Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
MV aktuell Beach clean up auf Usedom: Mehr als 1500 Schüler räumen auf – ernten aber auch Kritik
Nachrichten MV aktuell Beach clean up auf Usedom: Mehr als 1500 Schüler räumen auf – ernten aber auch Kritik
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:12 17.05.2019
Sie kamen aus Wolgast, um auf Usedom für Sauberkeit zu sorgen: Anna Parlow, Lena Sundhup, Johanna Jürgens und Elly Mondry fanden unter anderem eine Kiste sowie Flasche und Schuhe im Wald. Quelle: Hannes Ewert
Zinnowitz

Das wohl ungewöhnlichste Stück, das am Freitag beim ersten „Beach clean up“ auf Usedom gefunden wurde, schleppten die Studenten Fiedje Moritz, Alex Tank und Jari Fiedler aus Greifswald aus der Natur zum Müll-Sammelpunkt an die Konzertmuschel Zinnowitz: einen großen Holztisch. „Den haben wir im Wald in Richtung Trassenheide gefunden. Wir sind 20 Meter in den Wald hinein und dann lag er dort auf dem Rücken“, sagt Fiedje Moritz. „Daneben lag noch reichlich Müll.“

Da kann man sich eigentlich nur an den Kopf fassen und fragen: „Wer schmeißt denn sowas weg?“ Die viel wichtigere Frage aber war am Freitag: „Wer räumt das wieder weg?“ Antwort: Mehr als 1500 Freiwillige, darunter viele Schüler, Azubis, Politiker und sogar Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD). Sie gehörten wie die tischtragenden Studenten zu den Freiwilligen, die zwischen Karlshagen und Ahlbeck bei der großen Müllsammelaktion „Beach clean up“ für Sauberkeit auf der Insel Usedom sorgten.

Das hinter der Aktion stehende und nicht ganz unumstrittene „Usedom-Projekt“ sorgte in den vergangenen Wochen für reichlich Gesprächsstoff auf der Insel und in den sozialen Netzwerken. Einige monierten den Zeitpunkt des „Clean ups“, andere die Art und Weise der Kommunikation. Touristiker befürchteten, dass Bilder durch die Medien gehen, auf denen Kinder an den Stränden der Insel Usedom – die mit den saubersten Stränden Deutschlands aufwarten kann – Müll sammeln.

Hunderte junge Leute kamen am 17. Mai auf der Insel Usedom zusammen, um gemeinsam nach Müll zu suchen. Sie wollen damit ein Zeichen für die globale Verschmutzung setzen.

Pro Minute eine Lkw-Ladung Müll mehr in den Weltmeeren

Ministerpräsidenten Manuela Schwesig und Umweltminister Till Backhaus (ebenfalls SPD) eröffneten den Tag in Zinnowitz. Beide erklärten, dass es nicht darum gehe, den größten Müllhaufen zu produzieren, sondern ein Zeichen zu setzen gegen die Vermüllung der Umwelt.

Besonders freute sich Schwesig, dass dieses Zeichen von Vorpommern ausgehe und so womöglich in die Welt hinaus getragen werden kann. Backhaus verdeutlichte, dass statistisch gesehen auf der Welt pro Minute die Menge eine Lkw-Ladung voller Müll in die Meere gekippt werde. „12,5 Millionen Tonnen sind dies im Jahr. Das muss ein Ende haben“, sagt er und erntete dafür viel Applaus.

Er machte klar, dass alle Menschen nur Gäste auf dieser Erde seien. „Wir müssen alles dafür tun, dass die nachfolgenden Generationen auch auf dieser Erde leben können.“ Beide Minister sowie Staatssekretär Patrick Dahlemann (SPD) schnappten sich eine Mülltüte und sammelten am Strand Unrat – auch wenn es manchmal „nur“ eine Zigarettenkippe war.

Der am Freitag gesammelte Müll wurde getrennt. Ein Teil davon wird der Forschung übergeben. Marcella Hansch vom Pacific Garbage Screening wird den gesammelten Unrat mitnehmen und untersuchen. „Es handelt sich dabei vor allem um Plastikreste“, so Initiatorin Anika Ziegler, die das Projekt in den vergangenen Monaten vorbereitete.

