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MV aktuell In MV wird immer mehr Feuerwerk verkauft
Nachrichten MV aktuell In MV wird immer mehr Feuerwerk verkauft
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12:38 29.12.2018
Seit Freitag wieder in den Läden: Silvesterfeuerwerk. Die Böller-Branche erwartet einen Umsatz in dreistelliger Millionenhöhe. Quelle: DPA
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Rostock

Funkenflug, Hurrican und Dr. Pyro – seit Freitag darf Silvesterfeuerwerk auch in Mecklenburg-Vorpommern wieder verkauft werden. Discounter, Kaufhäuser und Baumärkte locken mit bunten Angeboten in die Läden: von Heulern, Pfeiffen und Fontänen über das Raketenset bis hin zur Riesen-Batterie mit 150 und mehr Schüssen. „Die Nachfrage nach Feuerwerk nimmt weiter zu“, sagt der Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbands Nord, Dierk Böckenholt. Bundesweit erwartet die Böller-Branche in diesem Jahr einen Umsatz in dreistelliger Millionenhöhe.

Trend Batterie-Feuerwerk

„Der Trend geht in Richtung höherwertige und kleine Batterien“, sagt eine Sprecherin der Discounterkette Netto mit Sitz in Stavenhagen (Kreis Mecklenburgische Seenplatte). Das Unternehmen, das in MV 113 Märkte betreibt, biete viel farbiges Feuerwerk an. „Die Kunden lieben es bunt“, so die Sprecherin. Am häufigsten würden Raketen nachgefragt. Und für die Silvesterfeiern kauften viele Kunden bei dem Discounter Lebensmittel wie Salate, Hackfleisch, Snacks und alkoholische Getränke.

Als ein „herausragendes Geschäft“ bezeichnet Dieter Deike, Prokurist des Unternehmens Kaufhaus Stolz (19 Standorte in MV), den Silvesterverkauf. Verkaufsschlager seien Batterien und Raketen. Deutlich nachgelassen habe die Nachfrage nach den früher beliebten Chinaböllern.

Verletzungen durch falsche Anwendung

Experten mahnen unterdessen den vorsichtigen Umgang mit Feuerwerk an. Bis zu 500 Gramm Explosivstoff könnten legale Feuerwerkskörper enthalten, teilt das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus) mit. „Wird so eine Batterie erst einmal gezündet, ist sie nicht mehr zu stoppen“, heißt es. Durch Leichtsinn oder falsche Anwendung könne es zu Augenverletzungen, Verbrennungen oder Verstümmelungen kommen.

Polizei rät zum besonnen Umgang mit Böllern

Mit Beginndes Feuerwerksverkaufs am heutigen Freitag rät die Polizei zum besonnenen und sorgsamen Umgang mit Böllern, Raketen und Batteriefeuerwerken. Das Abbrennen von Pyrotechnik der Klasse 2 (Raketen, Böller) ist nur am 31. Dezember und 1. Januar gestattet. Mit besonderer Vorsicht sollten Feuerwerkskörper gezündet werden, wenn sich Menschen oder leicht entzündliche Materialien (z. B. Reetdächer) in der Nähe befinden. Zudem sollten in der Silvesternacht Fenster geschlossen bleiben.

Das gilt insbesondere für illegales Feuerwerk. Fachleute warnen vor der hohen Sprengkraft der sogenannten Polenböller. Diese Böller enthielten häufig einen Blitzknallsatz, der wegen seiner chemischen Zusammensetzung sehr viel stärker reagiere, teilt die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) mit. Es drohten schwere oder gar tödliche Verletzungen. Die BAM rät zum Kauf der Feuerwerkskörper „in vertrauenswürdigen Läden“ in Deutschland.

Polizei findet illegale Böller

Dennoch wird immer wieder versucht, illegale Böller über die Grenzen zu bringen. Vor einigen Tagen schnappte die Polizei auf Usedom eine 35-jährige Frau, die in ihrem Auto 40 Polenböller dabeihatte. Und am Donnerstag fanden Beamte in der Nähe von Löcknitz (Vorpommern-Greifswald) bei einem 32-jährigen Mann aus Bremen diverse illegale Feuerwerkskörper.

Nach dem Verkaufsstart am Freitag meldete die Polizei in MV bereits erste Sachbeschädigungen. „Ewig Unbelehrbare“ würden immer wieder Böller in Briefkästen, Müllcontainern oder Hausfluren explodieren lassen. So seien am Freitag etwa vier Briefkästen in Polzow (Vorpommern-Greifswald) „zu Bruch gegangen“.

Keine Feuerwerk-Verbote in MV

Mehrere deutsche Städten haben für dieses Silvester Sperrzonen eingerichtet, in denen kein Feuerwerk abgebrannt werden darf. So gibt es in Düsseldorf in der Altstadt ein Böller-Verbot, in Köln rund um den Dom, in Hannover in Teilen der Innenstadt. Die pyrofreien Zonen wurden u.a. eingerichtet, weil es im vergangenen Jahr zu Böller-Angriffen auf Feiernde und Einsatzkräfte kam.

Bei einer Umfrage des Instituts Civey sprachen sich knapp 60 Prozent der Befragten für ein Böller-Verbot in dicht besiedelten Umgebungen aus. 41 Prozent halten dies demnach „auf jeden Fall“ für angebracht. An der Umfrage von 17 bis zum 24. Dezember nahmen mehr als zehntausend Menschen teil.

Kommunen von MV haben noch keine generellen Böller-Verbote erlassen. Es gibt aber Einschränkungen. So ist in Rostock beim Feuerwerk ein Abstand von mindestens 200 Metern zu stroh- oder reetgedeckten Gebäuden sowie Tankstellen einzuhalten. Zumindest feuerwerksfreie Strandabschnitte wollen die Kaiserbäder auf der Insel Usedom einrichten. In Greifswald stellen die Feuerwehren in Wieck und Riemserort zusätzliche Brandwachen bereit.

Bäume statt Böller

Unter dem Motto „Bäume statt Böller“ werben unterdessen der Tourismusverband und die Grüne Liga für den Kauf von Waldaktien – statt viel Geld für Pyrotechnik auszugeben. „Wer zwanzig Euro seines Budgets in zwei Waldaktien investiert, tut etwas Gutes für die Umwelt, indem er Müllberge, Lärm und den Ausstoß von Kohlendioxid reduziert“, heißt es.

Axel Meyer