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MV aktuell Brandanschlag vor Stralsunder Polizeistation: Was war das Motiv der Täter?
Nachrichten MV aktuell Brandanschlag vor Stralsunder Polizeistation: Was war das Motiv der Täter?
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16:23 26.11.2019
Die Stralsunder Feuerwehr löschte die Flammen. Verletzt wurde niemand. Quelle: Polizei
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Stralsund

Nach dem Brandanschlag auf fünf Autos vor der Stralsunder Polizei ist die Entrüstung groß. Innenminister Lorenz Caffier (CDU) hat den Brandanschlag auf die Fahrzeuge scharf verurteilt: „Fassungslos und widerlich. Was kommt als nächstes? Und was hätte da noch alles in der Stralsunder Altstadt in Brand geraten können“, kommentiert der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Christian Schumacher, den Vorfall.

„Dass man als Polizist immer mehr zum Freiwild wird, scheint für viele normal zu sein. Ich kann und will das nicht akzeptieren. Die Polizei, ihre Beschäftigten und ihre Familien sind endlich wirksam vor Angriffen zu schützen und bei Angriffen angemessen zu entschädigen“, fordert er.

Auch Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU) zeigte sich fassungslos, dankte aber zunächst „den Kameraden unserer Feuerwehr, dass sie den Brand so schnell gelöscht haben. Ich bin schockiert. So was machen Stralsunder nicht. Das passt nicht zu unserer Hansestadt. Unsere Polizei macht einen super Job. Darum gehe ich davon aus, dass der oder die Täter schnell gefasst und zur Rechenschaft gezogen werden.“

In der Nacht zu Mittwoch gegen 4.40 Uhr haben Unbekannte vor dem Stralsunder Polizeihauptrevier in der Böttcherstraße mit mehreren Brandsätzen drei Fahrzeuge angesteckt. An einem Privatwagen eines Polizisten entstand ein Schaden in Höhe von 25 000 Euro. Ein weiteres Privatfahrzeug sowie ein Streifenwagen trugen Schäden in Höhe von je 5000 Euro davon. Täter wurden bislang nicht ermittelt. Ein Abschleppdienst transportierte am Morgen die beschädigten Fahrzeuge ab.

Zwei der angezündeten Autos gehören Polizisten. Auch auf einen Streifenwagen wurde ein Anschlag verübt. Gesamtschaden: 40 000 Euro.

Innenminister verurteilt die Tat

„Diese niederträchtige Tat richtet sich ganz offensichtlich gegen die Landespolizei und damit auch gegen unseren Rechtsstaat. Diejenigen, die für die Sicherheit unserer Bürgerinnen und Bürger eintreten, wurden zum Ziel eines hinterhältigen Angriffs“, empört sich Innenminister Lorenz Caffier (CDU). „Hier sind Grenzen überschritten worden. Wir können von Glück reden, dass niemand verletzt wurde. Jetzt gilt es, alle Beweise zu sammeln und durch eine professionelle Ermittlungsarbeit die Täter zu überführen.“

Brandanschläge auf Fahrzeuge sind in Mecklenburg-Vorpommern allgemein und in Stralsund im Speziellen vergleichsweise selten. Jüngst sind in Güstrow (Landkreis Rostock) mehrere Privatfahrzeuge mutmaßlich durch Brandstiftung beschädigt worden. Vermutet wird, dass in der Barlachstadt ein Serientäter am Werk ist. In der Stadt am Sund brannte vor fast genau zwei Jahren ein Fahrzeug am Busbahnhof. Durch die Flammen wurde auch ein daneben stehendes Fahrzeug stark beschädigt.

Polizei bittet um Hinweise

Im Oktober 2015 steckten Unbekannte am Rande einer Demonstration der fremdenfeindlichen Gruppe MV Patrioten in Stralsund zehn Fahrzeuge in Brand. Ein politischer Hintergrund galt als wahrscheinlich.

Es war nicht die erste Brandattacke auf Polizeiwagen im Nordosten. Wie eine Sprecherin in Rostock erklärte, gab es 2016 im Stadtteil Lichtenhagen eine ähnliche Brandattacke und eine weitere vor längerer Zeit im Stadtteil Reutershagen. Dabei waren in Reutershagen Autos von Beamten auf dem Gelände einer Dienststelle angegriffen worden, die zuvor bei der Absicherung eines NPD-Fackelmarsches in Demmin im Einsatz waren.

Welches Motiv im aktuellen Fall ausschlaggebend war, soll die Arbeit einer eigens gebildeten Ermittlungsgruppe ergeben: Beamte des Staatsschutzes, der Kriminalpolizeiinspektion Anklam und des Kriminalkommissariats Stralsund arbeiten darin zusammen. Wer Angaben zu dem jüngsten Brandanschlag machen kann, wendet sich bitte an das Polizeihauptrevier Stralsund unter Telefon 03831/28900, die Internetwache der Landespolizei MV unter www.polizei.mvnet.de oder jede andere Polizeidienststelle.

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