Prominente Unterstützung bekamen die Teilnehmer von den Seychellen. Tourismusminister Didier Dogley begrüßte die Teilnehmer in Zinnowitz. „Wir merken die Verschmutzung der Meere und Vernichtung der Artenvielfalt auf unseren Inseln. Auf den Seychellen leben wir vom Tourismus – genau wie auf Usedom. Die Existenz der Menschen hängt vom Tourismus ab“, erklärt Dogley. „Wenn das Meer vermüllt und die Schönheit verschwunden sind, kommt keiner mehr. Es geht um das Überleben. Und deshalb ist so eine Aktion sehr wichtig“, erklärt er.

Flug auf die Seychellen

Wie Anika Ziegler am Freitagnachmittag berichtete, gab es die größten Müllansammlungen in Zinnowitz, Zempin und Karlshagen. „Wir haben mit vier jungen Leuten angefangen, diese Aktion zu organisieren. Nun sind es 90 Personen, die daran mitwirken“, bilanzierte Ziegler.

„Die Jugendlichen dieser Zeit haben es erkannt, dass der Müll ein Problem ist. Es geht darum, die Menschen zu sensibilisieren. Es gibt Müllmassen in den Meeren – aber natürlich nicht am Usedomer Strand“, erklärte sie.

In Zukunft soll es weitere Bildungsprojekte von der Gruppe geben. Um was es geht, will Ziegler noch nicht verraten. „Das entscheide nicht ich, sondern die Teilnehmer. Es muss kein Umweltthema sein.“ Im Herbst fliegen die zehn engagiertesten Teilnehmer des „Usedom Projektes“ auf die Seychellen. Dort soll es laut Anika Ziegler Bildungsseminare zum Thema Ökotourismus geben.

Kritische Stimmen aus dem Tourismus

„Ich war nicht dabei, es ist für mich das falsche Signal zur falschen Zeit. Das Engagement junger Menschen ist anerkennenswert, aber die Strände auf Usedom wurden längst überall gründlich tiefengereinigt, da die Saison ja schon begonnen hat“, sagte Heringsdorfs Kurdirektor Thomas Heilmann.

„Außenstehenden vermittelt die Aktion aber den Eindruck, dass es auf der Insel total vermüllte Strände gibt, weshalb hunderte Schüler sammeln. Das ist einfach falsch. Zudem muss deutlich gesagt werden, dass die Gäste hier Kurtaxe bezahlen, und schon mit diesem Obolus ein Anrecht darauf haben, dass der Strand sauber ist“, betonte er. Auch die Gemeinden würden mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen dafür sorgen, dass die Strände sauber sind.

Auch Michel Steuer, Chef der Usedom Tourismus GmbH, bemängelte im Nachgang, dass leider viel Potenzial verschenkt wurde. „Ich finde es gut, dass sich junge Menschen für ein nachhaltiges Projekt einsetzen und darauf achten, dass die Umwelt – in dem Fall – der Strand sauber bleibt. Aber bei diesem Projekt gab es bei der Vorbereitung Defizite in der Kommunikation. Hinweise von Touristikern, besonders der Kurdirektoren, wurden von den Organisatoren leider nicht aufgegriffen“, sagte er.

Hannes Ewert

Katarina Barley, Spitzenkandidatin der SPD für die Europawahl spricht sich für ein Wahlalter ab 16 aus. Die OZ hat die Rostocker gefragt, was sie davon halten.

17.05.2019

Nach dem Mord an der Zinnowitzerin Maria K. legt die Staatsanwaltschaft Stralsund einen Zeitrahmen für die Anklage gegen die beiden mutmaßlichen Täter fest. Die Tatverdächtigen, ein 19- und ein 21-Jähriger, sitzen in U-Haft.

17.05.2019

Der Sieger der mit 2000 Euro dotierten Johannes-Stelling-Auszeichnung soll am 18. Juni im Schweriner Schloss geehrt werden. Festredner ist der Sänger Sebastian Krumbiegel von den „Prinzen“.

17.05.2019