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MV aktuell Bundeswehr statt Einzelhandel: Rostockerin absolviert mit 45 Jahren die Grundausbildung
Nachrichten MV aktuell Bundeswehr statt Einzelhandel: Rostockerin absolviert mit 45 Jahren die Grundausbildung
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10:12 23.02.2019
Hauptgefreiter Yvonne Dickopf ist seit drei Jahren bei der Bundeswehr. Davor arbeitete die Rostockerin im Einzelhandel. Quelle: JULIANE SCHULTZ
Laage

Yvonne Dickopf ist 48 Jahre alt. Vor drei Jahren hat sie ihren Job im Einzelhandel an den Nagel gehängt und sich für den Dienst an der Waffe entschieden. Neuer Arbeitplatz: Taktisches Luftwaffengeschwader 73 „Steinhoff“, Fliegerhorst Laage. Damit Yvonne Dickopf hier überhaupt arbeiten darf, waren zwei Bundeswehr-Reformen notwendig. Die kamen für die Rostockerin gerade noch rechtzeitig.

Dickopf wächst in Rheinland-Pfalz auf. Das Bundesland ist geprägt von militärischer Präsenz der Bundeswehr und US-Armee. Einer der bekanntesten Standorte ist die Ramstein Air Base mit 45 000 US-Soldaten. „Ich bin im Umfeld von Soldaten groß geworden, hatte keine Berührungsängste“, sagt sie. Wenn es möglich gewesen wäre, hätte ich mich viel früher für die Bundeswehr entschieden.“ Doch zwischen ihr und dem Diensteid stehen dmals viele Hürden.

Falsches Geschlecht, falsches Alter

Bis 2001 sind Frauen nur im Sanitäts- und Militärmusikdienst bei der Bundeswehr zugelassen. Das kommt für sie nicht in Frage. Als der Weg in die Streitkräfte endlich frei für Frauen wird, ist Dickopf 30 und damit zu alt. Die Grenze für Neuanfänger liegt bei 27. 2015 fällt schließlich auch diese Beschränkung. Die Betriebswirtin für Bürokommunikation lebt inzwischen in MV, ist verheiratet und arbeitet im Einzelhandel. Sie meldet sie sich im Karriereberatungsbüro der Bundeswehr in Rostock. „Dort hat man mir die verschiedenen Möglichkeiten im zivilen und militärischen Bereich aufgezeigt. Mir war Laage als Dienstort mit festem Dienstposten wichtig. Da gab es eine Stelle im Stabsbüro, auf die ich mich gezielt beworben habe.“

Keine Sonderregeln

Es folgt eine Einladung zu Eignungsprüfung nach Berlin – obligatorisch für die militärische Laufbahn. Getestet werden verschiedene Bereiche, darunter Wissen, Psychologie und Sport. „Mir war bewusst, dass ich eine der ältesten sein werde. Aber das war kein Problem.“ Auch Pendelläufe und der Klimmhang, das Verharren in der Klimmzug-Haltung mit dem Kinn oberhalb der Stange, kein Problem. Statt der für Männer wie für Frau geforderten fünf Sekunden, schafft sie 60. „Ich bin schon immer gelaufen, ein bisschen fit sollte man für den Test sein.“ Am Ende der zwei Tage steht das Ergebnis fest: Yvonne Dickopf ist geeignet.

Noch ein letzter Stolperstein: Die Entscheidung, einen Soldaten über 40 einzustellen, trifft das Bundesamt für Personalmanagement der Bundeswehr. Die Bewilligung kommt per Post.

Nun geht es zur dreimonatigen Grundausbildung. Die meisten Kameraden der damals 45-Jährigen sind zwischen 17 und 20. „Zwei oder drei waren immerhin um die 30“, erinnert sich Dickopf. Die Stube teilt sie mit fünf jungen Mädchen. „Man muss sich darüber klar sein, dass man mit jungen Menschen zu tun hat, die anders denken und handeln. Ich habe das als Bereicherung empfunden.“ Märsche, Übungslager im Freien, Ausbildung an der Waffe – Sonderregelungen für Alter oder Geschlecht gibt es nicht. „Man wird bewusst an seine Grenzen geführt, aber im Mittelpunkt steht die Kameradschaft. Gezweifelt hab ich nie an meiner Entscheidung, ich wollte es unbedingt.“

Endlich: Frau Hauptgefreiter

Dann endlich kann sie ihren Dienst antreten, als Soldat auf Zeit für acht Jahre. Ihr Arbeitsplatz befindet sich im Geschäftszimmer des Regimentsstabs, wo sie dem „Spieß“ – also dem Kompaniefeldwebel – und dem Stabszugführer assistiert. Ein fast normaler Job? „Die organisatorische Bürotätigkeit ist hier wie überall. Ich kann mein Fachwissen anwenden, deshalb habe ich mich auf diese Stelle beworben. Die Rahmenbedingungen sind natürlich anders, als im zivilen Leben.“ Obligatorisch sind, fortlaufende Weiterbildungen, etwa an der Waffe, das Deutsche Sportabzeichen und die grundsätzliche Bereitschaft an Auslandseinsätzen teilzunehmen.

In Laage sind neun von 100 Soldaten weiblich. Yvonne Dickopf ist jetzt Frau Hauptgefreiter – Dienstgrade bei der Bundeswehr sind ausnahmslos männlich. Für die 48-Jährige spielt das keine Rolle: „Ich mag klare Strukturen. Es ist ein schöner Beruf – auch familienfreundlich. Ich kann mir vorstellen meine Dienstzeit zu verlängern.“

Die Bundeswehr als Arbeitgeber

Für Männer und Frauen gibt es seit 2015 dieselben Möglichkeiten bei der Bundeswehr zu arbeiten. Grundsätzlich wird unterschieden zwischen zivilen und militärischen Berufen.

Unbefristete Stellen gibt es nur im zivilen Bereich und für Berufssoldaten. Soldaten auf Zeit können bis zu 25 Jahre bei der Bundeswehr arbeiten.

Die Vergütung bei der Bundeswehr ist für vergleichbare Tätigkeiten in MV überdurchschnittlich.

Berufssoldaten haben keinen festen Dienstort. Zivile Angestellte und Soldaten auf Zeit in der Mannschafts- und Unteroffizierslaufbahn können sich auf Stellen mit einem festen Dienstort bewerben.

Alle Beschäftigten im militärischen und zivilen Bereich müssen ihre grundsätzliche Bereitschaft zum Einsatz im Ausland erklären. Nur für Berufssoldaten besteht eine Verpflichtung zum Auslandseinsatz. Soldaten auf Zeit und zivile Angestellte können sich dazu freiwillig melden.

Für alle Tätigkeiten im militärischen Bereich ist die dreimonatige Grundausbildung obligatorisch. Im Anschluss müssen Soldaten durch Lehrgänge ihre Einsatzbereitschaft erhalten.

Juliane Schultz

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