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MV aktuell Blaualgen-Teppich in der Ostsee: Droht jetzt ein Badeverbot in MV?
Nachrichten MV aktuell Blaualgen-Teppich in der Ostsee: Droht jetzt ein Badeverbot in MV?
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11:05 25.07.2019
Blaualgen in der Ostsee Quelle: mv regierung
Rostock/Schwerin

Droht in Mecklenburg-Vorpommern zeitnah ein Badeverbot? Das Landwirtschaftsministerium informiert über eine starke Konzentration an Blaualgenblüten in der Ostsee.

Noch konzentriert sich der zum Teil gesundheitsgefährdende „Blaualgenteppich“ allerdings auf die zentrale Ostsee vor den Küsten Dänemarks und Schwedens. Wind könnte dazu führen, dass der grün-bläuliche „Teppich“ auch an die Küsten MVs treiben könnte.

Situation kann sich stündlich verändern

„Mit Stand von heute liegen uns keine Meldungen über ‚Blaualgenteppiche‘ an der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns vor“, beruhigt Martina Littmann, Abteilungsleiterin im Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus). Die Konzentration der Cyanobakterien im Badegewässer sei stark wind- und wetterabhängig, innerhalb weniger Stunden könne sich die Situation verändern. „Da derzeit keine Teppiche vorliegen, werden momentan durch die zuständigen regionalen Gesundheitsämter keine Badeverbote ausgesprochen. Wenn die Ämter ein Vorliegen mit entsprechender Gesundheitsgefährdung erkennen, würde eine Warnung an die Badegäste und eine intensivierte Überwachung an dieser Badestelle erfolgen“, so Littmann.

Wind spielt große Rolle

Blaualgen sind Bakterien und verbreiten sich durch Zellteilung“, erklärt Dr. Norbert Wasmund vom Leibniz-Institut für Ostseeforschung (IOW) in Warnemünde. „Das kann sehr schnell gehen. Phosphor im Wasser, aber auch Licht und hohe Temperaturen begünstigen die Vermehrung.“

Die blütenbildenden Cyanobakterien würden Gasbläschen in ihren Zellen besitzen, die ihnen Auftrieb verleihen, so dass sie bei ruhiger See zur Oberfläche auftreiben. „Dort konzentriert sich die Masse und kann zu dicken Algenteppichen verklumpen. Durch Wind und Strömungen wird der Algenfilm auf der Wasseroberfläche unter anderem an die Küsten getrieben“, erklärt der Experte. Die Blaualgenteppiche seien für die schwedische Ostseeküste typisch, vor allem um Öland und Gotland. Eine Prognose, ob sich der Algenteppich weiter nach MV verbreitet, gibt es nicht. „Das hängt von der Wetterprognose ab. Dafür bräuchte man mäßige Nord-Ost-Winde und die sind doch eher selten. Bei starkem Wind werden die Blaualgen in der Wassersäule verteilt und die Teppiche verschwinden“, so Wasmund.

„Die Betroffenheit der Küsten Mecklenburg-Vorpommerns von der diesjährigen Blaualgen-Blüte hängt somit von der weiteren Entwicklung der sommerlichen Witterungsverhältnisse in den kommenden Wochen ab“, bestätigt auch das Landwirtschaftsministerium.

Blaualgen: Das ist zu beachten

In geringer Konzentrationsind die Toxine der Blaualge nach Angaben des Leibnitz-Instituts für Ostseeforschung Warnemünde für gesunde Menschen ungefährlich. Sobald sich die Bakterien an windstillen Tagen erhöhen, kann eine Berührung allerdings zu Hautreizungen führen.

Besonders geschwächte Menschen und Kinder sollten sich vom belasteten Wasser fernhalten. Schon kleine Mengen können zu Krankheiten führen. Das Landesamt für Gesundheit und Soziales rät, Kinder aus diesem Grund auch nicht im Spülsaum spielen zu lassen. Außerdem wird auf die allgemeine Unfallgefahr durch die – vom Blaualgenteppich verursachte – eingeschränkte Sicht hingewiesen.

Bei Tieren, die mit den Toxinen angereichertes Wasser getrunken haben, sei es nach Angaben des Instituts in der Vergangenheit wiederholt zu Todesfällen gekommen. Bekannt sei dies von Rindern, Hunden und Enten.

Die schwedische Gesundheitsbehörde rät aktuell außerdem vom Baden in betroffenen Bereichen ab. Bei Kontakt mit dem Wasser sollen sich Betroffene gründlich abduschen, bei Augenbeschwerden auch die Augen gründlich waschen. Das Wasser dürfe keinesfalls getrunken werden – auch nicht abgekocht.

Cyanobakterien können Gesundheitsrisiko darstellen

Die „Blaualge“ ist nicht zu verwechseln mit anderen Algen oder Seegras. „Blatt- oder fadenförmige Makroalgen sowie Seegras kann man anfassen“, sagt Wasmund vom IOW. „Blaualgen hingegen sind mikroskopisch klein und erst mit bloßem Auge sichtbar, wenn sie sich zu schleimigen Gebilden zusammenschließen. Wenn sie in großer Menge vorkommen, treten sie als Blaualgenblüten in Erscheinung.“ Wie schädlich diese sind, hänge von ihrer Konzentration ab. Eine „dicke Suppe“ an Blaualgen auf der Ostsee führe aber bei vielen schon zu Ekel.

Cyanobakterien sind nach Angaben des Lagus durch eine eingeschränkte Sichttiefe und eine bläulich-grüne Trübung des Wassers mit Schlierenbildung geprägt. Das Badevergnügen werde jedoch nicht nur aus ästhetischer Sicht beeinflusst. Durch die Bakterien können sich Toxine bilden, die leichte, vorübergehende Schleimhautreizungen hervorrufen. Durch Verschlucken großer Wassermengen ist das Auftreten von Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Fieber möglich. „Vermeiden Sie den Aufenthalt in Bereichen mit sichtbaren Massenentwicklungen“, lautet die allgemeine Warnung des Amtes.

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