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MV aktuell Aus für den Jonagold? Neue Apfelsorten erobern den Markt
Nachrichten MV aktuell Aus für den Jonagold? Neue Apfelsorten erobern den Markt
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05:00 20.02.2019
Der Elstar ist derzeit noch der beliebteste Apfel der Deutschen. Er wächst unter anderem im Obstparadies Altkamp auf Rügen. Quelle: Stefan Sauer/dpa
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Güstrow

Der Apfelmarkt ist im Wandel: Traditionelle säuerliche Sorten haben es immer schwerer, dafür liegen süße Früchte gerade bei jungen Leuten im Trend. Der Jonagold könnte daher bald aus den Sortimenten der Supermärkte verschwinden und damit ein ähnliches Schicksal erleiden wie der Holsteiner Cox, glaubt Rolf Hornig von der LMS Agrarberatung, die am Dienstag einer der Gastgeber beim Obstbautag MV in Güstrow war.

Für die Obstbauern im Land sei es wichtig, solche Entwicklungen zu verfolgen und Trends rechtzeitig zu erkennen, sagt Hornig. „Apfelbäume stehen 20 bis 25 Jahre, daher ist es eine strategische Entscheidung, welche Sorte ich wähle. Man muss heute schon wissen, was in 15 oder 20 Jahren gerne gegessen wird.“ Eine neue Pflanzung anzulegen, sei eine erhebliche Investition, so Hornig, „die muss sich auch lohnen.“

Vielfältig verwendbar

Der Kulturapfel hat im Obstbau überragende Bedeutung. Das liegt daran, dass er von allen heimischen Obstarten am vielfältigsten verwendbar ist. Es gibt vom Apfel daher die weitaus meisten Zuchtformen; er gilt in unseren Breiten als das „Obst“ schlechthin. Äpfel wurden schon von den Kelten und Germanen verarbeitet. Sie verkochten das Obst zu Mus und gewannen Most daraus. Den Fruchtsaft vergor man zusammen mit Honig zu Met. Heute gibt es in Deutschland ungefähr 1500 Sorten, von denen aber lediglich 60 wirtschaftlich bedeutend sind. Die aufwendige Sortenkunde und der Erhalt alter oder nicht mehr industriell genutzter Sorten wird heute von verschiedenen Vereinen betrieben.

Viele Landwirte setzten inzwischen auch auf sogenannte Club-Äpfel. Sie werden nicht nach der Sorte benannt, sondern haben einen Markennamen, wie etwa „Pink Lady“. Dieser Apfel der Sorte Cripps Pink begründete den Trend: „Diese Sorten werden nicht mehr in staatlichen Einrichtungen gezüchtet, sondern von privaten Anbietern“, erklärt Hornig. Die staatlichen Züchtungen waren für jedermann zugänglich: „Die Zeiten sind vorbei“, so Hornig: Die „Club-Äpfel“ werden nur an Anbauer weitergegeben, die dafür einen „Club-Beitrag“ entrichten, aus dem dann wiederum das Marketing finanziert wird. „So hoffen die Landwirte, einen etwas höheren Preis erzielen zu können.“

Strenge Regeln für Club-Äpfel

57 solcher Club-Marken gibt es inzwischen. Dabei müssen strenge Regeln eingehalten werden: „Die Äpfel müssen etwa einen bestimmten Anteil roter Schale haben, sonst dürfen sie nicht unter dem Markennamen verkauft werden“, erklärt der Experte. Früchte, die diese Kriterien nicht erfüllen, werden dann unter dem Sortennamen zu einem niedrigeren Preis angeboten. „Auch wenn er genauso schmeckt.“ Der Verbraucher springe auf diese Marketing-Strategie gut an, sagt Hornig. „Pink Lady ist sehr erfolgreich. Insgesamt machen Club-Sorten inzwischen zehn Prozent des Umsatzes aus.“

Für andere, früher beliebte Sorten, seien die Aussichten dagegen nicht so gut, fürchtet Hornig. „Der Jonagold hat seinen Zenit überschritten. Damit wird sich kein guter Preis mehr erzielen lassen.“ Auch der Elstar, derzeit der beliebteste Apfel der Deutschen, könnte seine Position einbüßen. „Der Verbraucher möchte feste Äpfel haben.“ Der Trend gehe derzeit in Richtung der Sorten Gala oder Braeburn.

Nützliche Insekten

Thema beim Obstbautag war auch der Schutz von nützlichen Insekten in den Apfelplantagen, einerseits zur Bestäubung der Blüten, andererseits als Fressfeinde für Schädlinge. Um auf Plantagen eine Artenvielfalt zu erhalten, braucht es nach den Worten der Wissenschaftlerin Annette Herz von Julius-Kühn-Institut in Darmstadt vor allem Blütenpflanzen. Neun Länder beteiligten sich nach ihren Worten an einem mehrjährigen Versuch, regional unterschiedliche Wildkräuter und Gräser auszumachen, die für den Apfelanbau nützliche Insekten fördern, nicht jedoch die Obstbau-Schädlinge. So könnten Pflanzenschutzmittel eingespart werden.

Nötig seien auf Apfelplantagen nicht nur Honig- und Wildbienen für die Bestäubung der Blüten, sondern auch Insekten, die Schädlinge wie Blattläuse und Spinnmilben vertilgen. Zu diesen Nützlingen gehören Marienkäfer, Schwebfliegen und Schlupfwespen. Diese Insekten seien auf Nektar angewiesen, den unter anderem die Wilde Möhre, Wiesenkümmel, Wiesenschaumkraut, Rot- und Hornklee, die Zaunwicke und für Bienen Glockenblumen böten.

Bei einem mehrjährigen Versuch in einem Öko-Obstbetrieb im Saarland seien in den Fahrgassen zwischen den Bäumen Blühstreifen angelegt worden, die nur drei bis vier Mal im Jahr gemäht wurden. Es seien 30 Prozent mehr Blattlaus-Feinde und 15 Prozent weniger Fruchtschäden festgestellt worden. Das sei für die kurze Zeit des Versuchs ein gutes Ergebnis, sagte die Wissenschaftlerin.

Axel Büssem und Birgit Sander

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