Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
MV aktuell Bildungsministerin Karliczek fordert: Beruf des Lehrers stärker würdigen
Nachrichten MV aktuell Bildungsministerin Karliczek fordert: Beruf des Lehrers stärker würdigen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:31 27.02.2019
Bundesbildungs- und Forschungsministerin Anja Karliczek zu Gast bei der OZ. Quelle: Dietmar Lilienthal
Anzeige
Rostock/Greifswald

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) hat im Rahmen ihrer Reise durch die Bundesländer in Greifswald den Fusionsreaktor Wendelstein 7-X besichtigt. Zudem überreichte sie der Greifswalder Universität für die Gründung des neuen Interdisziplinären Forschungszentrum Ostseeraum (IFZO) einen Fördermittelbescheid über 1,35 Millionen Euro. Das Geld soll in einer zweijährigen Konzeptphase den Aufbau der Einrichtung an der Hochschule unterstützen. Die OSTSEE-ZEITUNG hatte während des Besuchs in MV die Gelegenheit zu einem Gespräch mit Anja Karliczek.

Frau Ministerin, haben Sie uns 5G-Mobilfunk für jede Milchkanne mitgebracht?

Karliczek: Die große Diskussion wird zurzeit ja um die weißen Flecken geführt. Und dabei hat die Bundesregierung erstmal angekündigt, 4G flächendeckend einzuführen – und zwar zügig und für alle. Danach kommt dann 5G. Die Versteigerung der Frequenzen beginnt im März. 

MVs Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und auch Rheinland-Pfalz wollen im Bundesrat noch erreichen, dass 5G doch für alle kommen wird. Ist das realistisch?

Natürlich haben wir den Anspruch, auch 5G in die Fläche zu kriegen. Ich komme selbst vom Land und weiß, dass mittelständische Betriebe, Bauern und die Menschen auf dem Land schnelles Internet brauchen. Bis 2022 sollen 99 Prozent der Haushalte in allen Bundesländern mit 4G ausgerüstet sein – also flächendeckend.

Das bedeutet aber nicht 99 Prozent in der Fläche. Deshalb gibt es die Forderung einer Abdeckung von 100 Prozent.

Wir sollten der technischen Entwicklung und dem weiteren Ausbau der Infrastruktur ein Stück weit Zeit geben. Dass wir flächendeckenden Ausbau wollen, steht außer Frage.

Der Digitalpakt Schule spielt in diesem Zusammenhang eine große Rolle. Wann geht der Pakt – fünf Milliarden des Bundes – konkret für die Schulen los, und wo sollen Sie in fünf Jahren stehen?

Bildung in der Schule verändert sich momentan stark, sie wird - wie viele andere Lebensbereiche - zunehmend digital. Viele andere Staaten haben bereits digitale Strukturen an den Schulen aufgebaut. In Deutschland geschieht es auch. Vielfach höre ich, dass Konzepte dafür ausgearbeitet werden und die Weiterbildung der Lehrer organisiert wird. Sobald der Bundesrat der Grundgesetzänderung zugestimmt hat, können wir den Digitalpakt umsetzen. 

Was wünschen Sie – müsste jeder Schüler ein Tablet haben?

Erreicht werden muss ein selbstverständlicher Umgang mit der Technik. Und ein Verständnis dafür, wie die Technik funktioniert. Hier sind viele Kinder schon sehr fit. Aber der Umgang mit den eigenen Daten, der muss noch geübt werden. 

Die Diskussion im Bundesrat um die Grundgesetzänderung hat ja gezeigt, wie schwer es für Sie ist, etwas Gutes zu tun. CDU-Länder im Süden waren dagegen. Ist das ein Zeichen dafür, dass das föderale System auch hinderlich sein kann, etwa bei den 16 unterschiedlichen Abituren?

