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MV aktuell Jagd auf Raser in MV: Minister fordert Ende von Billig-Bußgeldern
Nachrichten MV aktuell Jagd auf Raser in MV: Minister fordert Ende von Billig-Bußgeldern
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09:31 10.04.2019
Augen des Gesetzes: Die Polizisten Dirk Albrecht und Stefanie Schulz bei der Arbeit im Rostocker Überseehafen. Quelle: Frank Hormann / nordlicht
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Rostock

Dienstagnachmittag im Überseehafen Rostock. Beim Kranhersteller Liebherr ist Schichtende. Hunderte Mitarbeiter steigen in ihre Autos und wollen nach Hause. Für manche endet die Fahrt hinter der nächsten Ecke. Die Polizei kontrolliert an der zentralen Hafenstraße die Geschwindigkeit. Bei einem grauen Skoda geht die Kelle hoch. 46 Stundenkilometer in der Tempo-30-Zone. Das macht nach Abzug der Toleranz 25 Euro Bußgeld. „Klar ist das ärgerlich“, sagt der Fahrer, als er auf dem Parkplatz steht, auf dem die Polizisten ihre „Kunden versorgen“. Der 67-jährige Skodafahrer bleibt trotzdem fröhlich und lacht viel. Er arbeite nicht bei Liebherr, sondern am andere Ende des Hafens. Und da müsse er jetzt eigentlich schnell hin. Was er von solchen Kontrollen hält? „Dazu sage ich jetzt nichts“, erklärt der Mann, noch immer fröhlich.

Die Wahrscheinlichkeit, als Autofahrer eine ähnliche Situation zu erleben, ist in diesen Tagen besonders hoch. Im Rahmen des landesweiten Aktionsprogramms „Fahren.Ankommen.Leben!“, das jeden Monat einen anderen Schwerpunkt hat, ist im April überhöhtes Tempo an der Reihe. „Zu hohe Geschwindigkeit ist bei den Unfallursachen immer ganz vorne dabei“, sagt Sprecher Michael Teich vom Schweriner Innenministerium. Die Polizei setzt auf Anhaltekontrollen statt dem reinen Blitzen mit Bußgeldverfahren auf dem Postweg. Die Idee dahinter: Der Erziehungseffekt ist größer, wenn die Raser sofort mit ihrem Fehler konfrontiert werden. Landesverkehrsminister Christian Pegel (SPD) bezweifelt allerdings, dass Bußgelder von 15 oder 25 Euro ausreichen, um bei notorischen Raser eine Verhaltensänderung zu bewirken.

Bilder von den Polizeikontrollen im Blitzer-Monat April in MV

Der Ärger ist dennoch groß, jedenfalls auf den Gesichtern der Ertappten auf dem Parkplatz. Viele Frauen sind dabei. „Das ist oft so“, sagt Polizeihauptmeisterin Stefanie Schulz (32), die eines der beiden Lasermessgeräte bedient. Eine Frauen-Quote hat sie noch nie ausgerechnet. Aber sie hat manchmal den Eindruck, Frauen würden mehr rasen. „Vielleicht, weil sie mehr Stress haben: Kinder abholen, einkaufen, arbeiten.“ Nach zwei Stunden haben Schulz und ihre 13 Kollegen insgesamt 22 Geschwindigkeitsverstöße dokumentiert. Vier Fahrern droht ein Fahrverbot, beim schnellsten zeigte das Messgerät 74 Km/h, 44 mehr als erlaubt. Die Beamten sind extra für diesen Einsatz von ihren Dienststellen – Schutzpolizei, Bereitschaftspolizei, Wasserschutzpolizei – abgezogen worden.

Es geht nicht um Schikane oder Abkassieren, betont Polizeihauptkommissar Klaus Fricke (50). „Wir machen das nicht aus fiskalischen Gründen, sondern für die Sicherheit.“ Erst vor einer Woche wurde ein Bahn-Mitarbeiter schwer von einem Auto verletzt, als er an einem der vielen Bahnübergänge im Überseehafen einen rangierenden Zug einwies. Dichter Verkehr, darunter viele Lkw, rollt die vierspurige Straßen entlang, ein großer Teil schert sich nicht um das Tempolimit.

Im Vergleich zu anderen Ländern haben sie nicht allzu viel zu befürchten. In der Schweiz wäre dem fröhlichen Skoda-Fahrer das Lachen wahrscheinlich vergangen, dort hätte er statt 25 Euro umgerechnet 221 Euro zahlen müssen. Ab 50 Sachen zuviel auf der Uhr droht eine einjährige Haftstrafe. Landesverkehrsminister Pegel (SPD), fordert, dass hartnäckige Verkehrsrowdys auch hier zu Lande gerne stärker ins Gebet genommen werden können: „Diese Tätergruppe braucht schmerzhafte Sanktionen – bis hin zu schneller greifenden Fahrverboten“, sagt Pegel. 15-Euro-Bußgelder würden „mit einem Lächeln eingepreist“. Der Druck auf den Bund nimmt zu, für strengere Gesetze zu sorgen. Vergangene Woche erneuerten die Verkehrsministerkonferenz ihre Forderung vom Oktober, den Bußgeldkatalog anzupassen. Verstöße mit besonders hohem Gefährdungspotenzial – dazu zählen neben Rasen auch Drängeln, Fahren mit Handy oder unter Alkohol sowie das sogenannte Auto-Posing – Angeben durch laute Flanierfahrten mit viel unnötigem Gasgeben im teuren Luxusauto.

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