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MV aktuell Autonome Schiffe und Busse: Dafür braucht Vorpommern schnelles 5G-Netz
Nachrichten MV aktuell Autonome Schiffe und Busse: Dafür braucht Vorpommern schnelles 5G-Netz
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22:17 29.09.2019
Der Telekommunikationskonzern Vodafone hat in Sachsen bereits einen Zug getestet, der über 5G ferngesteuert wird. Quelle: Hendrik Schmidt/dpa
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Greifswald/Stralsund

Vorteil für Vorpommern: Der Osten des Landes plant, beim Ausbau der derzeit schnellsten verfügbaren Handynetz-Technik 5G zum Vorreiter in MV zu werden. Grund ist, dass die Region damit Voraussetzungen schaffen will, um mehrere Modellprojekte zur Weiterentwicklung des autonomen Fahrens auf den Weg zu bringen. Um das Vorhaben möglichst rasch umzusetzen, haben sich die zwei Landkreise Vorpommern-Rügen und Vorpommern-Greifswald gemeinsam zunächst mit konkreten Konzepten an einem entsprechenden Innovationswettbewerb des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur beteiligt.

Glasfasernetz ist Voraussetzung

„Das ist für uns der nächste Schritt nach dem Glasfaserausbau“, sagt Vorpommern-Rügens Landrat Stefan Kerth (SPD). In seinem Landkreis ist das Hochgeschwindigkeitsdatennetz bereits zum Teil in Betrieb. 2020 soll der Ausbau abgeschlossen sein. Nach Angaben eines Sprechers von Verkehrs- und Digitalisierungsminister Andreas Scheuer (CSU) soll im November entschieden sein, welche Idee in der ersten Projektphase mit 100 000 Euro unterstützt wird, um eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben zu können. Bundesweit sollen 50 dieser Projektskizzen gefördert werden. Danach wird entschieden, für welche der Ideen der Bund im Anschluss die Investitionskosten von vier Millionen Euro übernimmt. Ein funktionierendes Glasfasernetz gilt als Voraussetzung für den 5G-Ausbau.

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Die möglichen Millionen will der Landkreis Vorpommern-Rügen in Zusammenarbeit mit der Hochschule Stralsund auch in die Entwicklung eines unbemannten, solarbetriebenen Schiffes stecken, mit dem Menschen zwischen Stralsund und Altefähr pendeln könnten. Stralsunds Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU) verfolgt diese Idee bereits seit Längerem. Außerdem sollen Drohnen mit Wärmebildkameras künftig direkt mit Mähdreschern kommunizieren, um diese rechtzeitig zum Stehen zu bringen, wenn sich Wildtiere im Feld aufhalten.

Vorpommern-Greifswald wolle indes das bereits bestehende Rufbus-System Ilse um autonom fahrende Fahrzeuge ergänzen und auf dem Gelände des Historisch-Technischen Museums Peenemünde ein selbstfahrendes Personen-Shuttle einsetzen, sagt Robert Mandtke vom Amt für Raumordnung und Landesplanung Vorpommern. Der Clou: Die Seitenscheiben des Shuttles sollen aus extrem scharfen Displays bestehen. Mandtke: „Die Fahrgäste sollen so das Gefühl bekommen, zu sehen, wie es früher dort ausgesehen hat, wenn sie während der Fahrt aus dem Fenster schauen.“ Der Landkreis Ludwigslust-Parchim und die Stadt Neubrandenburg haben laut Ministerium ebenfalls Ideen eingereicht. Rostock, als größte Stadt des Landes, sowie die übrigen Kreise nehmen nicht teil.

Schon Merkel hat Vorpommern als Testregion vorgeschlagen

Die Chancen für Vorpommern stehen gut. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte bereits im Sommer 2017 gefordert, den Nordosten zum Testgebiet für Fahrzeuge zu machen, die in Zukunft ohne einen Fahrer am Steuer unterwegs sein sollen. „Wir können sehr gut Testfelder für autonomes Fahren hier im Land entwickeln“, argumentierte sie. Autonomes Fahren müsse nicht nur „auf der A 9, auf bayerischem Territorium“ erprobt werden. Dies könne auch sehr gut in den ländlichen Regionen geschehen.

Problem bisher: In der höchsten Ausbaustufe erfordert das autonome Fahren mehr, als dass Autos selbstständig eine rote Ampel erkennen, im Notfall stoppen oder die richtige Fahrspur erkennen können. „Wichtig sind sehr kurze Latenzzeiten“, sagt der Experte für den Breitbandausbau im Landratsamt von Vorpommern-Rügen, Wolfram Roehl. „Die entscheidende Frage ist, was passiert, wenn zwei Porsche mit 250 km/h aufeinanderzurasen.“ Dann müssten sich beide Fahrzeuge rechtzeitig erkennen und reagieren, was technisch nur mit dem ultraschnellen 5G-Netz möglich sei. Zum Vergleich: Im 5G-Bereich beträgt die Latenzzeit nur noch 0,1 Millisekunden, während sie beim LTE-Standard bei etwa 40 Millisekunden liegt.

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Von Benjamin Fischer