Ich glaube, wir sind so stark, weil wir Vielfalt und unterschiedliche Systeme haben. In Sachsen das G8-Abitur, also bis Klasse zwölf. In Nordrhein-Westfalen, wo ich herkomme, gehen wir gerade zu G9 zurück. Wir brauchen aber eine Vergleichbarkeit von Qualitätsstandards über die Grenzen der Bundesländer hinweg. Damit machen wir es auch Familien leichter, die mit Kindern umziehen. Dafür will ich gemeinsam mit den Ländern einen Nationalen Bildungsrat schaffen, der Transparenz, Qualität und Vergleichbarkeit im Bildungswesen voranbringt. 

Lehrermangel ist ein massives Problem für ganz Deutschland. Können Sie als Bundesbildungsministerin dabei helfen?

Fachkräftemangel gibt es zurzeit in allen gesellschaftlichen Bereichen, aber an Schulen ist er besonders problematisch. Die Ausbildung eines Lehrers dauert lange. Viele Länder arbeiten mit Quereinsteigern. Das kann aber nur eine kurzfristige Lösung sein. Wichtig ist, den Beruf des Lehrers attraktiv zu machen. Dafür müssen wir ihre wichtige Arbeit und ihre Leistung anerkennen.

Sie treten für mehr duale Studiengänge - eine Kombination von Studium und Ausbildung - an den Hochschulen ein. Beginnen zu viele junge Leute ein reines Studium?

Zurzeit verändern sich die Arbeitsplatzbedingungen sehr schnell, theoretische und praktische Module wachsen zusammen. Egal, ob ein Studium, ein duales Studium oder eine Ausbildung – junge Leute müssen ihren Weg finden. An den Gymnasien soll noch mehr Berufsorientierung stattfinden. Und wir wollen mehr Weiterbildung ermöglichen.

In puncto Forschung ist oft die Kritik zu hören, MV kommt bei großen Instituten (Leibniz, Fraunhofer) im Ländervergleich zu kurz weg. Können Sie das ändern?

Die Förderung der wissenschaftlichen Forschungsinstitute ist sehr langfristig angelegt. Wir haben dabei immer auch strukturschwache Regionen im Blick. Wir haben einige herausragende Forschungseinrichtungen in Mecklenburg-Vorpommern.

Wendelstein 7-X in Greifswald ist ja so ein Highlight in MV. Der Bund schießt seit Jahren hohe Millionenbeträge in die Fusionsforschung. Wann muss was rauskommen? Was sind Ihre Erwartungen?

Da tut sich ja schon etwas, etwa bei Gründungen im Umfeld. Aber wir sollten Forschung nichts vorschreiben. In Greifswald wird Energieforschung als Grundlagenforschung betrieben. Das ist ein sehr langfristiges Vorhaben und eine Investition für die nächste Generation. 

Wie steht es um die Universitäten Rostock und Greifswald?

Als Bundesministerin möchte ich keine Bewertung zu einzelnen Hochschulen abgeben. Mit der Nachfolge des Hochschulpakts will die Bundesregierung die Bedingungen für ein gutes Studium für alle Studierenden verbessern und die Hochschulen nachhaltig stärken. 

Mehr zum Thema:

Liveticker zum Lehrer-Streik in MV: Diese Schulen sind betroffen

Bund sagt Geld für Hochschulen in MV zu

Neues Forschungszentrum für die Universität Greifswald

Alexander Loew, Frank Pubantz, Bernhard Schmidtbauer

Ein 31-Jähriger hat in der Silvesternacht 2017/2018 den historischen Borwinbrunnen in der Güstrower Altstadt mit einem Polenböller schwer beschädigt. Die Kosten für die Reparatur werden auf 110 000 Euro geschätzt. In dem Prozess zeigte der Mann Reue.

27.02.2019

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) verkündet, dass die Mittel für die Hochschulen in Mecklenburg-Vorpommern bis 2027 weitergezahlt werden. Landesministerin Hesse (SPD) erklärt, sie würde gerne mehr Personalstellen entfristen.

27.02.2019

Gewerkschaften haben am Mittwoch rund 28 000 Beschäftigte in MV zur Arbeitsniederlegung aufgerufen, darunter auch viele Lehrer an öffentlichen Schulen. Wir berichten live von den Auswirkungen.

27.02.2019