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MV aktuell Billiger als Spürhunde: Sind Bienen bald im Polizeidienst?
Nachrichten MV aktuell Billiger als Spürhunde: Sind Bienen bald im Polizeidienst?
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08:03 10.09.2019
Eine Honigbiene auf der Suche nach Nektar. Ginge es nach der AfD, sollten die Tiere demnächst in Mecklenburg-Vorpommern nach Drogen und Sprengstoff suchen. Quelle: Patrick Pleul/dpa
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Schwerin

Bekommt die Polizei in Mecklenburg-Vorpommern bald summende Unterstützung aus der Luft? In der Schweriner Landespolitik wird ernsthaft diskutiert, ob nicht Bienen beim Aufspüren von Drogen und Sprengstoff helfen sollen. Die Insekten könnten eine „kostengünstige Alternative“ zu Spürhunden darstellen, so Nikolaus Kramer, Innenpolitischer Sprecher der AfD.

Kramer schlägt vor, dass sich der Landtag damit beschäftigt. Das zuständige Innenministerium hält sich bedeckt. Experten weisen die Idee als Quatsch zurück, die Linke reagiert mit Spott. Dabei setzen Sicherheitsbehörden in aller Welt durchaus ungewöhnliche tierische Helfer ein.

Zucker als Belohnung

Auslöser ist ein Artikel in der Zeitschrift der Polizeigewerkschaft GdPeiner Kölner Polizistin und Imkerin, die eine Bachelor-Arbeit über den möglichen Einsatz solcher „Spürbienen“ verfasste. Die Arbeit wurde mit dem Zukunftspreis des europäischen Polizeikongresses ausgezeichnet.

Die Idee: Ähnlich wie Spürhunde ließen sich die Bienen auf bestimmte Stoffe abrichten, wenn sie fürs Finden eine Belohnung bekommen, in diesem Fall eine Zuckerlösung. Denkbar wäre etwa der Einsatz ganzer Völker, um illegale Drogenplantagen zu entdecken.

Bildergalerie: Diese Tiere sind noch im Polizeieinsatz

In Mecklenburg-Vorpommern sorgt ein Vorstoß der AfD, über den Einsatz von Spürbienen bei der Polizei nachzudenken, für Spott. So ungewöhnlich wäre das gar nicht: In anderen Ländern gab schon viele Versuche mit allen möglichen Tieren aus Helfer für die Sicherheitsbehörden.

Oder wie AfD-Mann Kramer vorschlägt, alten Weltkriegssprengstoff im Wald um Lübtheen, wo es Ende Juni zum größten Waldbrand in der Geschichte von MVkam, aufzuspüren. Er will das Thema in den Innenausschuss bringen und Experten für eine Anhörung vorschlagen. MV müsse auf „die Modernisierung seiner Sicherheitsstruktur“ setzen.

Polizei-Gewerkschaft zeigt sich aufgeschlossen

GdP-Landeschef Christian Schumacher zeigt sich zwar grundsätzlich aufgeschlossen, meint aber: „Wir stehen da sicher noch ganz am Anfang.“ Sollte sich der Einsatz als praxistauglich erweisen, müssten zudem noch rechtliche Fragen geklärt werden – zum Beispiel, ob Polizisten eine Hausdurchsuchung durchführen dürfen, nur weil Bienen sich auffällig verhalten haben.

Linke: AfD offenbar von der Biene gestochen

Peter Ritter (Linke) findet dagegen, die AfD sei „offenbar von der Biene gestochen“, weil sei ein derart abseitiges Thema auf die landespolitische Bühne zerrt. Offenbar sollen die Honigsammler als „Hilfspolizisten“ herhalten, „nachdem es mit den 555 zusätzlichen Stellen bei der Polizei und der Reiterstaffel für MV nicht geklappt hat“, so Ritter. Und weil die Bienen nur am Tag fliegen, könnten die im Schweriner Schloss wohnenden Fledermäuse ja auch gleich die Nachtschicht übernehmen.

Experte: Völlig unrealistisch

Als „dummes Zeug“ bezeichnet Professor Werner von der Ohe, angesehener Biologe und Leiter des Instituts für Bienenkunde Celle (Niedersachsen) den Artikel der Kölner Polizistin, der den ganzen Trubel ausgelöst hat. Bienen hätten zwar einen geeigneten Spürsinn. Ganze Völker oder auch Einzeltiere mit gezielten Suchaufgaben zu betrauen, sei praktisch nicht umsetzbar.

„Da ist nichts Realistisches dran“, sagt der Wissenschaftler. Vor ein paar Jahren sorgten ähnliche Überlegungen an einem Londoner Flughafen kurzzeitig Aufsehen, wo Bienen das Gepäck prüfen sollten. „Man hat später nie wieder etwas davon gehört“, sagt von der Ohe.

Lesen Sie auch: Konkurrenz für Kommissar Rex – Wie Ratten und Geier der Polizei helfen können

Bienen-Quiz

Von Gerald Kleine Wördemann

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