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MV aktuell Bauern und Forstwirte in MV leiden unter Trockenheit: „Futter für Tiere wird knapp“
Nachrichten MV aktuell Bauern und Forstwirte in MV leiden unter Trockenheit: „Futter für Tiere wird knapp“
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20:16 11.07.2019
Ein Traktor zieht auf einem abgeernteten Getreidefeld eine Staubwolke hinter sich her. Quelle: Jens Büttner/ZB/dpa
Rostock

Die wenigen Regenfälle der vergangenen Woche können nicht darüber hinwegtäuschen: In Mecklenburg-Vorpommern ist es immer noch viel zu trocken. „Unterm Strich fehlt überall Regen“, sagt Bettina Schipke, Sprecherin des Bauernverbands MV. Auch Waldbesitzern und Kleingärtnern macht die anhaltende Dürre zu schaffen. Immer wieder brennt es auf Feldern und Wäldern.

„Wir schieben ein Regendefizit von 250 bis 280 Litern pro Quadratmeter vor uns her“, sagt Schipke. „Wenn Sie auf einem Feld ein Loch graben, finden Sie bis auf 1,80 Meter Tiefe trockene Erde.“ Die Pflanzen reagierten bereits, indem sie tiefer wurzeln. „Aber bis in diese Tiefe können sie nicht vordringen“, so Schipke. Die Ergebnisse zeigten sich bereits: „In einigen Regionen wird das Futter für die Tiere knapp“, sagt Schipke. Vor allem der äußerste Landesosten um Penkun und Pasewalk sei betroffen.

Hoffen auf Regen

Die laufende Getreideernte falle trotz der Trockenheit zwar besser aus als im Vorjahr und sei im langjährigen Vergleich immerhin noch durchschnittlich. „Aber Kartoffeln, Mais und Zuckerrüben sind noch mitten im Wachstum. Die Anbauer schauen jeden Tag in den Himmel und hoffen auf Regen“, so die Verbandssprecherin.

Das würde auch die Brandgefahr senken: Auf einem Getreidefeld bei Grammow (Landkreis Rostock) verbrannten am Donnerstag rund 70 Hektar Gerste. Laut Polizei war das Feuer beim Mähen ausgebrochen. Als Brandursache wurde Funkenflug durch Steinschlag im Mähwerk vermutet. Die Bewohner von zwei Höfen mussten in Sicherheit gebracht werden.

Schäden gehen in die Hunderttausende

Damit ereigneten sich innerhalb von 24 Stunden im Nordosten vier Erntebrände, bei denen Schäden in Höhe von rund 150 000 Euro entstanden. Seit Beginn der Getreideernte vor zwei Wochen registrierte die Polizei in MV bisher etwa zehn Feuer auf Kornfeldern, die in einem Fall auch auf einen Wald übergriffen. Dabei wurden ein Mähdrescher, weitere Maschinen und Getreide im Wert von insgesamt rund 600 000 Euro vernichtet. Menschen wurden nicht verletzt.

Am Mittwoch waren bei Stilow nahe Greifswald 25 Hektar Gerste durch Flammen vernichtet worden. Bei Schloen-Dratow an der Seenplatte verbrannte eine 60 000 Euro teure Strohpresse und nahe Bömitz bei Anklam geriet eine Mulchmaschine beim Arbeiten auf einem Stoppelfeld in Brand.

Bewässerung keine Alternative

Das Umweltbundesamt hatte vergangene Woche prognostiziert, dass die deutschen Landwirte angesichts der Trockenheit in Zukunft stärker künstlich bewässern werden. Derzeit werden laut Schipke 2,7 Prozent der Flächen bewässert. In MV könnten etwa Kartoffeln und Rüben von Bewässerung profitieren. Allerdings sei die Wasserentnahme aus dem Grundwasser streng reglementiert. „Grundsätzlich ist es keine Option, zu sagen: ‚Wenn kein Wasser von oben kommt, holen wir es uns von unten.‘“

Verheißungsvoller sei der Ansatz, Sorten zu züchten, die besser mit der Trockenheit zurechtkommen. „Gerade beim Raps ist die Forschung da schon sehr weit“, sagt Schipke.

Großes Buchensterben

Der große Waldbrand bei Lübtheen hat gezeigt, dass die Trockenheit auch im Wald angekommen ist. „Vielfach sieht es sehr traurig aus“, sagt Karl-Joachim von Brandenstein, zweiter Vorsitzender des Waldbesitzerverbands MV. Bei Buchen und Fichten sei die Lage bereits so kritisch, dass sie abzusterben drohen. „Viele Baumkronen sind schon sehr licht. Da kommt noch eine ganz schlimme Welle auf uns zu“, fürchtet von Brandenstein. In Mitteldeutschland gebe es bereits ein großes Buchensterben, das könne durchaus auf MV übergreifen.

Neben den Schäden für die Natur beschere die Trockenheit den Waldbesitzern große finanzielle Probleme, so der Verbandsvize. „Weil so viele Bäume gefällt werden müssen, sind die Preise im Keller. Sie decken teilweise nicht mal die Kosten für das Fällen und Rücken der Bäume.“

Tödliche Gefahr

Eine große Herausforderung sei auch die gesetzliche Verkehrssicherungspflicht: Die Waldbesitzer sind dafür verantwortlich, dass niemand durch herabfallende Äste auf Wanderwegen oder Straßen zu Schaden komme. „Es wäre eine Schande, alle Bäume, die potenziell eine Gefahr darstellen könnten, vorsorglich zu fällen“, sagt von Brandenstein.

Nicht zuletzt sei die angegriffene Baumgesundheit auch eine Gefahr für die Waldarbeiter: „Bei der kleinsten Erschütterung kann jetzt ein trockener Ast abfallen. Wenn der aus 15 Metern Höhe jemandem auf den Kopf fällt, ist das tödlich.“

Nur Blumen und Gemüse bekommen Wasser

Auch die Kleingärtner in MV haben mit der Trockenheit zu kämpfen. „Das Wasser in den Regentonnen ist bei vielen schon lange alle“, sagt Robert Kröger, Vorsitzender des Landesverbands der Gartenfreunde. Immerhin haben die Laubenpieper in ihren Gärten Wasseranschlüsse, aus denen relativ günstiges Brauchwasser kommt. „Aber flächendeckend zu gießen geht nicht, die meisten beschränken sich auf das Gemüse und die Blumen“, sagt Kröger.

Gerade bei größeren Bäumen verzichteten die Kleingärtner eher auf die Ernte, statt sie den ganzen Sommer über zu wässern. „Aber frisch gepflanzte junge Bäume muss ich gießen, sonst gehen sie ein.“ 2018 mussten die Gärtner wegen der Trockenheit im Schnitt etwa 200 Euro mehr für Wasser zahlen als in normalen Jahren, schätzt Kröger.

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