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MV aktuell Boizenburger soll Töchter missbraucht haben: Sechs Jahre Haft beantragt
Nachrichten MV aktuell Boizenburger soll Töchter missbraucht haben: Sechs Jahre Haft beantragt
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16:04 05.03.2019
Am Landgericht Schwerin muss sich ein 52 Jahre alter Mann aus Boizenburg wegen schweren sexuellen Missbrauchs seiner Töchter verantworten.
Am Landgericht Schwerin muss sich ein 52 Jahre alter Mann aus Boizenburg wegen schweren sexuellen Missbrauchs seiner Töchter verantworten. Quelle: Jens Büttner/dpa
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Schwerin

Wegen sexuellen Kindesmissbrauchs hat die Staatsanwaltschaft Schwerin für einen 53 Jahre alten Angeklagten sechs Jahre Gefängnis beantragt. In dem Prozess am Landgericht Schwerin wird dem Handwerker aus Boizenburg vorgeworfen, sich an seinen beiden Töchtern während ihrer Kindheit vielfach vergangen zu haben. Der Verteidiger des Angeklagten beantragte am Dienstag nach eigenen Angaben Freispruch. Da einige Zeugen unter Ausschluss der Öffentlichkeit vernommen worden waren, wurden auch die Plädoyers nicht öffentlich gehalten.

Gutachter erheben Zweifel an Aussagen der Frauen

Nach Auffassung des Verteidiger wurden den beiden inzwischen erwachsenen Frauen die angeblichen Übergriffe des Vaters von einer Heilpraktikerin und beim Besuch von Selbsthilfegruppen suggeriert, obwohl sie nicht stattgefunden hätten. Ein Gutachter hatte während des Prozesses Zweifel an den Aussagen der Frauen geäußert. Eine Gutachterin hingegen hielt die Angaben für glaubhaft.

Eine Tochter wollte Selbstmord begehen

Die beiden Töchter hatten ihren Vater 2012 angezeigt, nachdem eine der beiden Selbstmord begehen wollte. Ihren Aussagen bei der Polizei und während des Prozesses zufolge begann der mutmaßliche Missbrauch 1996, als die ältere Tochter neun Jahre alt war, und hielt bis 2002 an. Der Angeklagte habe den kleinen Mädchen gesagt, dass es normal sei, wenn er Sex mit ihnen habe, hieß es in der Anklage der Staatsanwaltschaft. Demnach fand der Missbrauch im elterlichen Haus, im Gartenschuppen und auch im Wohnmobil auf einer Ferienreise statt.

Urteil nächste Woche erwartet

Eine Gutachterin schätzte die Aussagen trotz mancher Widersprüche als glaubhaft ein. Der Verteidiger hingegen stützte seinen Antrag auf Freispruch auf die Expertise eines weiteren Gutachters. Er wollte nicht ausschließen, dass den Töchtern die Übergriffe eingeredet werden konnten, weil sie auf der Suche nach einer Erklärung für psychische Probleme waren, die nichts mit sexuellen Übergriffen zu tun haben müssen. Das Urteil in dem seit Juni 2018 laufenden Prozess soll am Donnerstag in einer Woche verkündet werden.

Birgit Sander