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MV aktuell Felder mit Astern und Gladiolen locken Selbstpflücker in MV an
Nachrichten MV aktuell Felder mit Astern und Gladiolen locken Selbstpflücker in MV an
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09:58 11.09.2019
Aloys Tacke (52), Landwirt aus Neu Schlagsdorf bei Schwerin und Inhaber von sechs Blumenfeldern in MV, sitzt zwischen den Astern in seinem Feld am Schutower Kreuz in Rostock. Quelle: Frank Söllner
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Rostock

Wenn die Liebe beginnt, sind Blumen im Spiel. Und wenn die Liebe endet, ist’s auch vorbei mit der bunten Herrlichkeit. Schon Hilde Knef wusste: „Für dich soll’s rote Rosen regnen!“ Und Barbra Streisand schmatzte Neil Diamond an: „And You don’t bring me flowers anymore.“ Sprecht die Sprache der Blumen und ihr werdet Lächeln und Liebe ernten – aber nicht nur zum Valentins- oder Muttertag. Das „Kiss from a rose“ (Seal) sollte ganzjährig gelten.

„Ganz in Weiß mit einem Blumenstrauß. So siehst du in meinen schönsten Träumen aus“ (Roy Black)

Fast das ganze Jahr über kann man sich da auch am Straßenrand bedienen. Und wem die wilde blaue Kornblume im Acker nicht genügt, der sollte die Augen offen halten. Denn am Straßenrand von Mecklenburg-Vorpommern gibt’s sie allerorten – die Blumenfelder zum Selberpflücken. Nicht mehr mit Vertrauenskasse – sowas funktioniert leider nur noch in Skandinavien und Südfrankreich, sagen Betreiber solcher Felder. In Deutschland hat die Geiz-ist-Geil-Mentalität leider längst so weit Durchmarsch gehalten, dass sogar Blumenbauern betuppt werden.

„Vielen Dank für die Blumen“ (Udo Jürgens)

Aloys Tacke (52), Landwirt aus Neu Schlagsdorf am Schweriner Außensee, lebt seit elf Jahren von dieser Geschäftsidee. Sechs Felder mit Blumen zum Selberpflücken bewirtschaften Tacke und seine Frau Heike in Mecklenburg-Vorpommern auf gut zwölf Hektar.

Bildergalerie: So schön sind die Blumen auf Tackes Feld

Sechs Blumenfelder betreibt der Landwirt Aloys Tacke aus Groß Schlagsdorf am Schweriner Außensee in MV. Der 52-Jährige baut Tulpen, Narzissen, Astern, Dahlien, Gladiolen, Lilien, Sonnenblumen, Gebera oder Zinnien auf den zwei bis 3,5 Hektar großen Feldern an. Für Besucher, die zufällig vorbeikommen und Stammkunden auch immer ein Event: Das Selberpflücken.

Er sagt: „Der Anbau von Freilandblumen auf großen Flächen hat in Norddeutschland noch keine lange Tradition. Um in dieser Region Blumenfelder anzulegen und zu betreiben sowie den Böden und klimatischen Bedingungen gerecht zu werden, bedarf es fundierten Fachwissens und sorgfältiger Planungen. Unser Familienbetrieb widmet sich dieser Aufgabe seit 1998.“ Der Landwirt stammt aus einem Dorf vor den Toren Papenburgs, seine Frau Heike aus Wismar.

„Ich ess’ Blumen, denn Tiere tun mir leid.“ (Die Ärzte)

In Neu Schlagsdorf bauen sie auch Getreide an. Doch das Herz hängt an den Blumen. Tacke sagt: „Ich bin auf einem Hof im Emsland mit Blumen aufgewachsen. Blumen gehören seit meiner Kindheit zu meinem Leben. Das fing damit an, dass ich immer die Gladiolen aus dem Keller holen musste, was ich als Junge nicht so gemocht habe.“ Auch seine Ehefrau Heike sei auf einem Hof mit Blumen aufgewachsen. Jetzt leben und lieben sie beide mit und von den Blumen.

„Sah ein Knab’ ein Röslein stehn, Röslein auf der Heiden.“ (Goethe)

Das geht Anfang April mit Tulpen und Narzissen los. Dann folgen über den Sommer Pfingstrosen, Sonnenblumen, Gladiolen, Dahlien, Astern. Die Lücke im Sommer schließen die Lilien. Auch Gerbera oder Zinnien stehen auf den Feldern. Bis in den Oktober hinein werden die Blumenfelder am Schutower Kreuz in Rostock, am Viereggenhof in Wismar, in Cambs und Pinnow am Schweriner Außensee nahe der A 14, in Dreenkrögen bei Wöbbelin an der A 24 und in Güstrow am Krankenhaus bewirtschaftet. Der beste Tag, sagt Tacke, sei natürlich der Sonnabend vor Muttertag. Aber Verliebte, ganze Familien mit Kindern und sehr viele ältere Menschen würden auch kommen und das Selberpflücken als Event begreifen.

„Rosenrot, oh Rosenrot. Tiefe Wasser sind nicht still.“ (Rammstein)

Anne (38), Ärztin aus Schwerin, besucht ihre Familie in Rostock. Vorher macht sie noch schnell einen Ausflug zum Blumenfeld am Schutower Kreuz vis-à-vis des Baumarkts und schneidet sich ein paar Sonnenblumen: „Meine Lieblingsblumen! Die gibt’s jetzt als Willkommens-Präsent. Letztes Jahr sind wir mit den Kindern kurz vor Muttertag hier gewesen und jedes Kind durfte sich einen eigenen Strauß selbst pflücken.“ Da standen die Tulpen in all ihrer Pracht. Noch heute würden die Kinder im Auto laut rufen, wenn sie ein Blumenfeld im Vorbeifahren sehen: „Mama, Blumen pflücken!“

„In the streets of San Francisco. Gentle people with flowers in their hair.“ (Scott McKenzie)

Aloys Tacke lächelt. Es sei halt was anderes, auf dem Tisch selbst gepflückte Blumen stehen zu haben. Etwas Besonderes, das das Herz erfreut. Und ein Stück weit Entschleunigung im hektischen Alltag. Anhalten, aussteigen, ein paar Schritte machen, selbst entscheiden, welche Blume man wählt, und selbst abschneiden. Vielen Dank für die Blumen, kann man dann mit Udo Jürgens zu sich selbst sagen. Und schon ist das Lächeln im Gesicht.

„Für mich soll’s rote Rosen regnen“ (Hilde Knef)

Aloys Tacke liebt die Pfingstrosen: „An Rosen trau’ ich mich noch nicht ran. Die Gladiolen sind schon aufwendig genug. Aber dafür haben wir Pfingstrosen. Wenn die blühen – eine Pracht ist das. Ich bin halt Blumenliebhaber.“ Seine Frau ist nicht so der ganz große Lilien-Fan und Anne, die Ärztin, mag keine Gladiolen, die bei Tacke zur Zeit total angesagt seien. Das aber würden die spontanen Menschen wollen, die das Blumenfeld im Vorbeifahren entdecken. Das Gesicht der stolzen Gladiole lockt halt Kunden an. Aber bei Blumen gilt: Es gibt keine Wahrheit, jeder hat recht. Erlaubt ist, was gefällt. „Rosen sind stärker, sind Retter in der Not“, wusste schon Roger Whittaker. Aber Tulpen müssen nun wirklich nicht immer aus Amsterdam sein.

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