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MV aktuell Bildungsministerin will wieder Grundschullehrer in Greifswald ausbilden lassen
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08:08 16.10.2019
In Greifswald sollen wieder Grundschullehrer ausgebildet werden. Quelle: Sebastian Gollnow/dpa
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Rostock/Greifswald

Bettina Martin (SPD), die neue Bildungsministerin des Landes, kündigt im Kampf gegen den wachsenden Lehrermangel eine Zäsur an. In Greifswald solle es bald wieder einen Studiengang für Grundschullehrer geben, denn nur so sei das Problem fehlender Lehrkräfte in unteren Klassenstufen im Osten des Landes zu lösen.

„Ich möchte das Grundschullehramt in Greifswald wieder einführen“, erklärt Martin gegenüber der OSTSEE-ZEITUNG. Da derzeit angehende Grundschullehrer zentral in Rostock studieren, sei es schwer, die Absolventen später nach Vorpommern zu lenken. Zu Zeitpunkt und Umfang äußert sie sich noch nicht.

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Uni Greifswald in Sorge um Lehrer-Nachwuchs für Vorpommern

Martins Ankündigung wird überwiegend positiv aufgenommen. „Genau richtig“, reagiert Kay Czerwinski vom Landeselternrat, der wiederholt Mängel an Schulen und bei der Lehrerausbildung anprangerte. „Ein erster und wichtiger Schritt.“

Auch Prof. Steffen Fleßa, Prorektor der Universität Greifwald, begrüßt den Kurswechsel zurück zur Grundschullehrer-Ausbildung im Osten. Die Konzentration in Rostock sei „ein Fehler aus Sicht der Versorgung der Bevölkerung in Vorpommern“ gewesen. Denn viele Studenten suchten ihre Zukunft nach der Ausbildung woanders. „Die Folge: Wir haben einen gravierenden Mangel an Lehrern in Vorpommern, vor allem in den Fächern, die hier an der Universität Greifswald nicht ausgebildet werden“, so Fleßa. Er fordert mit dem neuen Studiengang aber auch entsprechend aufgestockte Ressourcen: finanziell und personell. „Die Studierenden haben ein Recht auf eine ihrem Studienziel zugeschnittene Lehre.“

14.10.2019, Ministerin Bettina Martin im Gespräch mit der OZ. Quelle: Frank Söllner

Der Lehrermangel entpuppt sich zunehmend als zentrales Problem an Schulen in MV. Bis 2030 werden rund 80 Prozent der jetzigen Pädagogen in den Ruhestand gehen. Daher fordern Landeselternrat und Lehrergewerkschaft GEW seit Jahren eine massive Personalaufstockung.

Ministerin Martin kündigt an, verstärkt gegenzusteuern. Das Studium für Grundschullehrer solle inhaltlich auf mehr Didaktik umgestellt, die Lehrer ab 2020 besser bezahlt werden. Sie wolle Regional- und Berufsschulen stärken, so die Ministerin. Nicht jedes Kind müsse das Abitur ablegen, dagegen seien viel mehr Absolventen in Ausbildungsberufen nötig.

Linke: Bildung in MV „das Sparschwein der Nation“

Die Forderungen der Kritiker gehen weiter. Viel mehr Geld müsse in die Bildung fließen, so Czerwinski. Zudem fordere der Landeselternrat klare Definitionen der „räumlichen, inhaltlichen und sächlichen Ausstattung an Schulen“. Simone Oldenburg, Bildungsexpertin der Linken im Landtag, fordert mehr Geld, kleinere Klassen, weniger Stunden je Lehrer. „Seit Jahren ist die Bildung das Sparschwein der Nation.“ Beim Grundschulstudium sollte erst einmal der Numerus Clausus abgeschafft werden. „Wir schicken jedes Jahr 900 Bewerber weg.“

Die GEW plant am Sonnabend Demos in Rostock, Greifswald, Neubrandenburg und Schwerin. Thema: mehr Respekt für den Lehrerberuf. GEW-Landeschef Maik Walm fordert pro Jahr 100 Millionen Euro mehr gegen Personalmangel und die Umsetzung von Inklusion an Schulen. Ein Grundschullehrerstudium in Greifswald sei zu begrüßen, so Walm. „Bis zur Umsetzung ist es aber noch ein langer Weg.“

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