obwohl das Hautkrebsrisiko sehr niedrig ist, raten die Experten zur Vorsicht. Kopfbedeckung und Sonnenbrille sind wichtig, zudem benötigen Nase, Lippen und Nacken guten Schutz. Die Eigenschutzzeit beträgt mehr als 90 Minuten. Empfohlen aktuell: Sonnenschutzmittel mit Lichtschutzfaktor 8.

VI Schwarze Hauttypen – zumeist Menschen aus der Subsahara-Afrika, Indien und Australien: dunkelbraune bis schwarze Haut auch in ungebräuntem Zustand. Sie haben braune Augen, schwarzes Haar und praktisch nie Sonnenbrand. Es droht fast kein Hautkrebsrisiko. Die Eigenschutzzeit beträgt weit mehr als 90 Minuten. Kopfbedeckung und Sonnenbrille sowie der Schutz von Nase, Lippen und Nacken sind trotzdem wichtig. Empfohlen aktuell: Sonnenschutzmittel mit Lichtschutzfaktor 4.

Obacht ist bei der Wahl der richtigen Sonnencreme angesagt. Laut Deutscher Krebshilfe sei der Wirkmechanismus bei den Präparaten unterschiedlich. Eine Sorte wirke wie ein Spiegel auf der Haut: Kleine Kristalle werfen die Sonnenstrahlen zurück und diese können nicht in die Haut eindringen. Eine andere Sorte werfe die Strahlen nicht zurück, sondern fängt sie ein. Die Energie der Sonne wird von Stoffen in der Creme aufgenommen und in harmlose Wärme umgewandelt.

Nach dem Bad nochmals eincremen

Prof. Emmert empfiehlt mindestens Lichtschutzfaktor 15 bis 20 und das nochmalige Eincremen nach dem Bad in Meer oder Binnensee. Dabei sollte die Creme dick aufgetragen werden – etwa zwei Milligramm pro Quadratzentimeter Haut. „Wird der gesamte Körper derart geschützt, ist eine 250-Milliliter-Tube fast alle“, so der Hautarzt.

Ein Irrtum ist die Annahme, dass man im Schatten keinen Sonnenbrand erleiden kann. Hier liege die jeweilige UV-Belastung noch bei 75 Prozent, so der Fachmann. Während ungeschützte Personen aktuell bereits nach etwa sieben bis zehn Minuten einen Sonnenbrand bekommen könnten, sei dies nach einer Stunde im Schatten ebenfalls möglich.

Frauen gehen öfter zur Vorsorge als Männer

Ein intensiver Sonnenschutz wird immer bedeutsamer. Das zeigt unter anderem der Anstieg der Hautkrebsfälle bei der AOK Nordost. Sie ist mit mehr als 420 000 Versicherten hierzulande die größte Krankenkasse. „Waren 2012 insgesamt 10 537 Frauen und Männer an schwarzem bzw. weißen Hautkrebs erkrankt, belief sich deren Zahl 2018 bereits auf 11 904“, erklärte Pressesprecher Markus Juhls. Der Grund, dass mehr Frauen in der Statistik auftauchen, liege daran, dass die Damen die Vorsorge ernster nehmen. „25 Prozent mehr Frauen als Männer nutzen das Hautscreening“, so Juhls.

Erbgut im Zellkern wird zerstört

Die Bräunung der menschlichen Haut stellt einen natürlichen Schutzmechanismus dar. Pigmentzellen in der Oberhaut werden angeregt, braunen Farbstoff zu bilden. Aufgepasst: Die Hautabschnitte werden dicker, es bilden sich sogenannte Lichtschwielen. Die braune Haut wirke wie ein Lichtschutzfaktor 5, so Prof. Emmert.

Gelangt zu viel Sonnenlicht auf die Haut, wird eine Entzündungsreaktion ausgelöst: Sonnenbrand droht. Die UV-Strahlen können das Erbgut im Zellkern zerstören. Schließlich sterben viele stark geschädigte Zellen der Oberhaut ab. Sie können aber auch zu Ausgangszellen für einen Tumor werden. Die Hautärzte sprechen vom individuell verschieden groß ausfallenden Lichtkonto der Haut. Wird dieses überzogen, also der Reparaturmechanismus überfordert, kommt es zum Entstehen von Hautkrebs.

Hauttyp entscheidend für Eigenschutzzeit

Wie viel UV-Bestrahlung die Haut verträgt, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Es gibt bezüglich der Sonnenempfindlichkeit sechs Hauttypen mit unterschiedlicher Eigenschutzzeit. Der empfohlene Lichtschutzfaktor hängt vom Hauttyp und UV-Index ab.

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