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MV aktuell Minister Backhaus gibt Biber zum Abschuss frei
Nachrichten MV aktuell Minister Backhaus gibt Biber zum Abschuss frei
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15:52 27.03.2019
Am Ufer einer überschwemmten Wiese knabbert ein Biber die Rinde von Weidenästen ab. Quelle: dpa
Anklam

Mecklenburg-Vorpommerns Agrarminister Till Backhaus (SPD) hat Betroffenen bei Biberschäden unter bestimmten Bedingungen schnelle Lösungen in Aussicht gestellt. „Wenn Bahndämme, Straßen oder Wohngebiete gefährdet sind, können Biber auch „entnommen“ werden“, sagte Backhaus am Mittwoch bei einer Diskussion der Wasser- und Bodenverbände zur Biberproblematik in Anklam. Dann greife das Sicherheits- und Ordnungsgesetz.

Fangen oder töten?

Die „Entnahme“ könne durch Fangen oder auch durch Töten geschehen, wie bei Boizenburg, wo eine ICE-Strecke gefährdet war. Backhaus kündigte eine Verordnung an - ähnlich wie in Bayern und Brandenburg - die den Umgang mit Bibern einheitlicher und schneller regeln soll. Zuvor räumte der Minister vor mehr als 60 Gästen ein, dass Biberschäden seit Jahren stark zunehmen. Im Nordosten sei der von der EU angestrebte „gute Erhaltungszustand“ bei den Pflanzenfressern bereits erreicht.

Ihre Zahl sei seit 2002 mit rund 400 Tieren auf jetzt etwa 2700 Biber gestiegen. Besonders betroffen seien die Landkreise Vorpommern-Greifswald, Mecklenburgische Seenplatte und Ludwigslust-Parchim, wo mehr als 80 Prozent der Biber lebten. In Brandenburg gebe es etwa 3000 Biber, jährlich würden 300 „entnommen“. In Bayern sind es laut Backhaus etwa 30 000 dieser Tiere, dort werden etwa zehn Prozent im Jahr „entnommen“.

Überschwemmungen gefährden andere Tierarten

Mehrere Redner kritisierten, dass bei Wasseranstauungen durch die Tiere Anträge bei den Landesumweltämtern viel zu lange dauerten. Mitunter gefährdeten durch Biber verursachte Überschwemmungen andere geschützte Tierarten wie in der Region Uecker-Randow den Brachvogel, der trockene Wiesen braucht. Eine Sprecherin der Deutschen Bahn AG beschrieb einen Fall an der Strecke Lübeck-Pasewalk-Stettin, wo ein Entwässerungsgraben angestaut wurde und der Bahndamm durchfeuchtete. Dort seien bereits 70 000 Euro in den Rückbau investiert worden. Generell fehle in Mecklenburg-Vorpommern eine einheitliche Vorgehensweise bei Biberproblemen.

„Wir Menschen haben die Pflicht, Artenschutz zu betreiben“, sagte Backhaus. „Es hilft dem Artenschutz aber überhaupt nicht, wenn er übertrieben wird.“ Wenn an Bahnlinien Sicherheitsprobleme auftauchten oder wenn Radwege und Straßen überflutet würden, müsse sofort gehandelt werden.

Kommunalpolitiker wie der Bürgermeister von Friedland (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte), Wilfried Block (CDU), befürchten in dem Zusammenhang deutlich steigende Kosten für die Kommunen, die diese an die Grundstückseigentümer weiterreichen müssten. So würden Wiesen überflutet, so dass Landwirte diese nur noch einmal statt bisher dreimal Jahr mähen könnten. Damit sei Bewirtschaftung kaum noch rentabel. So könnten Kommunen bestimmte Flächen nicht mehr verpachten, so dass Einnahmen fehlten.

Schäden werden auf Grundbesitzer umgelegt

Der Geschäftsführer des Wasser- und Bodenverbands „Untere Peene“, Jens Uthoff, schilderte, dass der Verband inzwischen 22 Prozent seiner Instandhaltungsgelder dafür nutze. Dazu gehörten auch zerstörte Deiche. Das werde der Verband auf die Grundbesitzer umlegen müssen. Die Eigentümer fielen aus allen Wolken, wenn sie immer wieder für solche Probleme zahlen sollten, sagte Block.

Winfried Wagner