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MV aktuell Autohäuser in MV stecken in der Diesel-Krise
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18:21 30.01.2019
Der Auspuff eines VW Tiguan Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
Stralsund

Während die ersten Käufer von Diesel-Autos mit manipulierten Schadstoffwerten auf Entschädigung hoffen können, stecken die Autohändler in MV weiterhin in der Krise. Im VW-Autohaus Birne in Bad Doberan lassen sich gebrauchte Diesel inzwischen nur noch mit erheblichen Preisnachlässen verkaufen. „Wir bekommen heute 20 bis 25 Prozent weniger als vor der Dieselkrise“, sagt Geschäftsführer Uwe Birne. Zu seinen Kunden zählten aber auch Autohäuser im Ausland, die gerne die nun günstigen deutschen Diesel aufkaufen, etwa in Italien oder in Frankreich. Bei Neuwagen mit Euro 6-Norm gebe es dagegen keinen großen Einbruch, so der Händler: „Die laufen super.“

Überzeugungsarbeit nötig

Probleme gibt es auch im Autohaus Neu in Barth: „Die Leute sind heute wesentlich skeptischer als früher, was die Dieselmodelle von VW betrifft“, sagt Verkaufsleiter Holger Neu. „Da ist oft einiges an Überzeugungsarbeit nötig.“ Dennoch ging der Verkauf von Dieselfahrzeugen nicht so stark zurück wie befürchtet. In ländlichen Regionen wie Vorpommern, in denen die Menschen meist viele Kilometer zurücklegen müssten, sei es einfach wirtschaftlicher, auf Diesel zu setzen, so Neu. Verkauft würden vor allem neuere VW-Modelle der Abgasnorm Euro 6, Modelle mit Euro 4 und 5 würden auch kaum noch angeboten.

„Man merkt den Kunden an, dass sie verunsichert sind“, meint Ulrich Martens vom Autohaus Martens in Grevesmühlen. „Viele wissen nicht, in welche Richtung es künftig geht und suchen daher verstärkt Beratung zu Diesel.“ Während die Nachfrage nach Gebrauchtwagen stark zurückgegangen sei, interessierten sich seit einiger Zeit wieder mehr Kunden für Diesel-Neuwagen. Das liege vor allem an Rabattaktionen von VW. „Hinzu kommt, dass es für Vielfahrer kaum Alternativen gibt“, so Martens. Allerdings seien neue Euro-6-Modelle auch relativ teuer. „Die kann sich bei weitem nicht jeder leisten.“

Im Autohaus Esser in Wolgast stehen gebrauchte Diesel heute länger als früher, ohne dass sich ein Käufer für sie finde, berichtet Geschäftsführer Michael Esser. Auffällig sei zudem die Angst der Kunden vor einer Wertminderung ihres Dieselfahrzeugs: „Deshalb entscheiden sich die Leute meist von vornherein für einen Benziner. Sie wollen eine gewisse Sicherheit.“

VW kündigt Händlerverträge

Die Dieselkrise verschärft für viele Autohäuser in MV die ohnehin schon schwierige Situation. Volkswagen hatte vor einigen Tagen angekündigt, sein Händlernetz in Deutschland auszudünnen. Als Begründung wurde unter anderem der erwartete Boom der Elektromobilität genannt. Viele kleine Autohäuser werden die Umstellung auf die umweltfreundlicheren Antriebe gar nicht stemmen können, vermutet ein Branchen-Insider, der anonym bleiben möchte, im Gespräch mit der OZ: „Die Investitionen belaufen sich auf mindestens 100 000 Euro pro Autohaus“, schätzt er. Da komme einiges zusammen: „Die Ausbildung der Mitarbeiter ist sehr teuer, man muss die Ladekapazitäten vorhalten und braucht Hard- und Software für den Service der E-Fahrzeuge.“ Der Insider geht davon aus, dass in MV ein Viertel aller VW-Händler betroffen ist und diese künftig nur noch Service und Gebrauchtwagen anbieten werden.

Laut Renée Werner, Geschäftsführerin des Kfz-Gewerbeverbands in MV, haben im vergangenen Jahr auch schon die VW-Konzernmarken Audi, Skoda und Seat sowie Opel Händlerverträge gekündigt, um sie neu auszuhandeln. „Kein leichtes Jahr für Händler in MV“, klagt Werner. Die betroffenen Händler könnten auch nicht einfach zu einer anderen Marke wechseln. „Funktionieren kann das nur, wenn das Marktsegment annähernd übereinstimmt und der Händler dem Kunden glaubhaft vermitteln kann, warum er das Produkt verändert hat.“

Gewinnspannen werden kleiner

ADAC-Sprecher Christian Hieff bestätigt den Trend in der Branche: „Viele Marken straffen ihre Vertriebskanäle.“ So werde der Internethandel immer wichtiger. „Die Kunden konfigurieren ihr Auto auf der Homepage der Marke und holen es dann direkt im Werk ab. Der Händler bleibt dabei außen vor“, erklärt Hieff. Gerade für kleinere Autohäuser würden auch die Gewinnspannen immer kleiner. „Händler berichten mir, dass sie im Einkauf teilweise mehr für Autos bezahlen müssen als der Endkunde bezahlt, etwa für EU-Importe oder beim Großhändler mit besonderen Konditionen.“

Für viele Händler sei daher inzwischen der Service und der Teileverkauf zum wichtigsten Standbein geworden, sagt Hieff. Hier drohe jedoch durch die E-Mobilität der nächste Einbruch: „Ein sehr wichtiger Posten im Verkauf ist Öl. Das wird bei Elektrofahrzeugen aber nicht mehr gebraucht“, so der ADAC-Sprecher. Auch die immer besseren Assistenzsysteme, wie elektronische Einparkhilfen, machten den Werkstätten zu schaffen. Sie sorgen dafür, dass weniger Unfälle passieren und somit auch weniger Blechschäden repariert werden müssen – gut für den Autofahrer, schlecht für das Autohaus.

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